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Jäger besorgt: Nabu-Pläne gefährden Tiere und verstoßen gegen Gesetze

Viaduktradweg Jäger besorgt: Nabu-Pläne gefährden Tiere und verstoßen gegen Gesetze

Die Vorhaben dreier Vereine, eine alte Bahnstrecke zu einem Wander- und Radweg umzubauen, stoßen bei der Jagdgenossenschaft Altenburg auf Widerstand. Vorstand Wolfgang Schleicher bezeichnet die Pläne als nicht genehmigungsfähig, weil dadurch Tiere bedroht werden. Der Naturschutzbund weist die Vorwürfe zurück.

Wolfgang Schleicher, der Chef der Jagdgenossenschaft, steht vor der alten, mittlerweile bewachsenen Bahntrasse bei Kotteritz, die zum Wander- und Radweg umgebaut werden soll.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Mit einem Arbeitseinsatz zelebrieren drei Vereine am Sonnabend den symbolischen Baustart am Viaduktradweg. Zwischen Klausa und Ehrenhain soll zunächst Gestrüpp beseitigt werden. Doch an anderen Stellen an der rund 16 Kilometer langen Strecke hat sich seit ihrer Stilllegung die Natur entfaltet, stehen hohe Bäume und dichte Büsche, haben etliche Tierarten seit Jahren ein Zuhause gefunden.

Sorge über Eingriff in die Natur

Den geplanten Eingriff in die Natur betrachtet die Jagdgenossenschaft Altenburg mit großer Sorge und hält den Radwegebau insbesondere im stark bewachsenen Bereich zwischen Stünzhain und Oberleupten sogar für nicht genehmigungsfähig. Das geht aus einer Stellungnahme von Wolfgang Schleicher, dem Vorstand der Genossenschaft, an die OVZ hervor. Für ihn ist der Bahndamm mit seinem Laubholzbestand mit Sicherheit Reproduktionslebensraum für über 30 nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Käferarten aus den Familien der Lauf-, Bock- und Blatthornkäfer. Außerdem sei mit Vorkommen des streng geschützten Eremiten zu rechnen. Das gelte ebenso für den geschützten Siebenschläfer, der in den Gehölzen am alten Bahndamm mit die höchsten Individuendichten innerhalb Thüringens erreicht.

Biotopverbund geht verloren

Diese Vorkommen stehen in Verbindung mit dem Naturschutzgebiet „Fasanerieholz“, das als wichtiges Biotopverbundelement zwischen der Pleißenaue und den verschiedenen Laubwaldbeständen und Feldgehölzgruppen in der sonst landwirtschaftlich geprägten Landschaft gilt. Wenn die Gehölze im Zuge des Radweges nun beseitigt werden, gehen diese funktionalen Strukturen verloren, befürchtet Schleicher.

Gefahr für Fledermausarten

Er befürchtet außerdem, dass Quartiere und Nahrungsgebiete von mehreren streng geschützten Fledermausarten völlig vernichtet werden. „Das ist artenschutzrechtlich unzulässig“. Daneben befinden sich Brutplätze der ebenso streng geschützten Vogelarten Waldkauz, Turmfalke, Mäusebussard und Rotmilan in diesem Bereich. Eine Zerstörung dieser Horstplätze ist für Schleicher artenschutzrechtlich ebenfalls unzulässig. Die artenschutzrechtlichen Hinderungsgründe wiegen für ihn deshalb schwerer, als das lokale Interesse an einem Radweg. Das Vorhaben hält er schon deshalb für nicht genehmigungsfähig.

Bedenken gegen die Abholzungen hegt Schleicher auch als jagdlicher Sicht. Denn damit gehen wichtige Ruhezonen für das Wild verloren, was wegen der ohnehin zersiedelten Landschaft ungünstig ist.

Nabu-Chef: Vorwürfe sind lächerlich

Federführend beim Radweg ist der Thüringer Naturschutzbund (Nabu), dem auch die benötigten Flächen gehören. Nabu-Chef Mike Jessat bezeichnet die Vorwürfe der Jagdgenossenschaft als lächerlich und falsch. Offenbar gehe Schleicher davon aus, dass der Nabu Bäume fällen will. Das aber geschehe nicht. Es werden lediglich Büsche auf der vorhandenen Bahntrasse entfernt. Dies sei kein Eingriff in die Natur, und für die Pläne benötige der Nabu auch keine Genehmigungen. Die Gefährdung von Tieren finde nicht statt. Schleicher bleibe bei seinen Behauptungen sämtliche Beweise schuldig, sagt Jessat der OVZ. Er vermutet als den tatsächlichen Hintergrund der Vorwürfe, dass sich die Jäger durch die Wanderer auf der Trasse in Zukunft gestört fühlen könnten.

Von Jens Rosenkranz

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