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300 Unterschriften: Jahnpark-Gegner formieren sich in Altenburg

Seniorenwohnprojekt 300 Unterschriften: Jahnpark-Gegner formieren sich in Altenburg

Kaum wurden die Pläne zum Jahnpark publik, begann sich in Altenburg Widerstand gegen das Projekt zu formieren. Vier Wochen später ist aus der Idee, Unterschriften gegen den Neubau der Seniorenanlage in der Geraer Straße zu sammeln, Realität geworden. Knapp 300 Leute haben zum Stift gegriffen.

Carmen Haase, Helene Teußner, Christine Schröder, Fransiska Rohn, Simone Pieske, Ruth Schwinge und Heidrun Weigel (v.l.) haben gegen den Neubau einer Seniorenanlage direkt vor ihrer Nase in der Geraer Straße in Altenburg unterschrieben.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Kaum wurden die Pläne zum Jahnpark publik, begann sich in Altenburg Widerstand gegen das Projekt zu formieren. Vier Wochen später ist aus der Idee, Unterschriften gegen den Neubau der Seniorenanlage in der Geraer Straße zu sammeln, Realität geworden. Knapp 300 Leute haben zum Stift gegriffen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Gründe, das 20-Millionen-Euro-Projekt eines Bayerischen Investors, das durch zwei Großkonzerne betrieben werden soll, abzulehnen. Damit der Protest nicht verpufft, hat man die Listen Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) übergeben.

Was die Anwohner An den Geraer Linden, in der Gabelsbergerstraße und am Jahnplatz vor allem umtreibt, ist die Angst vor dem Verlust von Wohn- und Lebensqualität. „Ausschlaggebend für den Zuzug vieler Bürger war das Wohnumfeld“, heißt es in dem Schreiben, das den Unterschriften beiliegt. „Handelte es sich doch dabei um einen Sportplatz, später um eine ’wilde Grünfläche’ ohne Bebauung, die in Höhe und Ausdehnung Licht, Luft und Raum für viele in unzumutbarem Ausmaß beschneiden würde.“ Damit meinen die Initiatorinnen Claudia Müller und Simone Anders* insbesondere den geplanten Viergeschosser vor den dreistöckigen Wohnhäusern.

Nachdem sie aus der OVZ vor gut vier Wochen von den Plänen erfuhren, wurden sie Anfang Oktober aktiv und fanden schnell Sympathisanten. Mit fast 300 Unterschriften haben sie aber nicht gerechnet. Aus ihrer Sicht verstößt das Vorhaben gegen das Gebot der Rücksichtnahme. Daher fordern sie und ihre Unterstützer eine Prüfung der Umweltverträglichkeit. So sei bei einem Pflegeheim mit 143 Plätzen und betreutem Wohnen mit 60 bis 70 Einheiten mit erheblichem Lärm und anderen Emissionen durch Lieferverkehr, Besucher oder Notfallversorgung zu rechnen, sagt Müller.

Zudem sehen die Initiatorinnen auch ein Problem durch das wegfallende Grün. „Es gibt hier brütende Falken, andere seltene Vögel und Fledermäuse, die hier Nahrung finden“, sagt Anders. Eine ältere Dame, die An den Geraer Linden wohnt, möchte zudem keine Baustelle mehr direkt vor dem Fenster haben. Andere haben Angst, bald in einem „Senioren-Ghetto“ zu wohnen. Sie fürchten, dass die Altenburger Weststadt durch den Neubau völlig vergreist. Schließlich stehen direkt gegenüber bereits drei Pflegeheime der Hospitalstiftung.

In dieser Konzentration sieht Heidrun Weigel weitere Probleme. So teilt die einstige Pflegedienstleiterin der Hospitalstiftung die Investoren-Ansicht zum Bedarf an Pflegeplätzen nicht „Die Hospitalstiftung hat freie Plätze“, sagt die Rentnerin, die stundenweise aushilft und – wie viele Kollegen und Anwohner – den Protest unterstützt. Einen Bedarf gebe es nur bei der Kurzzeitpflege. Außerdem bauten DRK und Pflegedienst Hose ihre Kapazitäten aus. „Daher bezweifle ich, dass alle Häuser voll werden.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass das Pflegestärkungsgesetz II ab 2017 die häusliche Pflege stärke. Zudem befürchtet sie ein „Hin- und Hergezerre“ der jetzt schon begehrten Fachkräfte. „Es wird niemand nach Altenburg ziehen, denn einen Pflegejob findet er in Borna oder Leipzig auch.“

Dem stimmt Carmen Haase nickend zu. Abgesehen davon und von den begrenzten Parkplätzen im Viertel bringt die Pflegedienstleiterin der Hospitalstiftung noch andere Dinge ins Spiel: „Uns liegen Karolinum und Friedrichgymnasium am Herzen. Wir finden es traurig, dass Schüler eine Fläche in der Nähe nicht nutzen können und zum Sport ans andere Ende der Stadt müssen.“

* Namen geändert

Von Thomas Haegeler

An den Geraer Linden, Altenburg 50.9827289 12.4188225
An den Geraer Linden, Altenburg
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