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Jekyll und Hyde im Kampf

Gelungene Musical-Premiere im Theater Altenburg Jekyll und Hyde im Kampf

Der Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen ist eines der immer wiederkehrenden Themen der Kunst. Doch kaum eine andere Geschichte stellt diesen Gegensatz so plastisch und spannend dar wie Robert Luis Stevensons Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Im Theater Altenburg hatte das Musical „Jekyll & Hyde“ unlängst eine außergewöhnlich gelungene Premiere.

Randy Diamond (Dr. Henry Jekyll/Edward Hyde) zwischen den Damen und Herren des Opernchors
 

Quelle: Stephan Walzl

Altenburg.  „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen“ lässt Goethe seinen Faust sagen.

So ähnlich ist es in Robert Luis Stevensons Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Nur, Dr. Henry Jekyll will das Gute und das Böse im Menschen trennen, was natürlicherweise nicht möglich ist. Mit wahrer Besessenheit hat er ein Mittel entwickelt, das er heimlich an sich selbst testet, nachdem der Vorstand des Krankenhauses den Versuch an einem Patienten untersagt. Er verwandelt sich dadurch in die Gestalt des Edward Hyde, der nachts mordend durch die Londoner Straßen streift.

Was nun folgt, ist von Leslie Bricusse für die Bühne adaptiert und von Frank Wildhorn in Musik gesetzt und als eines der raffiniertesten Musicals unter dem Namen „Jekyll und Hyde“ ab 1990 für die Bühne freigegeben worden. Der hiesige Generalintendant Kay Kuntze hat sich des Stoffes angenommen und mit dem Bühnen-und Kostümausstatter Duncan Hayler eine Musicalproduktion geschaffen, die in ihrer Komplexität höchsten Ansprüchen genügt und das Publikum drei Stunden lang in Staunen und Begeisterung versetzt. Nach dem Musical „Chess“ hat es Kuntze wieder geschafft, eine Einheit von Ausstattungspracht, raffiniertem Bühnengeschehen mit Solisten, Chor und Ballett und musikalischem Glanz auf die Bühne zu bringen, die Maßstäbe setzt. Und er hat mit dem Amerikaner Randy Diamond und Ive Rades – „dem Mädchen aus Ostberlin“ in Udo Lindenbergs Berliner Musical – zwei renommierte Kräfte gewonnen, die mit den vielen fabelhaft agierenden Sängerinnen und Sängern aus dem eigenen Ensemble und mit dem Ballett der Aufführung das Gepräge geben.

Dem Regisseur gelingt es, im Handlungsgeschehen auf der Bühne ein Tempo und eine Spannung zu erzeugen, die das Publikum nie aus dem Geschehen entlässt. Dieses fällt nicht in eine krude Schauermär ab. Die moralische Balance in dem Gut-Böse-Dualismus bleibt immer gewahrt. Als der mordende Hyde über den Dr. Jekyll immer mehr die Oberhand gewinnt, bittet dieser seinen Freund und Anwalt, ihn zu töten. Diese Aufgabe übernimmt am Ende seine Frau und Geliebte Lisa. Sie erschießt ihn und gibt ihm die Erlösung, die er sich gewünscht hat. Es gibt zudem Bühnenbilder hier schon lange nicht mehr gesehen Ausmaßes. Da wird das Innere einer Kathedrale auf die Bühne projiziert, die Unendlichkeit simuliert. Dr. Jekyll sitzt in seinem Labor vor einer grandios wirkenden Wand, die man so außer in Weltallfilmen noch nicht gesehen hat. Im Londoner Hafengebiet wird das Bordell „Rote Ratte“ installiert, das lustvolle Vollkommenheit bietet und in dem Mr. Hyde die Prostituierte Lucy kennenlernt, die sich in den Fiesling verliebt und von ihm bald gemeuchelt wird. Dazu gibt es eine abwechslungsreiche Lichtregie, die sogar Teile des Zuschauerraumes einfärben lässt. Und Kostüme ohne Zahl für den Chor und das Ballett. So wird der Technikbereich zum erfolgstragenden Bestandteil dieser Aufführung. Der Dank an alle, die hinter der Bühne wirken, wird so zur Dankespflicht.

Der Chor wird mächtig gefordert und bietet neben schauspielerischem Können kraftvolles und wohlfeiles Singen (Einstudierung Holger Krause). Das Ballett ist fast omnipräsent und beweist den Vorteil, es am eigenen Hause zu haben (Choreografie Anna Lisa Canton).

Das abwechslungsreiche musikalische Geschehen über drei Stunden im Graben und auf der Bühne sehr differenziert am Laufen zu halten, erfordert Erfahrung, Konzentration und musikalische Souveränität. Dafür ist Thomas Wicklein der richtige Mann. Er führt das Orchester zu prachtvoller Leistung.

Randy Diamond ist Dreh- und Angelpunkt allen Geschehens. Seine Leistung ist phänomenal. Er besitzt die Modulation für rasches Wechseln im Sprechen und Singen von einer Person zur andern und als Tänzer die Beweglichkeit für körperintensives Spiel.

Als Luci überzeugte Eve Rades nicht nur mit laszivem Verhalten, sondern auch mit Innigkeit bei aufkommender Liebe und mit variablem Gesang.

Ganz erfreulich ist die Leistung von Claudia Müller in der dritten großen Rolle dieses Musicals als Geliebte und Frau des Dr. Jekyll, die bis zum Ende an ihn glaubt. Sehr präsent ist Alexander Voigt als Anwalt und Freund der Hauptperson, der mehr zu sprechen als zu singen hat und das überzeugend meistert. Und Günter Markwarth bedient wieder einmal mehrere Rollen gekonnt.

Am Gesamterfolg dieses Musicals waren auch alle anderen Solistinnen und Solisten des Theaters sowie Gäste des Opernstudios beteiligt.

Nun hat Altenburg wieder sein Musical. Diese Aufführung braucht keinen Vergleich mit solchen in den Musical-Zentren zu scheuen. Es war lange nicht, dass in diesem Theater eine Aufführung mit Standing Ovations bedacht wurde.

Von Manfred Hainich

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