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Jobcenter Altenburger Land: Flüchtlinge erst nach Jahren auf Arbeitsmarkt vermittelbar

Behörde hat 150 Asylbewerber in Datei Jobcenter Altenburger Land: Flüchtlinge erst nach Jahren auf Arbeitsmarkt vermittelbar

Fehlende Sprachkenntnisse, zu geringe Qualifikationen und ein ungeklärter Aufenthaltsstatus sind Gründe dafür, warum Flüchtlinge kurzfristig nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Es dauert etliche Jahre, bis Asylbewerber die dafür nötigen Kentnisse erworben haben. Indes fehlt es nicht an der Bereitschaft, Flüchtlinge einzustellen.

Heike Praetz, Geschäftsführerin des Jobcenters Altenburger Land.

Quelle: Gerlach

Altenburg. Nach Einschätzung des Jobcenters in Altenburg kann das Gros der Flüchtlinge kurzfristig nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden. Fehlende Sprachkenntnisse, zu geringe Qualifikationen und ein ungeklärter Aufenthaltsstatus sind dafür die Gründe. An der Bereitschaft der Arbeitgeber fehle es indes im Altenburger Land nicht, erklärt Heike Praetz auf OVZ-Anfrage. „Aber manche Firmen haben eine etwas verklärte Vorstellung von dem, was die Leute an Kenntnissen mitbringen“, so die Geschäftsführerin des Jobcenters. So einfach, wie sich mancher das vorstellt oder vor den Hintergrund des Fachkräftemangels wünscht, ist es nicht.

Das beginnt mit dem Status der Flüchtlinge. So lange sie keine Aufenthaltsgenehmigung haben, ist das Jobcenter nicht zuständig. Das heißt unter anderem, die Flüchtlinge werden bis dahin durch die Behörde weder vermittelt noch gefördert. Und sie unterliegen Einschränkungen bis zur Klärung des Statuts’, dürfen also nicht jede Tätigkeit annehmen.

Aktuell sind rund 1200 Flüchtlinge im Altenburger Land untergebracht. Davon führt das Jobcenter 150 in seinen Dateien als arbeitslos beziehungsweise jobsuchend. „Im vergangenen Jahr haben im Kreis etwa 230 Flüchtlinge eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Wer danach nicht im Altenburger Land bleibt oder eine Arbeit findet, kommt natürlich nicht zu uns. Ferner sind unter den anerkannten Flüchtlingen auch Kinder“, erläutert die Praetz die zahlenmäßige Differenz. Die Flüchtlinge, die dann von ihrem Team betreut werden, seien aber auf Anhieb kaum vermittelbar. „Bundesweit wird davon ausgegangen, dass fünf Prozent gleich vermittelbar sind“, sagt Praetz.

Jedoch im Altenburger Land konnte bis jetzt noch kein Flüchtling als Fachkraft vermittelt werden. Überhaupt – Selbstständige nicht mit gerechnet – sind im Kreis nur 363 Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 25 von denen kommen aus Asylzugangsländern, wovon wiederum nur vier aus dem nichteuropäischen Ausland stammen.

„Das Hauptproblem sind die mangelnden Sprachkentnisse. Das geht schon bei uns auf dem Amt los“, sagt Teamleiter Jörg Neumerkel. Deshalb werde versucht, sobald die Flüchtlinge beim Jobcenter gemeldet sind, sie in Sprachkurse zu vermitteln. Dafür arbeitet das Amt mit drei Bildungsträgern zusammen. Im Jahr können so ein Dutzend Kurse für jeweils etwa 20 Flüchtlinge angeboten werden. „Damit stehen momentan ausreichend Plätze zur Verfügung“, stellt er klar. Weil aber mit einer steigenden Zahl von Flüchtlingen mit Aufenthaltserlaubnis gerechnet wird, verhandele er derzeit mit weiteren Bildungsträgern , um die Kurszahl auf 20 zu steigern.

„Unabhängig von den Sprachkentnissen sind unter den Flüchtlingen auch keine Mechatroniker, die etwa an einer CNC-Maschine arbeiten könnten“, beschreibt Praetz die mangelnde Qualifikation bildlich. Das bedeutet, nach dem Sprachkurs geht es weiter. Und dies über Jahre, was auch die meisten Flüchtlinge nicht erwarten. „Sie kommen hoch motiviert, wollen arbeiten und brauchen auch das Geld. Viele haben, wenn überhaupt, aber nur ein paar Zertifikate. Selbst Hochschulabschlüsse werden nicht einfach anerkannt. Wir müssen deshalb bei den Flüchtlingen erst das Bewusstsein entwickeln, was Ausbildung in Deutschland heißt“, erklärt Neumerkel. Alles in allem gehen so mindestens vier bis fünf Jahre ins Land, bevor die Migranten auf dem in den Betrieben benötigten Niveau sind.

Langfristig stellen die Flüchtlinge aber eine Möglichkeit dar, dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Dafür ist es notwendig, ihnen hier etwas zu bieten, sonst verlassen die guten Leute den Kreis, und es bleiben nur die schwierigen Fälle“, mahnt Praetz. Darüber hinaus müsse darauf geachtet werden, dass alle Flüchtlingskinder Schulen und Kitas besuchen. Denn die Schulbildung ist Voraussetzung für einen Job ebenso wie für Integration. „Das gilt im Übrigen auch für die Erwachsenen. Sie müssten so schnell wie möglich mit Sprachkursen sowie Aus- und Weiterbildungen beginnen und dürfen nicht monatelang warten müssen, bis ihr Status geklärt ist“, sagt Neumerkel.

Im Januar waren im Agenturbezirk 620 arbeitslose Ausländer gemeldet. Knapp ein Drittel kommt aus den sogenannten Asylzugangsländern wie Syrien oder Irak. Zum Vorjahresmonat hat sich ihre Zahl um 20 Prozent erhöht. Trotz dieser gestiegenen Zahlen, beträgt der Anteil der arbeitslosen Ausländer nur 3,5 Prozent.

 

Von Jörg Reuter

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