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Altenburg Johann Ludwig Krebs beim Musikfestival gewürdigt
Region Altenburg Johann Ludwig Krebs beim Musikfestival gewürdigt
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20:09 19.08.2013
Altenburg

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War doch dieser bedeutende Komponist immerhin 24 Jahre, also die längste Zeit seines Lebens, in Altenburg als herzoglicher Hoforganist tätig. Viele Initiativen gab es dazu bereits. Am Freitag fand eines der zehn Jubiläumskonzerte im Rahmen des Altenburger Musikfestivals statt.

Dazu hatte man wieder traditionell prominente Gäste eingeladen: die Konsule von Rumänien, den USA und Italien sowie die Schirmherrin des gesamten Projektes, die Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen, Christine Lieberknecht (CDU). Nachdem Verleger Klaus-Jürgen Kamprad zu Konzertbeginn die umfangreiche CD-Produktion zu Krebs erläuterte, ließ es sich die Ministerpräsidentin nicht nehmen, in einem Grußwort ihre persönliche Sicht auf den Bachschüler darzulegen. Krebs zu entdecken, sei ein besonderer Gewinn, so Lieberknecht. Schließlich kam er in Buttelstedt in unmittelbarer Nähe von Ramsla, ihrem Wohnort, zur Welt. Er sei einer jener bewundernswerten Musiker, die die Thüringer Musiklandschaft geprägt haben und die mit Recht zur Hochkultur dieser Region zu zählen seien. Die thüringischen Residenzen waren seit jeher Orte einer exponierten Musikausübung. Zu den Markenzeichen des Altenburger Landes gehören eben nicht nur der Ziegenkäse oder das Busunternehmen Göppel, sondern auch die Musik von Johann Ludwig Krebs.

Nach zwei weiteren kurzen Grußworten stand dann die Musik von Johann Ludwig Krebs ganz im Mittelpunkt. Zu Gast waren die Merseburger Hofmusik und das Collegium Vocale Leipzig unter der Leitung von Gewandhausorganist Michael Schönheit. Drei geistliche Kantaten und eine Sanctus-Vertonung standen im Mittelpunkt des Programms. Obwohl Krebs im Gegensatz zu seinem Lehrer Bach nur wenige Kantaten schuf, war er auf diesem Gebiet ein feinsinnig agierender Schöpfer, der meisterhaft mit den Texten und den musikalischen Formen umzugehen wusste. Neben stillen Chorälen oder trompetenumglänzten Chorsätzen stehen oft schlichte, aber zutiefst ergreifende Ariosi und Rezitative sowie elegant dahinfließende Arien und Duette.

Es war ganz erstaunlich, wie bei diesen doch unbekannten Werken der zündende Funke auf das Publikum im voll besetzten Festsaal übersprang. Dabei faszinierten nicht nur der festliche Jubel der Chöre, sondern auch und vor allem die stillen Töne dieser Musik. Dazwischen waren zwei instrumentale Werke eingestreut, nämlich das Concerto in F-Dur für Laute und Streicher sowie das Doppelkonzert für Oboe und Cembalo h-Moll.

Michael Schönheit führte seine Musiker mit dem ihm eigenen persönlichen Temperament und Musizierstil. Man spürte, dass er ganz in der Krebsschen Musik aufging. Fernab vom sklavischen Taktschlagen animierte er das Ensemble mit seinen typischen Dirigierbewegungen zu sehr subtilen, aber auch zu festlich aufbrausenden Klängen. Durch die gemeinsamen CD-Aufnahmen waren die Merseburger Hofmusik und das Collegium Vocale zusammengeschweißt worden. Insofern erlebte man eine absolut perfekte und lupenreine Interpretation der Werke des Bachschülers.

Ein großes Kompliment kann allen Solisten des Abends ausgestellt werden. An der Oboe und am Cembalo brillierten Markus Müller und Michael Schönheit. Der Lautenist Stefan Maass hatte es trotz überzeugenden Spiels mit dem sehr stillen Klang seines Instrumentes nicht einfach, im Zusammenspiel mit den sehr dezent begleitenden Streichern zu bestehen.

Die vier Gesangssolisten Gesine Adler, Britta Schwarz, Tobias Hunger und Tobias Berndt waren bestens aufgestellt. Besonders Britta Schwarz beeindruckte in der Kantate "Herzlich tut mich verlangen" mit ihrer wunderbaren Altstimme und einer gefühlsintensiven Interpretation. Dieses emotional anrührende Werk stellte dadurch den absoluten Höhepunkt des Abends dar.

Das Fazit des fast dreistündigen Konzertes inklusive Pause kann nur lauten: Johann Ludwig Krebs ist wahrlich ein Komponist von bestechender Meisterschaft. Der begeisterte Beifall am Ende bestätigte, dass man seiner Musik mit Spannung und ohne Ermüdung über eine so üppige Konzertdauer lauschen kann.

Felix Friedrich

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