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Johanniter wollen es probieren

Johanniter wollen es probieren

Die Schließung des Kindergartens Ehrenberg kann möglicherweise doch noch verhindert werden. Die Johanniter bekundeten offiziell ihr Interesse, die vom Magdalenenstift gekündigte Kita weiterzuführen - allerdings müsste dazu eine Reihe Bedingungen erfüllt sein.

"Wir sind bereit, uns auf das Abenteuer einzulassen. Wir haben uns beworben, weil das eine spannende Geschichte werden kann." Uwe Werner, Johanniter-Regionalvorstand für Ost- thüringen, konnte am Montagabend den Eltern, die sich in der Ehrenberger Mehrzweckhalle mit Oberbürgermeister Michael Wolf zu einer weiteren Informationveranstaltung trafen, zumindest ein bisschen Hoffnung machen. Als einziger freier Träger hatte sich der Verband in dem vom OB im Februar versprochenen Interessenbekundungsverfahren gemeldet, denn: "Solche Kitas in ländlichen Gebieten sind beliebt, wenn das Konzept und die Rahmenbedingungen stimmen."

 

Zugleich stellte Werner aber unmissverständlich fest: "Wir könnten die Kindertagesstätte weiter betreiben. Aber wenn wir einsteigen sollten, muss die Finanzierung klar sein. Wir werden als Verein nicht kommen und Geld mitbringen." Die Johanniter betreiben in Ost-thüringen neun Kindereinrichtungen.

 

Das Altenburger Magdalenenstift, das den Ehrenberger Kindergarten 2003 aus städtischem Besitz in freie Trägerschaft übernahm, hatte den Vertrag im Juli vergangenen Jahres gekündigt. Die Stadtverwaltung kündigte daraufhin die Schließung zum Ende August 2014 an. Als Gründe für den Rückzug nannte das Magdalenenstift zu hohe Kosten für den Umbau der Einrichtung, um Kinder unter zwei Jahren aufnehmen zu können, sowie einen zu erwartenden Rückgang der Kinderzahlen (OVZ berichtete).

 

Vor allem bei den Eltern, aber auch unter den Einwohnern hatten die Pläne für großen Unmut gesorgt. So beklagte Elternsprecherin Alexandra Pilling am Montagabend fehlende Informationen und Gerüchte zur Zukunft des Kindergartens. Zudem würde das Magdalenenstift schon bis Ende Oktober schriftliche Ummeldungen der jetzt betreuten Kinder fordern, die Eltern fühlen sich unter Druck gesetzt. Und ein bereits im vergangenen Jahr verhängter Aufnahmestopp verfälsche die Betreuungszahlen. Aktuell sind in der Einrichtung elf Kinder untergebracht, genehmigt sind 21 Plätze. Wie die Debatte zeigte, sind die Eltern offenbar auch bereit, höhere Gebühren zu zahlen, wenn die Einrichtung erhalten bleiben sollte.

 

Doch das dürften nicht die Knackpunkte sein. So erwarten die Johanniter, das die Stadt Altenburg ihre Sonderbehandlung für den Kindergarten fortsetzt. Der bekommt als einzige Einrichtung die städtischen Zuschüsse auf die Gesamtkapazität berechnet, unabhängig von der tatsächlichen Auslastung. Und auch die Gebühren werden subventioniert, was alles in allem rund 43 000 Euro pro Jahr ausmacht. "Außerdem muss die Einrichtung in der Bedarfsplanung des Landkreises bleiben und wir brauchen eine neue Betriebserlaubnis", erläuterte Uwe Werner.

 

Der OB machte weitere Schwierigkeiten deutlich: So hatte das Landratsamt eine Förderung der Umbauten für unter zweijährige Kinder abgelehnt, weil es in Altenburg bereits ausreichend Plätze gibt, anderswo aber nicht. Sollte der Fachdienst mit einem neuen Antrag umgestimmt werden können, wie Michael Wolf andeutete, fehlt immer noch das Okay des Ministeriums. Dazu gibt es im November einen Vor-Ort-Termin.

 

"Am Ende ist es die Grundsatzentscheidung des Stadtrates, was ihm der ländliche Raum wert ist", betonte der SPD-Politiker. "Und das kann nur eine politische Entscheidung sein. Rein kaufmännisch ist die Sache ganz klar."

Jens Rosenkranz

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