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Jüdische Familien in Altenburg – ein Theaterstück an Originalschauplätzen

Cohn Bucky Levy Jüdische Familien in Altenburg – ein Theaterstück an Originalschauplätzen

Das jüdische Kaufhaus M.&S. Cohn in der Sporenstraße ist vor allem den älteren Altenburgern und sicher auch allen Geschichtsinteressierten noch immer ein Begriff. Doch über das Schicksal derer von Cohn, Levy und Bucky hingegen weiß man relativ wenig. Ein Theaterstück, gespielt an mehreren Originalschauplätzen, soll ihre Geschichte dem Vergessen entreißen.

Die Protagonisten: Projektleiter Ueli Häsler, Initiator Mike Langer, Autorin Mona Becker, Dramaturgin Svea Haugwitz, Buchautor Christian Repkewitz und Bühnen- und Kostümbildnerin Marianne Hollenstein (v.l.).

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Das jüdische Kaufhaus M.&S. Cohn in der Sporenstraße ist vor allem den älteren Altenburgern und sicher auch allen Geschichtsinteressierten noch immer ein Begriff. Dass die namhafte Familie von den Nazis ihres Besitzes beraubt wurde, dürfte ebenfalls bekannt sein. Doch über das Schicksal derer von Cohn, Levy und Bucky hingegen weiß man relativ wenig. Nur die Albert-Levy-Straße und das Marianne-Bucky-Haus erinnern noch heute an die ehemaligen jüdischen Mitbürger.

Dieses Schicksal dem Vergessen zu entreißen, hat sich der Skatstädter Christian Repkewitz auf seine Fahnen geschrieben. Schon zwei Bücher sind von ihm zu diesem Thema erschienen (die OVZ berichtete). Nun startet das Landestheater mit einem ehrgeizigen und sehr ungewöhnlichen Projekt zu diesem Thema. „Cohn Bucky Levy – Der Verlust“ ist ein Stück überschrieben, dass am 20. Mai seine Premiere erleben wird und dass am Mittwochabend im Heizhaus erstmals dem Publikum vorgestellt wurde.

Als Gesprächspartner standen all jene zur Verfügung, die diesem Vorhaben auf die Welt halfen und die es bereits begonnen haben, umzusetzen. So war zu erfahren, dass die Idee, die Initialzündung, von Mike Langer, Geschäftsführer der GML Mediengesellschaft Altenburg, stammt. Durch seine langjährige Freundschaft mit Rathaus-Mitarbeiter Christian Repkewitz wusste er von dessen intensiven Forschungen zur Geschichte der Juden in Altenburg. Zugleich waren Langer die Intensionen des Schauspieldirektors von Theater&Philharmonie Thüringen, Bernhard Stengele, bekannt, in regelmäßigen Abständen regionale Geschichte auf die Bühne zu bringen. Erinnert sei nur an das Stück „Die im Dunkeln“, das den Widerstand von Altenburger Schülern gegen Stalin thematisierte, oder „Barbarossa ausgeKYFFt“ über Leben und Wirken des legendären Rotbarts. Die Idee, aus den inzwischen überaus umfangreichen Recherchen von Repkewitz ein Theaterstück zu machen, war schnell geboren.

Doch bis es wirklich Konturen annehmen konnte, ging noch einige Zeit ins Land. „Es ist nun schon ein Jahr her, dass wir erstmals von unserem Vorhaben berichtet haben“, erinnerte Stengele am Mittwoch im gut besuchten Heizhaus an die Anfänge. Denn es mussten Geldgeber und Kooperationspartner gesucht werden. Inzwischen sind sie mit der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) gefunden. Rund 150 000 Euro Förderung stehen damit zusätzlich zum Theateretat zur Verfügung. „Wir können die Produktion also in dem von uns erhofften Umfang in Angriff nehmen“, freute sich nicht nur Bernhard Stengele. Als internationaler Kooperationspartner konnte das Jaffa Theater in Tel Aviv gewonnen werden. Es werden Künstler aus Israel, Burkina Faso, Deutschland und der Türkei die Altenburger Familiengeschichte zum Ausgangspunkt nehmen, um sich in dem Theaterprojekt auch mit heutigen politische Themen wie Vertreibung, Ausgrenzung und Rassismus auseinanderzusetzen“, so Stengele.

Das Besondere: Das Stück wird nicht auf der Bühne gezeigt, sondern an Orten und in Gebäuden, in denen die jüdischen Familien lebten, also unter anderem in der Sporenstraße und im Paul-Gustavus-Haus in der Wallstraße. „Wir stellen uns derzeit ungefähr fünf Spielorte vor“, so die Bühnen- und Kostümbildnerin Marianne Hollenberg. Das Publikum zieht mit von Ort zu Ort.

Als Autorin konnte erneut Mona Becker gewonnen werden, die schon für „Die im Dunkeln“ das Script schrieb. „Damals musste ich aus einer Fülle von Material verdichten, jetzt aber gibt es viele Leerstellen in den einzelnen Biografien. Doch ich will ihnen Gesichter geben, denn viel zu wenige der sechs Millionen Opfer des Holocaust haben ein Gesicht“, sagt Becker. Erste Szenen des neuen Stücks gibt es schon. So waren Mechthild Scrobanita, Christine Nothofer und Öykü Oktay als die drei Schwestern Cohn zu erleben, die 1890 ihr kleines Geschäft am Markt 23 in Altenburg eröffneten. Wenige Jahrzehnte später avancierte es unter der Leitung von Sally Bucky und dann Albert Levy zu einem der größten und erfolgreichsten Warenhäuser der Region.

Insgesamt wird die Geschichte von 13 Familienmitgliedern erzählt werden, von denen nur vier die Naziherrschaft überlebten.

Außer der Premiere stehen die konkreten Vorstellungstermine in Altenburg noch nicht fest. Vornotierungen im Besucherservice (Tel. 03447 585160) sind aber möglich.

Von Ellen Paul

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