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Altenburg Jüdische Familien in Altenburg – mit einem Theaterstück von Haus zu Haus
Region Altenburg Jüdische Familien in Altenburg – mit einem Theaterstück von Haus zu Haus
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07:00 15.07.2016
Kappen sind sein Markenzeichen – Bernhard Stengele. Quelle: Sabina Sabovic
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Altenburg

Er trägt gern ungewöhnliche Kopfbedeckungen, Kappen oder auch Tücher. Er lässt sich mitunter sein Jackett bemalen, um dann als lebende Litfaßsäule durch Altenburg zu laufen. Er hat ein großes Herz, wenn es um Menschen geht, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Es ist schon ein bemerkenswert anderer Schauspieldirektor, der seit vier Jahren am Altenburg-Geraer Theater engagiert ist – Bernhard Stengele. So ist das Schauspiel in dieser Zeit zu solch ungewöhnlicher Strahlkraft gelangt, dass selbst sonst als Schulstoff geschmähte Inszenierungen wie „Effi Briest“ zu Publikumsrennern werden, von seinen eigenen Soloabenden ganz zu schweigen.

Vor allem aber ist es international geworden. Das betrifft nicht nur die Zusammensetzung des Ensembles und die Auswahl der Stücke, sondern auch Auftritte in Afrika, Griechenland oder der Türkei. Es waren jeweils Gemeinschaftsproduktionen mit dortigen Theatern. Im ersten großen internationalen Projekt, „Die Frauen von Troja“, standen 17 Schauspieler aus insgesamt vier Nationen gemeinsam auf der Bühne des Landestheaters – und in Istanbul, Sirince und Samos. International besetzt waren auch „Die Schutzlosen“ – ein Stück zur Flüchtlingsproblematik, das es im Dezember 2014 sogar in die ARD-Tagesthemen schaffte.

Jetzt hat Bernhard Stengele wieder Großes vor, ein Gemeinschaftsprojekt des Altenburg-Geraer Theaters mit der Jerusalem Theatre Company. Es geht um die Geschichte der Juden in Altenburg. Grundlage ist das Buch von Christian Repkewitz, in dem der Autor die Lebensgeschichte der Altenburger Großfamilie Cohn, Bucky und Levy aufarbeitet. Deren Mitglieder haben nicht nur das Kaufhaus in der Sporenstraße betrieben, sondern in vielen anderen Bereichen Spuren hinterlassen.

„An diesen unterschiedlichen Orten wollen wir spielen“ erläutert Bernhard Stengele sein Vorhaben. Verschiedene Episoden in verschiedenen Häusern.

Als Autorin konnte der 52-Jährige erneut Mona Becker gewinnen, die mit „Die im Dunklen“ 2013 schon einmal ein Stück hiesiger Geschichte auf die Altenburger Bühne brachte. Darin wurde das Aufbegehren junger Menschen wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges gegen Stalinismus und Willkür reflektiert. Ein grandioser Erfolg.

Derzeit schreibt Becker gerade ihre Doktorarbeit, ein Theaterstück über die Hugo und Alfred Schneider AG (Hasag), auf deren Gelände in Altenburg sich zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein Außenlager des KZ Buchenwalds befand. Ihre betreuende Literaturprofessorin ist selbst Jüdin. Mehrere Monate sollen die beiden Frauen in Altenburg wohnen, vielleicht sogar im Paul-Gustavus-Haus, das eng mit jüdischer Geschichte verbunden ist.

Zusammen mit Dramaturgin Svea Haugwitz hat Bernhard Stengele mittlerweile schon Kontakt zu Theaterverantwortlichen in Tel Aviv und Jerusalem aufgenommen und vor Ort sein Anliegen erklärt. „Wir wollen junge Leute von uns und dort zusammenbringen.“ Das Ensemble soll aus Christen, Muslimen, Heiden und Juden bestehen. Mit dabei sein wird zudem auf jeden Fall wieder die Altenburger Mitspieler-Akademie, die schon bei „Barbarossa ausgeKYFFt“ auf der Bühne stand. „Solch eine Bürgerbeteiligung finde ich einfach toll“, schwärmt der Schauspieldirektor. Und die Laien sollen diesmal nicht nur Statisten sein.

Die Premiere des Stücks, das noch keinen Namen hat, ist für Ende der neuen Spielzeit, im Mai 2017, geplant. Außerdem soll gemeinsam mit TV Altenburg ein Trailer entstehen, der es, als App heruntergeladen, Touristen möglich machen soll, Altenburger Stadtgeschichte digital abzurufen.

Wie gesagt, ein neues großes und vor allem internationales Projekt des Bernhard Stengele.

Von Ellen Paul

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