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Jüdische Geschichte in Liedern

Jüdische Geschichte in Liedern

Das Kaleidoskop kultureller Angebote in Altenburg ist breit und bunt. Und wieder einmal zeigte sich am Wochenende, dass es die kleineren Formen sind, die das Besondere, das Nichtalltägliche und das Außergewöhnliche bieten.

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Dany Boer bei seinem Konzert im Saal der freikirchlichen Gemeinde.

Quelle: JPT

Dafür gesorgt hat der Kommunalpolitische Ring Altenburger Land, der gemeinsam mit der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in deren Gemeindehaus in der Zeitzer Straße eingeladen hatte. Es war zugleich die Eröffnung der Jüdischen Wochen in Altenburg.

 

 

 

Zu Gast war Dany Bober, einer der bekanntesten jüdischen Künstler in Deutschland. Er nahm das Publikum am Freitagabend im voll besetzten Saal mit erfreulich vielen jungen Besuchern auf eine Zeitreise mit. Diese beginnt mit dem babylonischen Exil der Juden 1600 Jahre vor der Zeitrechnung und führt über die griechische und römische Herrschaft in Israel, das Mittelalter, das Warschauer Ghetto bis in die Neuzeit. Das alles geschieht als Reflexion mit Liedern, Erzählungen und Anekdoten, die den Zuhörern das jüdische Wesen deutlich machen, das trotz allem von Lebensfreude und Optimismus getragen ist.

 

Dieser kleine Mann Dany Bober, nur ausgestattet mit einer Gitarre und seiner Stimme, vermag einen voll besetzten Saal über anderthalb Stunden ohne Pause zu fesseln und zu unterhalten, weil er groß ist als Mensch, als Künstler und als Jude. Und weil er strenge Gläubigkeit mit ausgelassener Fröhlichkeit verbindet, so wie er selbst zitiert: "Humor ohne Gläubigkeit führt zu Zynismus - Gläubigkeit ohne Humor zu Engstirnigkeit." Und so können nur wenige wie er jüdisches Wesen verkörpern und weitergeben und eine Atmosphäre der Toleranz schaffen, die die einzig tragfähige Grundlage ist für das Miteinanderleben unterschiedlicher Religionen. Die Geschichte seines jüdischen Volkes bildet den Rahmen für seine teils selbst vertonten Psalme von König David und Salomon und die jiddischen Volksweisen, die beweisen, dass jüdische Musik weit mehr ist als das, was uns als Klezmer-Musik angeboten wird. Die vielen Texte, Anekdoten und Gedichte, die er mit kräftig kehligem Gesang und einer wandlungsfähigen, hessisch eingefärbten Stimme - er lebt seit über 60 Jahren in Frankfurt und Wiesbaden - wiedergibt, finden ein interessiertes Publikum.

 

Bober zeigt mit seinem Programm, dass Unterhaltung auch immer etwas mit Haltung zu tun hat. Diese zu zeigen, geschieht nie vordergründig, auch weil er auf jegliche Show-Effekte verzichtet. Er nimmt sich eigentlich als Person ganz zurück und lässt nur Worte und Gesang sprechen, denen man still und fasziniert zuhören kann. Denn er fesselt das Publikum mit einer Mischung aus Wissen, Humor und eigener Anteilnahme an dem Schicksal seiner Glaubensfreunde, die er immer aus den jeweiligen historischen Gegebenheiten ableitet. Dies geschieht mal ernst und traurig, mal verschmitzt und witzig, öfters auch ironisch, aber nie anklagend oder mit aufgesetzter Sentimentalität. Er ist ein wirklicher Kulturvermittler. So entlässt er sein Publikum reicher an Wissen und emotionalen Erlebnissen und mit geschärftem Bewusstsein. Ein wahrlich gewinnbringender Abend.

Manfred Hainich

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