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Altenburg Junge Mutter fühlt sich von ihrer Krankenkasse im Stich gelassen
Region Altenburg Junge Mutter fühlt sich von ihrer Krankenkasse im Stich gelassen
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00:18 22.05.2017
Anne Kühle und Söhnchen Jano mit seiner Kopforthese, die er sechs Monate tragen muss. Quelle: Jörg Reuter
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Kriebitzsch

Anne Kühle ist eine glückliche Mutter. Schaut sie ihrem sechseinhalb Monate alten Sohn Jano in die Augen, dann lächeln die beiden um die Wette. Blickt sie zum Hinterkopf des Kleinen, sind ihre Gesichtszüge aber von Sorgenfalten gezeichnet. „Jano hat eine Plagiozephalie“, erklärt die 34-Jährige und verweist auf die asymmetrische Abflachung des Hinterkopfs. Es sei keine leichte Geburt gewesen, erklärt sie, weshalb der Junge mit Verspannungen in der Muskulatur auf die Welt kam. Das führte früh dazu, dass das kleine Köpfchen immer auf einer der Seite lag.

Außerdem wird heute Eltern empfohlen, ihre Säuglinge auf den Rücken zu legen, um den plötzlichen Kindstod zu vermeiden. Alles zusammen führte dazu, dass sich die noch weichen Schädelknochen von Jano verformten. „Mir ist das schon sehr früh aufgefallen. Bereits mit sechs Wochen waren wir deshalb beim Kinderarzt“, erzählt die Mutter. Die Kinderärzte rieten ihr, etwas zu unternehmen, und schlugen die sogenannte Helmtherapie vor. Für etwa ein halbes Jahr muss Jano nun eine Kopforthese tragen, die weitere Verformungen verhindern und den Knochen im Wachstum die Richtung beziehungsweise Form geben soll.

„Wir haben keine Sekunde überlegt und so einen Therapiehelm angeschafft“, sagt die Mutter und zeigt ein Schreiben ihrer Krankenkasse. In diesem lehnt die Knappschaft die Kostenübernahme ab. „Die gutachterlichen Fachgremien des GKV-Spitzenverbandes sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine sozialrechtlich anerkannte Definition der Krankheitswertigkeit von nicht verknöcherten Kopfformvariationen nicht gibt“, begründet die Kasse und schreibt weiter, dass keine wissenschaftlichen Belege vorliegen, dass die Schädelasymmetrie zu Schädigungen oder Behinderungen führe. Zudem sei nicht nachgewiesen, dass die Helmtherapie etwa einer manuellen Therapie gleichwertig oder überlegen ist.

Anne Kühle ist sauer. Zum einen, so argumentiert sie, hätten ihr die Mediziner erklärt, dass es durchaus Schäden – zum Beispiel am Gebiss – geben kann. Zum anderen führe eine schiefe Augen- und Ohrenpartie im Zweifel zu mehr Kosten bei Brillen. Und auch psychische Belastungen etwa durch Hänseleien, sollte Jano eine Missbildung davontragen, fürchtet die junge Mutter. In der Zeitschrift des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte im Juli-Heft 2010 steht unter anderem: In ihrer korrigierenden Wirkung auf die Kopfform sei die Helmtherapie unumstritten. Deshalb ist die Orthese für Anne Kühle das non plus ultra. „Soll ich meinem Sohn, wenn er 14 oder 18 Jahre alt ist, einmal erklären, dass er normal aussehen könnte, aber die Krankenkasse der Meinung war, dass das kein entscheidendes Kriterium ist?“ Und das für alles in allem gerade mal knapp 1300 Euro.

Es sei nicht zufassen, findet die Mutter, dass die Knappschaft bei den Kleinsten der Kleinen spare. „Natürlich habe ich auch nach Therapiealternativen gefragt. Die Kasse erklärte, die Physiotherapie werde übernommen“, erzählt Kühne kopfschüttelnd. Diese sei aber viel langwieriger und mit 1300 Euro längst nicht bezahlt, so die gelernte Sozialversicherungsfachangestellte, die eine Zeit lang bei einer Krankenkasse tätig war, irgendwann aber keine Lust mehr hatte, Ablehnungen zu schreiben.

Ihr Argument, die Helmtherapie sei preiswerter als etwa eine manuelle Therapie, wurde zwar nicht bestritten: Doch so könne man das nicht gegenrechnen, hieß es, berichtet Anne Kühle. „Mir geht es nicht ums Geld, daran scheitert es wirklich nicht. Für mich ist es aber nicht nachvollziehbar, wie die Knappschaft reagiert, wenn man sie mal braucht“, stellt sie klar und ergänzt, dass sie nun schaut, bei welcher Versicherung sie besser aufgehoben sei. Schließlich gebe es Kassen, die die Helmtherapie übernehmen.

Von Jörg Reuter

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