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Junger Flüchtling springt in den Tod – Schaulustige sollen ihn angefeuert haben

Schmölln Junger Flüchtling springt in den Tod – Schaulustige sollen ihn angefeuert haben

Trotz der Anwesenheit zahlreicher Rettungskräfte konnte nicht verhindert werden, dass sich am Freitag aus dem obersten Stock eines Plattenbaus in Schmölln ein 15-jähriger Somalier in den Tod stürzte. Schaulustige sollen den Suizid gefilmt und den jungen Flüchtling aufgefordert haben, zu springen. Bürgermeister Schrade zeigte sich entsetzt.

Finkenweg Schmölln: Aus dem obersten Stockwerk dieses Plattenbaus hatte sich am Freitag ein 15-jähriger Somalier vor den Augen zahlreicher Rettungskräfte in den Tod gestürzt.
 

Quelle: Frank Prenzel

Schmölln.  Zu einer unbeschreiblichen Tragödie ist es am Freitagnachmittag im Schmöllner Plattenbaugebiet Heimstätte gekommen. Dort stürzte sich ein 15-jähriger Somalier aus einem Fenster des fünften Geschosses in den Tod. Rund eine Stunde versuchten Rettungskräfte sowie Betreuer vergebens, den auf dem Fensterbrett sitzenden Jugendlichen von seinem Vorhaben abzubringen. Eine ganze Reihe von Schaulustigen verfolgte die Tragödie. Unfassbar: Von dort sollen sogar Rufe laut geworden sein, endlich in die Tiefe zu springen.

„Wir sind alle über das Geschehen zutiefst schockiert und können das Geschehen noch nicht fassen“, so Vizelandrat Matthias Bergmann auf einer eilig am Samstagvormittag einberufenen Pressekonferenz im Landratsamt. An der nahmen auch Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade, der Jugendamtsleiter des Landratsamtes, Dirk Nowosatko, sowie der Geschäftsführer des Meuselwitzer Bildungszentrums (MBZ), David Hirsch teil. Das MBZ betreibt in der Heimstätte gleich gegenüber der dortigen Ostthüringenhalle eine Unterkunft für so genannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, in der es am Freitag gegen 15 Uhr zu der Tragödie kam.

Flüchtling hatte psychische Probleme

Der 15-jährige Jugendliche aus dem afrikanischen Land sei am 25. April diesen Jahres in die Obhut des hiesigen Jugendamtes gekommen, in dessen Auftrag das MBZ die Einrichtung in Schmölln betreibt. Eingereist nach Deutschland sei das Opfer, dessen Namen die Behörden aufgrund des derzeitigen Ermittlungsstandes noch geheim halten, am 31. März diesen Jahres per Flugzeug aus der Schweiz auf dem Flughafen Frankfurt/Main. Hinter ihm habe eine Fluchtodyssee gelegen, die ihn aus Somalia über den Sudan, der Sahara über die bekannte Route über das Mittelmeer gen Europa geführt hatte. „Er war traumatisiert und hatte psychische Probleme“, sagte Jugendamtschef Dirk Nowosatko.

Auch in Schmölln, wo in der Einrichtung bis zu zwölf Minderjährige aufgenommen werden können, sei er mehrfach auffällig geworden und war mehrfach in psychiatrischer Behandlung. „Er konnte sehr ausgeglichen und integriert sein, aber auch sehr aggressiv gegen sich, Gegenstände, Betreuer oder Mitbewohner“, ergänzte David Hirsch. Deshalb sei er am Donnerstag in die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landesfachkrankenhauses nach Stadtroda gebracht worden, wo er am Freitag von einem der in Schmölln beschäftigten Betreuer wieder abgeholt wurde.

Keine Stunde später ist es zu der Tragödie gekommen. Circa eine Stunde habe der Jugendliche in rund 15 Metern Höhe auf dem Fensterbrett seines Zimmers im fünften Stock des Plattenbaus gesessen und seinen Suizid angedroht. „Der Notarzt sowie eine Betreuerin waren in seinem Zimmer, in dem er einzeln untergebracht war, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Aber er ließ sie nur bis auf ein paar Meter Abstand heran und drohte immer wieder, in die Tiefe zu springen“, schilderte Nowosatko weiter. Auch die herbei geeilten Rettungs- und Hilfsdienste auf der Straße versuchten, den jungen Mann von seinem Vorhaben abzubringen. Die mit rund 15 Kameraden herbeigeeilte Feuerwehr Schmölln hatte zudem ein Sprungtuch ausgebreitet. Das rund einstündige Ringen um das Leben des jungen Mannes verfolgten zudem eine ganze Reihe von Schaulustigen inmitten des Plattenbaugebiets.

Fotos machen in sozialen Netzwerken die Runde

Was Bürgermeister Sven Schrade besonders schockierte: Es sollen sogar Rufe laut geworden sein, zu springen. „Das ist ein unglaublicher Akt, den man nur zutiefst verurteilen kann“, sagte Schrade noch am Sonnabend fassungslos. Schrade erklärte gegenüber dem MDR, ihm liegen Informationen vor, wonach Anwohner ihn dabei mit den Rufen "Spring doch" ermuntert haben sollen. Von der Polizei liegt dazu keine Bestätigung vor. Polizei und Feuerwehr hatten versucht, den Jugendlichen von dem Sprung abzuhalten. Der Somalier war nur wenige Stunden zuvor aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden. Auch in diversen sozialen Medien tauchten kurz nach der Tragödie schon Fotos auf, die den jungen Mann auf dem Fensterbrett sitzend zeigen. „Dagegen werden wir mit aller Konsequenz vorgehen“, kündigte der ebenso fassungslose Jugendamtsleiter an.

Gegen 15 Uhr sei es dann am Freitag zu der Tragödie gekommen, als der 15-Jährige sich aus rund 15 Metern in die Tiefe neben das bereitgestellte Sprungtuch stürzte und an seinen schweren inneren Verletzung noch im Krankenhaus kurze Zeit später verstarb.

„Damit sowohl die Mitbewohner, die Betreuer und die eingesetzten Rettungskräfte diese traumatischen Erlebnisse besser verarbeiten können, wurde umgehend psychologische Hilfe bereit gestellt, die bei Bedarf in Anspruch genommen werden kann“, sagte Vizelandrat Bergmann. Die Anzahl der in der Unterkunft eingesetzten Betreuer sei zudem auf zwölf verdoppelt worden, um den Jugendlichen beizustehen und das grausame Ereignis auch selber besser verarbeiten zu können.

Zum genauen Hergang der Tragödie hat die Staatsanwaltschaft Gera die Ermittlungen übernommen

Von Jörg Wolf

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