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Jury vergibt Altenburger Denkmalschutzpreis 2012

Jury vergibt Altenburger Denkmalschutzpreis 2012

Altenburg (G.N.). Bürgermeisterin Kristin Knitt gab die Entscheidung gestern auf einer Pressekonferenz bekannt. Insgesamt waren zehn Vorschläge eingereicht worden, wobei ein Objekt gleich viermal nominiert wurde.

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Preisgekrönte Fassade: Das geschichtsträchtige Haus in der Frauengasse 10 wurde vom Dachstuhl bis zu den Fenstern und Türen denkmalgerecht erhalten.

Quelle: Mario Jahn

Bürgermeisterin Kristin Knitt gab die Entscheidung gestern auf einer Pressekonferenz bekannt. Insgesamt waren zehn Vorschläge eingereicht worden, wobei ein Objekt gleich viermal nominiert wurde. Nach Einzelvorstellung und eingehender Diskussion in der Jury fiel die Wahl auf das etwas versteckt auf einem großen Gartengrundstück zwischen Frauengasse und Berggasse gelegene zweigeschossige Wohnhaus.

Schon in der Kultur- und Geistesgeschichte Altenburgs im 19. Jahrhundert spielte es eine besondere Rolle. Wie der Heimatforscher Wilhelm Ruhland aus dem alten Amtsgrundbuch ermittelte, ließ sich der Obersteuersekretär August-Friedrich-Karl Wagner 1829 auf dem Grundstück des ehemaligen Ratssteinbruches an der Frauengasse ein Wohnhaus errichten. In den folgenden Jahren wurde dieses Haus zu einem beliebten gesellschaftlichen Treffpunkt in Altenburg, informierte das Rathaus in einer Pressemitteilung zu den Hintergründen der Preisvergabe.

Ähnlich dem Salon der Rahel Varnhagen in Berlin trafen sich hier bei den sogenannten "Wagnerschen Abendzirkeln" Künstler, Wissenschaftler und Literaten mit Angehörigen der Oberschicht zu Vorträgen und geselliger Unterhaltung. Kurios und spektakulär zugleich: Aus dieser Zeit existiert ein Gemälde des Malers Heinrich Jonathan Finke, das einen detailgetreuen Eindruck vom Innern des Gebäudes gibt. Dieses Bild wird im Lindenau-Museum noch heute aufbewahrt - und nun natürlich zum Tag des offenen Denkmals auch gezeigt (Bericht Seite 17).

Geist eines besonderen Ortes

Auch wenn das Gebäude im Inneren mehrfach verändert und überformt wurde, verkörpert es noch immer den Geist des besonderen Ortes. Als die Eheleute Franke das Haus in der Frauengasse 10 zusammen mit dem Grundstück Frauengasse 9 im Jahre 2004 erwarben, befand es sich allerdings in einem beklagenswerten Zustand. In jahrelanger aufwendiger und mühevoller Arbeit und mit viel Liebe zum Detail wurde das Gebäude komplett instandgesetzt und das Grundstück bearbeitet. Dabei wurde das äußere Erscheinungsbild dieses stadtgeschichtlich bedeutenden Hauses, das zugleich raum- und gestaltbildprägender Bestandteil des Denkmalensembles "Rote Spitzen" ist, in beispielhafter Weise denkmalgerecht erhalten und rekonstruiert, schätzen Stadtverwaltung und Jury ein.

Zu den Arbeiten gehörten die Erneuerung des Dachstuhles und die Neueindeckung des Daches mit Biberschwanzziegeln, die Rekonstruktion der ehemals vorhandenen Dachgauben, die Erneuerung der Fenster und der Haustür als profilierte Holzelemente nach historischem Vorbild und die Arbeiten an der Fassade.

Auch die Einfriedung zur Frauengasse wurde denkmalgerecht instandgesetzt und rekonstruiert, auf dem Grundstück mussten umfangreiche Arbeiten an den Stützmauern durchgeführt werden. "Mit ihrem besonderen persönlichen Engagement zum Erhalt dieses Hauses haben die Eheleute Franke in beispielhafter Weise ein stadtgeschichtlich wertvolles Gebäude erhalten und mit Leben erfüllt und damit einen Beitrag zur Wiederbelebung der historischen Altstadt geleistet", heißt es in der Presseerklärung des Rathauses.

Zwei Anerkennungsurkunden

Darüber hinaus entschied die Jury, zwei Anerkennungsurkunden zu vergeben. Eine erhält Romano Kästner aus Gösdorf für die Fassadeninstandsetzung des Wohnhauses in der Meißnerstraße 1. Er hatte als Eigentümer und Bauherr das 1911 nach Plänen von Ernst Friedrich errichtete Etagenmietshaus komplett instandgesetzt. Das Haus sei ein wesentlicher raum- und gestaltbildprägender Bestandteil des Denkmalensembles "Zweite Stadterweiterung um 1910", heißt es zur Begründung.

Die zweite Anerkennungsurkunde geht an den Restaurator Stephan Keilwerth aus Gotha. Er hatte in den vergangenen Jahren an einer Vielzahl von Kulturdenkmalen der Stadt restauratorische Arbeiten, Untersuchungen sowie Bauleitungs- und Betreuungstätigkeiten durchgeführt, so an Teehaus und Orangerie, dem Herrenhaus Oberzetzscha, dem Festsaal des Schlosses und der Aula des Karolinums.

Die Verleihung des Denkmalpreises erfolgt durch Oberbürgermeister Michael Wolf im Rahmen der Kulturveranstaltung zum Tag des offenen Denkmals am 7. September in der Brüderkirche.

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