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Altenburg Käthe Just verbindet eine innige Liebe zum Botanischen Garten in Altenburg
Region Altenburg Käthe Just verbindet eine innige Liebe zum Botanischen Garten in Altenburg
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00:16 28.02.2017
Verbrachte viel Zeit ihres Lebens im Botanischen Garten: Käthe Just. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Der Botanische Garten in Altenburg und Käthe Just sind so etwas wie ein Herz und eine Seele. „Ach, ohne meinen Park könnte ich nicht leben. Jeden Tag, wenn es geht, bin ich dort und genieße ihn“, sagt die 90-Jährige. Und damit übertreibt die trotz ihres Alters noch sehr rüstige Dame kein bisschen: Immerhin sind der Garten und Käthe Just zeitlebens Nachbarn – sie wohnt gleich in der Zillestraße mit bestem Blick auf das grüne Kleinod.

„Schon als Kinder sind wir dort immer unterwegs gewesen“, erinnert sie sich. Hannelore, die Nichte von Nähmaschinenfabrikant L.O. Dietrich, der den Botanischen Garten durch Hans Dippel 1928 anlegen ließ, war nicht nur Käthe Justs Klassenkameradin, sondern auch beste Freundin, mit der sie immer auf Achse war. Meist halt eben im „Park“, wie sie den Boga bis zum heutigen Tag nur nennt. „Herr Dietrich als Besitzer hatte immer akribisch darauf geachtet, dass ja keine Blume Schaden nahm, oder jemand die bis heute vorhandenen Wege verließ. Aber er war auch ein netter und kompetenter Mann, der so viel über Botanik wusste. Beim Bau hat er damals doch waggonweise exotische Pflanzen und Erde für den Garten herankarren lassen“, erinnert sich die 90-Jährige bis heute. Und gleiches gelte auch für Landschaftsgärtner Hans Dippel, den Käthe Just selbstverständlich auch noch sehr gut kennt. „Er war ein ganz netter Mann, der auch alles über Pflanzern wusste.“

Na klar, fügt Käthe Just mit einem verschmitzten Lächeln hinzu, habe das für acht- bis zehnjährige Mädels riesig wirkende grüne Areal abenteuerlich verlockend gewirkt. „Da haben wir auch mal Sachen gemacht, die nicht so gewollt waren. Beispielsweise mit dem Rad herumzufahren.“ Denn man muss bedenken, dass damals in dem Park sogar freilaufende Schildkröten unterwegs waren. „Und die Hannelore ist aus Versehen doch tatsächlich mit dem Rad über so eine Schildkröte gefahren. Das war schon ein Schreck, aber der ist absolut nichts passiert“, lacht Frau Just. Und einmal hätten die Mädel auch nächtens auf dem Areal gezeltet. „Bis wir nachts Schritte hörten, uns natürlich arg vor dem erst unbekannten Mann und seinem großen Hund erschrocken haben. Aber das war dann nur der Nachtwächter, der damals hier noch seine Runden drehte.“

Unvergessen für Käthe Just waren auch die erfrischenden Einlagen im Botanischen Garten, wenn im dortigen Pool gebadet wurde. „Das war immer ein Heidenspaß.“

Nun, die Jahre vergingen, Freundin Hannelore zog nach dem Krieg zu ihrem Mann nach Frankreich, aber Käthe Just blieb in Altenburg, in der Zillestraße und bei ihrem Botanischen Garten. „Mich haben nie ferne Ziele großartig gereizt. In dem Garten findet man doch alles, was man braucht: Natur, Stille und zwitschernde Vögel.“

Ganz schlimm waren für die 90-Jährige die Jahre 2003 bis 2006, als die Stadt den Garten aus Kostengründen geschlossen halten musste. „Man konnte regelrecht zusehen, wie das einst gepflegte Kleinod zuwuchs. Das ging mir auch gesundheitlich nahe. Und ich sage den Verantwortlichen schon, wenn ich etwas nicht gut finde“, sagt Käthe Just entschlossen und erwähnt in diesem Zusammenhang mehrere Briefe an Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), in dem sie gegen die Schließung intervenierte.

2006, als plötzlich dank des Fördervereins Botanischer Erlebnisgarten unter Regie von Wolfgang Preuß wieder Leben in den „Park“ einzog, sei für sie ein richtiger Glücksmoment gewesen. „Ich war so glücklich und verfolge das bis heute quasi jeden Tag.“ Und Käthe Just bringt sich trotz ihres hohen Alters auch aktiv ein. „Sie ist immer ganz dicht am Geschehen im Garten dran. Und sie sagt den Mitarbeitern auch, wenn etwas anders laufen müsste“, so Vereinschef Wolfgang Preuß. Dass sie zu ihrem 90. Geburtstag vor wenigen Tagen als Erste die Ehrenmitgliedschaft im Förderverein und zudem die Ehrenamtscard vom Ehrenamtsbeauftragten des Landratsamtes, Jörg Seifert, erhielt, war kein Zufall. „Denn Käthe bringt sich auch ein.“ Das mache sie doch gerne, erwidert sie und meint damit unzählige spontane Führungen, zu denen sie bei ihren zahllosen Besuchern im Garten auswärtige Gäste durch das grüne Idyll eingeladen hat.

Und hat Käthe Just nach so einer langen innigen Beziehung zum Garten noch Wünsche? „Klar“, sagt die resolute Dame wie aus der Pistole geschossen. „Ich wünsch mir, dass diese hässlichen Bauzäune verschwinden, die das alte Badebecken wahrscheinlich sichern sollen, damit keiner reinfällt. Da reicht auch eine viel schönere grüne Hecke. Dafür gebe ich auch gerne 50 Euro“, so die 90-Jährige.

Und einem Ehrenmitglied kann man so einen Wunsch doch nicht abschlagen. „Das werden wir dieses Jahr angehen“, verspricht Wolfgang Preuß.

Von Jörg Wolf

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