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Kaiserkirmes im Rositzer Kulturhaus

Sudetendeutsche Landsmannschaft Kaiserkirmes im Rositzer Kulturhaus

Fast 200 Besucher feierten am Sonnabend im Festsaal des Rositzer Kulturhauses die Kaiserkirmes der sudetendeutschen Landsmannschaft. Organisator Otto Hörtler war mit der Resonanz auf die Veranstaltung sehr zufrieden. Allerdings hatte er auch eine traurige Nachricht für die Besucher dabei.

Verkündete auf der Kaiserkirmes öffentlich seinen Ausstieg als Organisator der Veranstaltung: Der Meuselwitzer Otto Hörtler muss aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten.

Quelle: Mario Jahn

Rositz. Es ist schon eine lieb gewonnene Tradition: Jeden Herbst treffen sich im Festsaal des Rositzer Kulturhauses hiesige und auswärtige Mitglieder der sudetendeutschen Landsmannschaft, um gemeinsam ihre Kaiserkirmes zu feiern. Und alle führt vor allem eines zusammen: Ein paar gemütliche Stunden bei Musik und Geschichten aus ihrer alten Heimat zu erleben.

So auch am Sonnabend, als schon die 27. Auflage dieser letzten zentralen Veranstaltung der Landsmannschaft in der Region auf dem Plan stand. „Wir hatten 186 Besucher aus dem gesamten Altenburger Land, aber auch aus Gera und Borna. Das war nochmals eine super Resonanz“, sagte Kreisobmann Otto Hörtler.

Und als er das sagte, schwang auch gehörig Wehmut mit. Denn Otto Hörtler, mittlerweile auch schon 80 Jahre alt, wird zwar weiter der Kreisobmann des Kreisverbandes bleiben. Aber aus gesundheitlichen Gründen sieht sich der Meuselwitzer nicht mehr in der Lage, die Cheforganisation dieser Kaiserkirmes zu stemmen.

Als er Sonnabend im Kulturhaus diesen Rückzug nochmals öffentlich bekannt gab, herrschte im Saal allgemeines bedrücktes Schweigen. Denn mit Otto Hörtler geht sozusagen der Kapitän dieser so lieb gewonnenen Feier von Bord. Ein Nachfolger ist aber nicht in Sicht. „Ich habe lange, schon seit dem vergangenen Jahr, über diesen Schritt nachgedacht. Aber meine Gesundheit erlaubt es nicht mehr, diesen immensen Aufwand der Vorbereitung und Durchführung zu betreiben.“

Und so geriet diese 27. Kaiserkirmes mit der traditionellen Musik aus der alten Heimat von den Breitentaler Musikanten und dem Michelwitzer Männerchor, aus der die Sudetendeutschen 1945 und 1946 millionenfach vertrieben wurden, am Sonnabend auch wie zu einem leisen Abgesang. Begleitet wie jedes Jahr mit dem traditionellen Süßgebäck Kolatschen, letztmals nach gut 20 Jahren 500-fach gebacken von dem in Ruhestand gegangenen Bäckermeister Martin aus Gößnitz, und einer kleinen Ausstellung von Utensilien, die die mittlerweile allesamt recht betagte Schicksalsgemeinschaft der hiesigen Sudetendeutschen auf ihrer Flucht mitgenommen haben. „Darunter sind ganz persönliche Dinge, die man eigentlich bei der ungewissen Flucht gar nicht brauchte“, sagt Otto Hörtler, der in Nordböhmen geboren ist und mit neun Jahren auf die Flucht musste. „Wir hatten beispielsweise eine Truhe vom Vater dabei, die er schon im ersten Weltkrieg mithatte. Und die ging 1946 mit auf die Flucht, weil mein Vater im Jahr zuvor bei den tschechischen Behörden eine Genehmigung beantragt hatte, um darin sein Werkzeug zu transportieren“, erzählt Hörtler.

Es sind eben auch diese Geschichten, die bei solchen Festen, wie der Kaiserkirmes am Leben erhalten werden. Auch dank Otto Hörtler, der seit der Gründung des Kreisverbandes am 23. Februar 1991 dessen Obmann ist und die Kaiserkirmes im Altenburger Land aus der Taufe hob. Erst im alten Goldenen Pflug und dann seit weit über 20 Jahren im Kulturhaus Rositz. „Aber immer mit vielen ganz treuen und fleißigen Helfern an der Seite“, hebt der 80-Jährige hervor, der sich dafür und auch für die Unterstützung durch die Gemeinde Rositz herzlich bedankte.

Im Jahr 1991 zählte der Kreisverband noch gut 250 Mitglieder, heute sind es derer noch 160 in sieben Ortsgruppen. Und die teilweise weit auseinander lebenden Menschen einmal im Jahr zusammen zu bringen, war Hörtlers Antrieb mit der Kaiserkirmes. Der kam als Kind übrigens schon 1946 ins Altenburger Land, ging hier zur Schule und lernte in der Meuselwitzer Maschinenfabrik. Später arbeitete er in der Wismut. Vergessen hat er darüber wie hunderte andere auch seine alte Heimat nicht. „Das macht solche Veranstaltungen wie diese ja so wertvoll. Es wäre jammerschade, wenn es nicht weitergehen würde“, sagt er und versichert, eventuellen Nachfolgern immer mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Der Rositzer Bürgermeister Steffen Stange (parteilos), wie viele Amtskollegen und andere Lokalpolitiker auch am Sonnabend zu Gast, legte sich da schon fest: „Wir werden uns als Gemeinde auf jeden Fall zusammen setzten und die ganzen Aufgaben abklopfen, die mit so einer Feier verbunden sind. Auf jeden Fall wollen wir auch in den nächsten Jahren mit Helfern dafür sorgen, dass die Kaiserkirmes erhalten bleibt.“

Von Jörg Wolf

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