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Kampf um den „Kampf orientalischer Reiter“ im Lindenau-Museum

Altenburg Kampf um den „Kampf orientalischer Reiter“ im Lindenau-Museum

Das Lindenau-Museum Altenburg besitzt in seiner Sammlung „Frühe italienische Malerei“ eine Tafel Gherardo Starninas aus der Zeit von 1400 bis 1405, die einen „Kampf orientalischer Reiter“ darstellt. Restauratoren und Kunsthistoriker haben gemeinsam um ihren Erhalt gekämpft. Jetzt ist sie wieder, schön wie eh, im Museum zu betrachten.

Frank Druffner, Benjamin Rux und Johannes Schaefer (v.l.) vor der Tafel „Kampf orientalischer Reiter“.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Er ist ein wirklich guter Erzähler. Vielleicht ein bisschen zu detailverliebt, was aber seinem beneidenswerten Wissen zugeschrieben werden kann. Und so steht Benjamin Rux, seit Anfang des Jahres wissenschaftlicher Mitarbeiter des Altenburger Lindenau-Museums, vor dem „Kampf orientalischer Reiter“ von Gherardo Starnina (um 1360-1413) und weiß fast über jeden der 28 Reiter, der vier Fußsoldaten, über Waffen, Haltung oder Farbgebung etwas zu erzählen. Wenngleich, wie der 36-Jährige promovierte Kunsthistoriker einschränkt, die Wissenschaft sich noch nicht hundertprozentig sicher ist, welches historische Ereignis hier dargestellt wird. Ob es, wie vermutet, tatsächlich die Schlacht von Ankara um 1402 ist.

Viel wichtiger aber dürfte sein, dass diese Tafel von Starnina aus der Zeit von 1400 bis 1405, die einst die Front eines Cassone, einer italienischen Hochzeitstruhe, bildete, seit wenigen Tagen wieder in voller Schönheit in der Sammlung „Frühe italienische Malerei“ im Haus an der Gabelentzstraße betrachtet werden kann. Denn für die Restaurierung dieser besonderen Tafel hat der Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder im Jahr 2014 die finanziellen Mittel – in Summe rund 20 000 Euro – großzügig zur Verfügung gestellt. Die aufwendige Restaurierung der Cassone-Tafel durch den Altenburger Restaurator Johannes Schaefer wurde wissenschaftlich begleitet von einer Arbeitsgruppe von Restauratoren und Kunsthistorikern und konnte im Sommer abgeschlossen werden.

„Das war ein ganz besonderer Tag für uns“, so Museumschef Roland Krischke. „Denn es liegt uns sehr am Herzen, dass die von Lindenau zusammengetragene Sammlung italienischer Malerei Stück für Stück restauriert wird.“ Von den insgesamt 180 Bildern sind derzeit rund zwei Drittel ausgestellt. Insofern sei die Zusammenarbeit mit der Kulturstiftung der Länder, durch deren Unterstützung beispielsweise schon der Ankauf der Rugo-Sammlung mit Gerhard-Altenbourg-Werken möglich wurde, Gold wert.

Der Freundeskreis der Kulturstiftung mit Sitz in Berlin zählt 250 Mitglieder in der gesamten Bundesrepublik. Allesamt kulturaffine Personen, die über entsprechende Kontakte und auch finanzielle Mittel verfügen, wie der Geschäftsführer Prof. Frank Druffner erläuterte. Der promovierte Kunsthistoriker, zugleich auch kommissarischer Generalsekretär der Kulturstiftung selbst, ließ es sich nicht nehmen, das Restaurierungsergebnis in Altenburg in Augenschein zu nehmen – und war begeistert.

Rund 120 000 Euro für etwa zehn Projekte werden jährlich vom Freundeskreis zur Verfügung gestellt, erzählt er. Und: „Wir konzentrieren unser Augenmerk dabei auf die neuen Bundesländer, denn hier gibt es den größten Nachholebedarf.“ Überrannt mit Unterstützungsanfragen werde der Freundeskreis dennoch nicht. „Wir sind noch zu wenig bekannt, müssen manchmal sogar darum werben, dass man bei uns Projekten einreichen kann.“ Das Lindenau-Museum Altenburg jedoch wird gerne, so Krischke, auf diese finanzielle Unterstützung zurückgreifen.

Dies hat im konkreten Fall auch möglich gemacht, dass die Starnina-Tafel Lehrobjekt an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden war, erzählt Restaurator Johannes Schaefer. Mit den Studenten wurde genau erörtert, wie die einzelnen Arbeitsschritte des Künstlers waren. Auch konnte so der Kontakt zu Kunstwissenschaftlern hergestellt werden, die ihre eigene Sicht auf das Kunstwerk haben. „Davon kann man als Restaurator nur profitieren“, freut sich Schaefer.

Das sehr unbefriedigende Erscheinungsbild der Tafel war schon seit längerem der Grund, über eine Restaurierung nachzudenken. Es gab einen stark vergilbten Firnis, farbveränderte Retuschen und großflächige Übermalungen. Zudem waren beim Ausbau der Tafel aus der ursprünglichen Truhe das Format verändert, breite, vergoldete Rahmenleisten aufgebracht und originale plastische Ornamentgestaltungen entfernt worden. Man entschied sich aber, den Rahmen zu belassen und die Zwickelflächen zu vergolden. „Nach der Restaurierung zeigt sich das Tafelbild wieder in einem optisch klar strukturierten Zustand. Die Malerei hat deutlich an Intensität und farblicher Vielfalt gewonnen“, freut sich Rux.

Anlässlich der Restaurierung hat das Lindenau-Museum eine umfangreiche Dokumentation aus der Reihe „Restaurierte Werke“ vorgelegt und ein Kolloquium organisiert, um die neuesten Forschungsergebnisse zur Entstehungsgeschichte der Tafel zu diskutieren und zugleich den Versuch zu unternehmen, den dargestellten Kampf aus dem Kontext der Zeit um 1400 heraus zu deuten.

Viel Stoff also für Benjamin Rux und die anderen Mitarbeiter des Hauses, um Interessantes zu Starnina und seinem Werk zu erzählen.

Hintergrund

Wie so viele andere Werke gelangte auch Starninas Cassone-Tafel „Kampf orientalischer Reiter“ durch Vermittlung von Emil Braun nach Altenburg. Lindenaus Kunstagent hatte das zwischen 1400 und 1405 geschaffene Werk 1845 in Rom erworben. Erst seit den 1970er-Jahren wird die Tafel aber sicher Starnina zugeschrieben, der lange Zeit in Spanien lebte und diese Erfahrungen in seinem Werk verarbeitete.

Auf der Tafel ist ein Gefecht zwischen 28 maurisch gekleideten Figuren dargestellt, die nur vage zwei Parteien zugeordnet werden können. Die meisten der Männer reiten auf Pferden und sind mit Lanzen bewaffnet; am Rand sind auch einige Fußsoldaten auszumachen. Durch ihren herzförmigen Schild – das Adarga – und die turbanartigen Kopfbedeckungen sind die Kämpfer deutlich als Mauren zu erkennen. Auf einem der Schilde ist ein roter Halbmond zu sehen.

Die Tafel bildete ehemals die Front eines Cassone, einer toskanischen Hochzeitstruhe. Das vermutlich einst vorhandene Gegenstück dazu ist verloren. Diese Möbel kamen seit dem späten
14. Jahrhundert in Mode und dienten als Behältnisse für Wäsche, Kleider und Wertgegenstände praktischen wie repräsentativen Zwecken. Vor allem in Florenz wurden diese Truhen mit Bildtafeln geschmückt. Die Themen der Tafeln standen häufig in Bezug zu dem Brautpaar und zeigten Jagden, Liebesabenteuer, mythologische oder historische Stoffe.

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: Lindenau-Museum

Von Ellen Paul

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