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Altenburg Karin Kundt-Petters – für einen Abend noch einmal die Frau von Stein
Region Altenburg Karin Kundt-Petters – für einen Abend noch einmal die Frau von Stein
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19:09 15.09.2016
Karin Kundt-Petters. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Gleich drei runde Zahlen galt es in der September-Veranstaltung des Altenburger Freundeskreises Goethe zu würdigen. Erstens das 30-jährige Bestehen desselben, zweitens die Wiederbegegnung mit einem Teil hiesiger Theatergeschichte nach ebenfalls 30 Jahren und drittens den 70. Geburtstag jener Interpretin, die damals mit einem ganz besonderen Stück am Altenburger Landestheater für Furore sorgte.

Die Rede ist von Schauspielerin Karin Kundt-Petters und ihrem Monolog „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ des Dramatikers Peter Hacks, mit dem sie in Form eines Soloabends 1986 brilliert hatte. Aus Anlass der drei runden Zahlen ließ die Jubilarin, die am Sonntag das siebte Lebensjahrzehnt vollendete, diesen Monolog noch einmal aufleben.

Kein Wunder also, dass der Besuch der Lesung mit Karin Kundt-Petters bestens besucht war. Schnell wurde klar, dass sie mit den sorgfältig ausgewählten Ausschnitten aus Hacks Monolog ihre Zuhörer wie einst in den Bann ziehen kann. Da wurden die innigen Gefühle dieser Frau von Stein in ihren Geständnissen gegenüber dem fiktiven Gatten wieder erlebbar, ebenso der feine wie scharfsinnige Humor des Autors samt dem „Kratzen“ am Denkmal Goethe. Der Riesenerfolg vor immer wieder begeistertem Publikum hatte sich damals bekanntlich schnell herumgesprochen und viele Aufführungen anderenorts nach sich gezogen.

Karin Kundt-Petters in Peter Hacks „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ 1986 am Landestheater. Quelle: privat

Manches ist bei Kundt-Petters nuancierter, intensiver wie gereifter geworden. Vor 30 Jahren war die Aufgabe für die Schauspielerin ein rasches Erarbeiten eines Riesentextes hin zu einer Lieblingsrolle. Gleichzeitig eine Bestärkung, sich mehr mit Goethe-Literatur zu beschäftigen. Seitdem hat sie sich oft um Wissenserweiterung zu dessen Person und seinem Umfeld bemüht. Dies im Bewusstsein, sich einem enorm wichtigen Teil Thüringer Kulturgeschichte und darüber hinaus zu widmen. Von der Verantwortung in diesem Sinne erzählte der gesamte Abend der Jubiläen.

Denn die renommierte Altenburger Schauspielerin hat nicht nur über 40 Jahre Altenburger Theatergeschichte geschrieben, sondern brachte und bringt sich auch nach ihrem Laufbahnende aktiv in das Kulturleben der Stadt ein. So als Moderatorin bei den Konzerten des Gemischten Chores Altenburg und auch jährlich mit einem Abend eben bei den Goethe-Freunden. Natürlich ist sie selbst Mitglied in diesem Freundeskreis. Schließlich gab Karin Kundt-Petters, was vermutlich in der Öffentlichkeit gar nicht so bekannt ist, mit ihrem Soloabend den Anstoß zur Gründung desselben.

Der Opernregisseur Helmut von Senden sah sich damals in seiner Idee bestätigt. In dieser neuen Gesellschaft sprach man 1986 nicht nur über Altmeister Goethe, sondern unter anderem auch über Hermann Hesse, Wieland Herzfelde, Luise Rinser oder Rose Ausländer. So wurde der Kreis zu einer Nische in der damaligen Kulturlandschaft. Von Senden gestaltete über 60 Vortragsabende und referierte in vielen anderen Städten. Dem Humanisten war es wichtig, sich gegen Militarismus und menschenfeindliche Ideologien zu stellen, engagiert mit Kunst die Welt zum Besseren zu verändern. Seinem lebendigen Einsatz für dieses hohe Ziel, dem klaren und aufrüttelnden Vortrag konnte sich kein Zuhörer entziehen.

Seit 1999 ist Adelheid Friedrich seine Nachfolgerin. Ihr ist es gelungen, das Vermächtnis ihres im gleichen Jahr verstorbenen Vorgängers weiter mit Leben zu erfüllen und stets ein Vortragsprogramm aufzustellen, das seinem Anspruch gerecht wird. Der Altenburger Freundeskreis Goethe genießt als Ortsvereinigung innerhalb der Weimarer Goethe-Gesellschaft großes Ansehen. Es ist gelungen, trotz der demografischen Veränderungen die Mitgliederzahlen stabil zu halten und an den monatlichen Abenden erfreulich hohe Besucherzahlen zu erzielen.

Und immer wieder ernten die Referenten für ihre wunderbaren Vorträge, die jedes Mal ein anderes Licht auf den Geheimrat werfen, viel Beifall. So selbstverständlich auch Karin Kundt-Petters. Der begeisterte wie dankbare Applaus war die Anerkennung für die sprachliche Meisterleistung über 90 Minuten, der Gratulationschor zum Geburtstag und die vielen privaten Glückwünsche der Gäste eingeschlossen.

„Es macht weiter Spaß, mich zu betätigen und vieles selbstbestimmt gestalten zu können“, sagt die Jubilarin, die sich vor allem aber darüber freut, seit ihrem Ausscheiden aus dem Theaterbetrieb im Jahr 2010 mehr Zeit fürs Familienleben zu haben und diese mit ihrem Mann, dem ebenso bekannten Altenburger Tenor Heinz Petters (84), genießen zu können. Gleich bei ihrer ersten Zugfahrt von Leipzig zum Probenstart in Altenburg lernte sie ihn zufällig kennen, 1974 gaben sich die beiden das „Ja-Wort“. In dem Fall allerdings lässt die nächste runde Zahl noch ein paar Jährchen auf sich warten

Von Frieder Krause und Ellen Paul

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