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Altenburg Kaum noch lokale Abnehmer für Altenburger Getreide
Region Altenburg Kaum noch lokale Abnehmer für Altenburger Getreide
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00:21 09.07.2018
Mathias Kertscher (l.) verarbeitet in seiner Mühle in Gartschütz nur Getreide von hiesigen Feldern, aus dem Obermüller Uwe Himmel bestes Mehl herstellt. Quelle: Mario Jahn
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Ehrenhain

Rund 36 000 Hektar Acker bewirtschaften die Bauern des Altenburger Landes. Ende Juni / Anfang Juli beginnt auf den Feldern regelmäßig die Erntezeit. Angesichts des trockenen Wetters rechnen die hiesigen Landwirte jedoch nicht mit Rekorderträgen, sondern eher mit Ernteausfällen. Das wurde in dieser Woche beim Erntegespräch deutlich, zu dem der Kreisbauernverband eingeladen hatte. Wie viel letztlich von den Äckern geholt werden kann, ist noch offen. Denn der Weizendrusch startet voraussichtlich erst in etwa einer Woche. Mit rund 12 500 Hektar ist diese Getreideart auch 2018 die häufigste Feldfrucht im Altenburger Land.

Von weit über 100 Tonnen pro Hektar wie im Vorjahr könne keine Rede sei, schätzt Andre Rahm, Geschäftsführer der Landhandelsgesellschaft in Schmölln. Jedoch entscheidet nicht allein die Netto-Menge, wie viel ein Betrieb letztlich am Weizen verdient. Auch die Qualität beziehungsweise die Inhaltsstoffe beeinflussen den Verkaufspreis. Dazu gab Müller Mathias Kertscher, der in Gardschütz die letzte Mühle des Kreises betreibt und dort nach eigenen Angaben zu 100 Prozent Getreide aus dem Altenburger Land verarbeitet, zu bedenken, dass nur A-Weizen wenig bringe. Denn zum Backen sei dieser letztlich zu gut. „Die Mischung macht es“, erläutert Henning Gerth, Obermeister der Bäckerinnung. Würden zum Beispiel Brötchen nur mit A-Weizen-Mehl gebacken, würden sich nicht richtig aufgehen und wären schon am nächsten Tage altbacken.

Reines A-Weizen-Mehl werde etwa für Nudel- und Spaghettiherstellung in Italien benötigt, erklärt Kertscher. Doch der Export der hiesigen Rohstoffe ist eigentlich nicht das, was die Bauernschaft möchte, wie Landwirt Rainer Hecht erklärte. Genauso unbefriedigend sei, wenn die Qualitätsprodukte aus dem Altenburger Land in andere Regionen gefahren werden, um dort mit schlechter Qualität vermischt zu werden. Beides sei gängige Praxis. Der Hauptgrund dafür ist die geringe Zahl von Betrieben, die hiesige Lebensmittel verarbeiten. „Bezüglich der Veredelung gibt es keine guten Nachrichten. Eher im Gegenteil – die Firmen geraten immer mehr unter Druck“, so die Analyse von Apel.

Weil es eben abgesehen von der Mühle in Gardschütz und den wenigen anderen Lebensmittelherstellern des Kreises keine lokalen Abnehmer gibt, wird ein großer Teil der erwarteten rund 130 000 Tonnen geernteten Getreide aus dem Kreis exportiert. Was dafür bezahlt werde, hänge wesentlich von der Preisentwicklung auf Weltmarkt ab. Und darauf habe schon das vergleichsweise kleine Deutschland keinen nennenswerten Einfluss. In sofern rechnen die Erzeuger auch nicht damit, dass die Preise für Getreide trotz zu erwartender Ernteausfälle anziehen.

Wegen seiner guten Böden ist das Altenburger Land traditionell Weizenanbaugebiet. Darüber hinaus werden auf rund 50 Hektar Hafer, auf 100 Hektar Triticale (eine Getreidekreuzung aus Weizen und Roggen), auf 500 Hektar Sommergerste, auf 400 Hektar Winterroggen und auf 3500 Hektar Wintergerste angebaut. Letztgenannte ist seit wenigen Tagen abgeerntet.

Direkt im Anschluss haben die Betriebe mit der Rapsernte begonnen, die gerade auf Hochtouren läuft. Mit einer Anbaufläche von circa 6500 Hektar ist Raps die zweithäufigste Pflanze und neben Weizen die wichtigste Einnahmequelle der Ackerbauern im Landkreis. Erwartet wird 2018 eine Gesamtertrag von bis zu 26 000 Tonnen. Was ebenfalls wegen der späten Frosteinbrüche im März und der Frühsommertrockenheit unter dem Ertrag des Vorjahres liegt. „Was den Raps und auch den Weizen betrifft, sind das bis jetzt aber nur Mutmaßungen, die auf langjährigen Erfahrungen beruhen“, relativiert Apel die pessimistischen Aussichten.

„Es ist in gewisser Weise auch ein Lotteriespiel, weil der Regen außerordentlich ungleichmäßig verteilt war“, begründet Tom Bauch von der Agrar T und P Mockzig, warum es diesmal so schwer sei, verlässlich Prognosen abzugeben. Sein Betrieb habe Schläge, die recht gut stehen, und andere, die erhebliche Trockenheitsschäden aufweisen.

Ein weiterer Einflussfaktor seien zudem die Schädlinge. Laut Bauch könnten die zu zusätzlichen Einbußen führen, weil die Trockenheit viele Arten begünstigt. „Es gibt zwar weniger Probleme mit Pilzerkrankungen in diesem Jahr, dafür aber erstaunlich viele Schädlinge im Winterraps.“ Auch im Weißkohl gebe es in heuer besonders viele Schädlinge. „Und uns macht der Zünsler im Silomais zu schaffen.“

Von Jörg Reuter

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