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Altenburg Kay Kuntze erlebt in dieser Saison die hitzigsten Monate seiner Amtszeit
Region Altenburg Kay Kuntze erlebt in dieser Saison die hitzigsten Monate seiner Amtszeit
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00:16 04.07.2017
Seit 2011 Intendant in Altenburg und Gera: Kay Kuntze. Quelle: Jens Paul Taubert
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Altenburg

Für Theaterliebhaber beginnt am Montag eine zehnwöchige Zeit der Enthaltsamkeit. Denn mit der allerletzten Aufführung am morgigen Sonntag in Gera verabschiedet sich das 300-köpfige Ensemble des Altenburg-Geraer Theaters nach einer anstrengenden und turbulenten, aber zugleich sehr erfolgreichen Saison in die Sommerpause. Für die OVZ traditionell Anlass, mit dem Intendanten Kay Kuntze (51) ein Resümee zu ziehen.

Ihre nunmehr sechste Spielzeit als Theaterchef in Altenburg und Gera liegt hinter Ihnen. Was unterscheidet diese von den vorgehergehenden?

Die Spielzeit 2016/2017 war ziemlich turbulent, vor allem durch das große mediale Interesse an unserem Theater rund um die Themen Boykottaufruf und Fremdenfeindlichkeit. Angesichts der Dynamik und Tonlage der Debatte war es mitunter schwer, die Notwendigkeiten des Theateralltags immer mit voller Konzentration im Blick zu behalten. Besonders haben wir uns deshalb jetzt über den Theaterpreis des Bundes 2017 gefreut.

Und was hat ich fortgesetzt?

Es sind trotz der Turbulenzen in allen Sparten wieder viele qualitative Höchstleistungen gelungen, und auch der positive Zuschauertrend hat sich fortgesetzt: Für 2016 ist erneut ein deutliches Plus in Zuschauerzahlen und Einnahmen zu verzeichnen. Das Vertrauen und die Bindung sind weiter gewachsen. Bei meinem Start musste ich in den ersten beiden Spielzeiten mit den neuen Spartenleitern ganz von vorn anfangen. Jetzt sind wir ein eingespieltes Team. Das zahlt sich aus.

Im Schauspiel kommt jetzt aber wieder ein Neuanfang auf Sie zu. Traurig?

Eher dankbar. Ich habe fünf Jahre mit Bernhard Stengele zusammengearbeitet und denke, er hat in Altenburg wirklich Spuren hinterlassen und mit dem „Hauptmann von Köpenick“ sowie „Cohn Bucky Levy“ einen beeindruckenden Schlusspunkt gesetzt. Es war eine interessante, ereignisreiche Zeit. Nun freue ich mich auf den neuen Mann an der Schauspiel-Spitze, Manuel Kressin, und sein neues, hochmotiviertes Team.

Was hat Sie in der zu Ende gehenden Spielzeit persönlich am meisten berührt?

„Cohn Bucky Levy“ war ein sehr besonderes Projekt. Aufgrund der großen Rechercheleistung des Altenburger Heimatforschers Christian Repkewitz sind nicht nur die historischen Voraussetzungen für das Projekt entwickelt worden, sondern waren bekanntlich auch viele Nachfahren dieser aus Altenburg vertriebenen Familien zur Premiere gekommen. Diese daraus entstandene Authentizität fand ich sehr beeindruckend.

Worauf hätten Sie gern verzichtet?

Sehr aufgewühlt hat mich der Aufruf zum Theaterboykott des Altenburger Bürgerforums und die unverhohlene Aggressivität, mit der dieser vorgetragen wurde. Dass so etwas in unseren Tagen wieder möglich ist, hatte ich nicht gedacht. Aber dass unsere Zuschauer trotzdem den Weg zu uns fanden und sich nicht einschüchtern ließen, fand ich toll. Schlimm war hingegen, dass der Boykott von der kommunalen Politik lange unwidersprochen blieb und meines Wissens auch nie zurückgenommen wurde. Die durch den Weggang von Ensemblemitgliedern im Zusammenhang mit diesem Boykottaufruf und der Fremdenfeindlichkeit ausgelöste bundesweite Aufmerksamkeit hat keine Freude bereitet. Am meisten getroffen haben mich dabei aber die Nestbeschmutzer-Vorwürfe aus der Region selbst. Wie man auf die Idee kommen konnte, das Theater beschmutze die Region, ist mir schleierhaft. Die Bemerkung eines Altenburger Stadtrats, ob es gut sei, die Rolle des Hauptmann von Köpenick mit einem Farbigen zu besetzen, fand ich schon sehr bedenklich. Ich habe das Stück zuletzt mit Katharina Thalbach in der Titelrolle gesehen. Worüber, bitteschön, reden wir hier?! Die Debatte im Altenburger Rathaus hat mir am Ende aber wieder Mut gemacht. Danach war das mediale Interesse schlagartig vorbei.

Hätten Sie aber nicht eingreifen können? Denn Altenburg wurde durch die Berichterstattung unberechtigt als Stadt generell in die braune Ecke gestellt?

Wir haben immer wieder relativierend auf die tatsächliche Situation hingewiesen, haben von Anfang an und gebetsmühlenartig wiederholt, dass für deren Weggang auch andere Gründe eine Rolle spielen. Doch wir haben aber zugleich die zunehmend sichtbar werdenden fremdenfeindlichen Stimmungen auch gegenüber unseren Ensemblemitgliedern nicht verschwiegen. Was am Ende von den Medien daraus gemacht wurde, lag nicht in unserer Hand. Dennoch: Dass eine große Diskussion darüber ausgelöst wurde, in welcher Stadt wir leben wollen, ist gut und richtig.

Große Aufregung gab es im Zusammenhang mit dem Abschluss des neuen Haustarifvertrag auch im Orchester. Die geplante, allerdings über viele Jahrzehnte ausgedehnte Einsparung von fünf Musikerstellen hatte für heftige Debatten gesorgt. Hat sich der Sturm gelegt, und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Jenaer Philharmonie?

Momentan gibt es darüber keinerlei Debatten mehr. Und mit Jena wollen wir eine Orchesterakademie gründen, in der zehn junge Musiker sich ausprobieren können. Mehr Schnittmengen mit Jena gibt es derzeit nicht. Das war aber nun wirklich nicht das wichtigste Ergebnis im Zusammenhang mit dem neuen Vertrag.

Sondern?

Die vertragliche Sicherheit bis 2021 für unser Fünf-Sparten-Haus lässt uns in finanziell ruhigen Gewässern fahren. Das ist ein großartiges Ergebnis und eine Situation, um die uns andere Theater beneiden. Im Ergebnis der Finanzierungsvereinbarungen konnten wir endlich vier neue Techniker einstellen. Die Technik ist nun einmal das Nadelöhr, durch das jede Aufführung hindurch muss. Auch die Stelle des Altenburger Theaterpädagogen und eines Fundraisers konnten wir verstetigen. Außerdem geht der neue Haustarifvertrag erstmals in die richtige Richtung. Am Ende erreichen wir bis auf die jährlichen Zuwendungen den Flächentarif. Das ist doch ein tolles Ergebnis!

Die gesicherte finanzielle Grundlage ermöglicht ganz offensichtlich auch die Verpflichtung hochkarätiger Gäste wie jetzt beispielsweise Angelika Milster für „Sunset Boulevard“.

Die Fusion der Theater in Altenburg und Gera war damals von beiden Seiten, vor allem aber von Altenburg nicht gewollt. Doch heute muss man feststellen, dass es nur durch diese Fusion möglich wurde, ein solch qualitativ wie quantitativ umfängliches Angebot zu unterbreiten. Für die kommunalen Träger mag der Theaterposten im Haushalt groß sein, gemessen am Angebot, das an beiden Standorten vorgehalten wird, ist die Situation aber von luxuriöser Aufwandseffizienz.

Werden Sie auch in Zukunft die Verantwortung dafür tragen? Wie weit ist der neue Intendanten-Vertrag für Sie gediehen?

Wenn es hierzu etwas Belastbares gibt, werde ich natürlich zunächst die Belegschaft informieren, bevor ich an die Öffentlichkeit gehe, aber vielen Dank für Ihr Interesse.

P.S. Die Mitarbeiter des Theaters hat Kay Kuntze am Donnerstag per Aushang zumindest wissen lassen, dass von seiner Seite und von Seiten der Gesellschafter sowie des Ministeriums der Wunsch zur Fortsetzung der Zusammenarbeit besteht.

Von Ellen Paul

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