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Kegler und Judoka gehen beim SV Rositz eigene Wege

Vereinsaustritte Kegler und Judoka gehen beim SV Rositz eigene Wege

Der SV Rositz ist weiter auf Schrumpfkurs. Verließen vor einem Jahr bei den Schwarz-Weißen die Leichtathleten sowie die Kunstradfahrer den Verein, so lösen sich jetzt auch noch die Kegler und Judoka vom SV und gehen eigene Wege. Zwei neue Sportvereine sind in der Ex-Chemiearbeitergemeinde derzeit in der Gründung.

Bei dem bunten Programm mit Unterhaltung und Sport war das Kulturhaus jedes Jahr rappelvoll. Jetzt soll die Gala nur noch aller zwei Jahre stattfinden.

Quelle: Mario Jahn

Rositz. Beim SV Rositz hängt der Haussegen gehörig schief. Nachdem Ende vergangenen Jahres bereits die Kunstradfahrer sowie die Leichtathleten den Sportverein verlassen haben, folgen nun zum Jahresende die Abteilungen Kegeln sowie Judo. Beide Abteilungen gehen künftig als eigenständiger Verein ihre Wege als Judosportverein Rositz sowie Kegelsportverein Rositz.

„Ich war schon wie vor den Kopf geschlagen und hatte an der Nachricht schon zwei Wochen zu kauen“, sagt SV-Präsident Jörg Meuschke, nachdem er die Hiobsbotschaften erfahren hatte. Neben der Abteilung Fußball gehören künftig dem Verein nur noch die Abteilungen Frauengymnastik, Kinderturnen, Rehasport sowie Aroha – ein Body-Programm in Anlehnung an einen alten Tanz der Maoris aus Neuseeland – an.

„Ja, es gab Probleme mit der Zusammenarbeit, die nicht erst seit gestern bestehen, sondern schon über Jahre“, sagt Kegel-Abteilungsleiter Christian Simon. Vor allem beklagt er den Fakt, dass die Kegler mit ihren Anliegen beim Vorstand nur unzureichend Gehör fanden. „Das hatte dazu geführt, dass ich von meinem Vorstandsposten zurückgetreten bin, gebessert hat sich daran aber nichts“, klagt Simon.

Im Juli haben die Kegler, die sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern in der Thüringer Verbandsliga und damit der höchsten Spielklasse des Freistaats unterwegs sind, in einer internen Mitgliederversammlung einstimmig Simon den Auftrag gegeben, eine Abspaltung aus dem Verein zu prüfen. „Was wir dann am 9. September ebenso einstimmig beschlossen haben“, so Simon, der bezüglich eines eigenen Vereins genau nachgerechnet hat und erkannte, dass so ein Alleingang mit 47 Erwachsenen sowie acht Kindern funktioniert.

Eines ist Christian Simon aber in dieser für beide Seiten bedrückenden Situation ganz wichtig: „Wir streben grundsätzlich ein gutes Miteinander an und wollen keinerlei dreckige Wäsche waschen, die es einfach nicht gibt. Der SV hat auch sämtliche Rechnungen, die von uns Keglern kamen, immer anstandslos beglichen.“

Das sehen Anja Beer und Daniel Thiergen von den Judoka genauso. Erst vor fünf Jahren wurde diese Abteilung beim SV Rositz neu gegründet, als ein Teil der Wintersdorfer Kampfsportler dort ausschied und eine neue Heimat suchte. „Wir haben eigentlich überhaupt keine Probleme mit dem Vorstand und der Art und Weise, wie der Verein geführt wird. Auch wurden wir immer korrekt behandelt“, betonte Anja Beer. „Wir gehen einzig und allein eigene Wege, weil wir Judoka als eigenständiger Verein antreten, sprich unter eigener Flagge segeln wollen“, ergänzte Daniel Thiergen, der als Trainer die derzeit 24 Kinder im Alter zwischen sechs und 18 Jahren sowie sieben Erwachsene mitbetreut. „Auch die Eltern unserer Kinder stehen da hinter uns, es unter eigenem Namen zu versuchen. Mittlerweile sind die beiden neuen Sportvereine bereits in der Gründung und wollen ab Januar 2017 auch öffentlich auftreten.

Für Präsident Jörg Meuschke ist die Situation trotz der Zusicherungen auf ein gutes Nebeneinander sehr bitter. „Wie für den gesamten Verein, dem mit Christian Simon und Judo-Abteilungsleiter Jens Adelt ja auch der zweite und dritte Vorsitzende abhanden gekommen ist“, sagt Meuschke. Jetzt müsse man alles daran setzen, eine saubere Trennung hinzubekommen, um letztendlich nicht doch unnötig Porzellan zu zerdeppern. „Wir als Verein haben aus dieser Entwicklung auch unsere Lehren gezogen“, so der Präsident, der seit fünf Jahren als Chef agiert und zuvor über Jahre Geschäftsführer des SV war.

Bei den durch das Ausscheiden der beiden Vorstandsmitglieder fällig werdenden Neuwahlen werde man auch Lehren ziehen. „Das Führungsgremium soll von Leuten besetzt werden, die so eine schwierige Leitung eines Mehrspartenvereines restlos beherrschen und umzusetzen wissen“, sagt der Präsident. Und es sei auch ungemein schwer, alles unter einen Hut zu bringen. „Allein für den Unterhalt unserer Sportanlagen stehen wir als Präsidium mit einem hohen fünfstelligen Betrag in der Pflicht.“

Der SV Rositz büßt durch den Austritt beider Abteilungen um die 100 Mitglieder ein. Aktuell gehören ihm 537 Sportler an, ab 1. Januar 2017 noch um die 430, davon gut die Hälfte bei den Fußballern, deren erste Männermannschaft in der Verbandsliga aufläuft. „Das ist immer noch eine beachtliche Zahl“, betont Meuschke und schiebt noch eine für den SV bittere Botschaft nach: In diesem Jahr wird es erstmals keine Sportgala im Kulturhaus geben. „Die Besucherresonanz war über die Jahre gesehen rückläufig. Das hat sich letztendlich nicht mehr für uns gegenfinanziert. Wir werden die Veranstaltung aber aller zwei Jahre durchführen und hoffen so, die Nachfrage nach Tickets wieder zu heben.“

Von Jörg Wolf

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