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Kein Geld, keine Wohnung, kein Essen

Kein Geld, keine Wohnung, kein Essen

In der Schnauderstadt hat sich die Zahl der jungen Menschen ohne Wohnung, ohne Geld, ohne Ausbildung und ohne Vorstellungen von der Zukunft in den vergangenen Jahren fast verdoppelt.

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Straßensozialarbeiterin Christine Landgraf betreut in Meuselwitz seit gut vier Jahren junge Leute, die durch fast alle sozialen Raster gefallen sind.

Quelle: Mario Jahn

Meuselwitz. Dieser erschreckende Trend ist in Meuselwitz bekannt, denn Straßensozialarbeiterin Christine Landgraf berichtet im Kulturausschuss des Stadtrates regelmäßig über ihre Arbeit.

 

Kümmerte sie sich 2012 um 32 Klienten, so waren es im vergangenen Jahr bereit 59. Darunter sind nun auch junge Frauen, von denen einige Kinder haben. Diese alarmierende Einschätzung traf Landgraf vor wenigen Tagen.

 

Die Streetworkerin beklagt, dass es immer schwerer werde, an problembehaftete junge Leute im Alter zwischen 14 und 27 Jahren heranzukommen. "In Meuselwitz sind kaum noch größere Gruppen von Jugendlichen anzutreffen. Es gibt für sie zu wenige Anlaufpunkte. Die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück, haben keinen Freundeskreis mehr, und die Probleme potenzieren sich", schildert sie die Situation. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Hausbesuche, die Christine Landgraf 2014 machte, sich auf 115 summierte. Zwei Jahre zuvor waren es lediglich 39. Parallel hat auch die Zahl der Beratungsgesprächen zugenommen. Unterm Strich waren es 363, das sind fast doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren.

 

An sie vermittelt würden die Jugendlichen von mehreren Stellen. Zugenommen habe dabei der Kontakt zu Angehörigen. Auffällig sei jedoch, dass von Schulen keine Vermittlung erfolge. "Die Lehrer sollten in Zukunft für ihre Schüler einen offenen Blick haben. Um das zu befördern, werde ich selbst noch mehr an die Schulen herantreten", betonte sie. Bedenklich sei zudem, dass unter den Jugendlichen mit Problemen zunehmend junge Frauen sind. Das sei in der Vergangenheit eher die Ausnahme gewesen. Diese Tendenz zeichne sich derzeit im gesamten Landkreis ab.

 

"Die Probleme meiner Klienten sind vielschichtig. Sie reichen vom Ärger mit dem Sozialamt bis hin zu Schulden. Oft kommen die jungen Leute nicht alleine bei den Ämtern an. Sie brauchen dabei meine Begleitung", so Landgraf. Allerdings sei bei den meisten der von ihr betreuten jungen Menschen die Problemlage viel schlimmer, je näher sie ihre Lebenssituation kennenlernt. Es sei ein Teufelskreis: kein Geld, keine Wohnung, kein Essen, kein Ausbildungsplatz. Was sie hätten, sind Sorgen mit der Polizei oder den Gerichten. Da kämen die Betroffenen kaum alleine wieder raus. "Das ist ein langwieriger Prozess. Manchen betreue ich schon seit vier Jahren. Wenn weitere neue Fälle dazukommen, wird es problematisch", sagte sie deutlich.

 

Schwer sei es in Meuselwitz nach wie vor für junge Menschen, die keine Wohnung haben, eine Unterkunft zu finden. In der Schnauderstadt hatten im vergangenen Jahr acht ihrer Klienten kein Dach über dem Kopf. Untergebracht worden sind alle, aber nicht in Meuselwitz.

 

"In Altenburg gibt es betreute Wohnprojekte und in Schmölln sogenannten Verfügungswohnraum", nannte sie Beispiele aus anderen Städten. In Meuselwitz wären solche Wohn-Übergangsformen ebenfalls erforderlich, mahnte sie im Kulturausschuss an. "Denn wenn obdachlose Jugendliche womöglich bei Freunden unterkommen, besteht die Gefahr, dass auch die ihren Mietvertrag verlieren", so ihre Erfahrungen.

 

Ausschussmitglied Udo Pick bewegte vor allem die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, einen besseren Zugang zu den Klienten zu finden. "Das wäre eine zweite Stelle für einen Straßensozialarbeiter, und das sollte ein Mann sein", sagte Landgraf. Dass es für Jugendliche zu wenige Treffpunkte gibt, bestätigte Ausschussmitglied Tina Rolle. "Deshalb gehen sie in die Kneipen. Dafür sind sie aber oft zu jung", weiß die Gastronomin aus eigenem Erleben. © Kommentar Seite 11

 

Zu erreichen ist die Straßensozialarbeiterin unter Tel. 0163 2402971 oder www.facebook.com/Streetworkmsw

Marlies Neumann

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