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Kein Geld mehr fürs Plateau

Kein Geld mehr fürs Plateau

So viele Gäste zu einer Sitzung hat der Altenburger Stadtrat lange nicht gesehen. Am Ende reichen vorgestern Abend nicht einmal die Stühle.

Altenburg.

Der Grund: Sportler, Trainer, Betreuer und Funktionäre des SV Lokomotive Altenburg sind aus Sorge um "ihr" Plateau ins Rathaus gekommen.

 

119 Kinder, darunter mehrere mit Migrationshintergrund, würden derzeit in 14 Mannschaften den zentral gelegenen Platz nutzen, der aus allen Stadtteilen sicher zu Fuß oder mit dem Bus erreichbar sei, erläutert Cornelia Tänzler den Abgeordneten. "Wollen Sie diese Sportstätte, die wir als Heimstätte unseres Vereins verstehen, wirklich schließen, ohne die Voraussetzungen anderswo geschaffen zu haben?", fragt sie als Vertreterin des Traditionssportvereins den Oberbürgermeister.

 

"Ich will das nicht", antwortet Michael Wolf, "doch ich werde vom Freistaat vermutlich dazu gezwungen." Denn stetig sinkende Einwohnerzahlen bedeuten stetig sinkende Schlüsselzuweisungen aus Erfurt. Während es im Jahr 2009 noch 17 Millionen Euro waren, sind es derzeit gerade mal noch zehn. Wie viele andere Kommunen in Thüringen stehe Altenburg vor einem knallharten Konsolidierungskurs. "Das Plateau hat eine große Tradition, doch angesichts der dramatischen Finanzlage müssen wir uns gegen den Erhalt entscheiden." Es sei übrigens nicht die erste Sportstätte, die ein solches Schicksal ereilen würde. Im Ortsteil Zetzscha ist der Sportplatz bereits geschlossen.

 

Da das Plateau ohnehin nur in günstigen Jahren von März bis Oktober genutzt werden kann - bei ungünstiger Witterung deutlich weniger - und die Zusammenarbeit der Vereine forciert werden soll, schlägt der OB den Umzug in die Skatbank-Arena beziehungsweise das alte Waldstadion vor. Der Container mit den Sanitäranlagen und Umkleiden soll mit umziehen.

 

Wie der zuständige Referatsleiter im Rathaus, Robby Tänzer, gegenüber OVZ erklärte, soll eine Hälfte am Eingang der Skatbank-Arena, wo jetzt ein Zelt steht, und die andere zwischen Kunstrasenplatz und altem Stadion neu aufgebaut werden. Ohnehin würden die G-, F- und E-Junioren von Lok schon dort trainieren. Deshalb weiß Tänzer, dass es im Verein durchaus auch Befürworter eines Umzugs an die Zwickauer Straße gibt.

 

Dazu gehört beispielsweise der stellvertretende Abteilungsleiter Fußball von Lok Altenburg, Werner Osten. "Auch wenn am Plateau Emotionen dranhängen, im Winter ist dieser Platz einfach nicht bespielbar und die Sanitäranlagen nicht nutzbar", sagt Osten im Gespräch mit unserer Zeitung und erinnert sich dabei selbst an Arbeitseinsätze während der Weihnachtsfeiertage. "Ich bin am Heiligabend einmal zum Plateau gefahren, um die Heizung anzustellen, damit nichts einfriert", sagt Osten, der seinen eigenen Polterabend auf dem Areal gefeiert hat.

 

Die Entscheidung müssten allerdings die Verantwortlichen treffen. "Die Stadt hat mit uns immer sachliche Gespräche geführt und uns unterstützt." Osten wünscht sich auf dem Gelände von Motor Altenburg allerdings etwas mehr Wohlfühl-Atmosphäre. "Auf dem Plateau haben wir beispielsweise eine Terrasse, die ein gewisses heimisches Gefühl ausstrahlt. Ich denke, dass das Areal an der Skatbank-Arena diesbezüglich noch ein wenig attraktiver gemacht werden kann." Als Problem könnte sich auch der Transport der Fußballer herausstellen. "Hier müssen wir Lösungen finden. Die Kinder von Nord kommen derzeit problemlos mit dem Fahrrad zum Training. Die Wege zur Skatbank-Arena würden natürlich weiter werden."

 

Doch es gibt auch viele im SV Lok, die das Plateau unbedingt erhalten und weiter nutzen wollen. OVZ-Informationen zufolge haben sie schon 500 Unterschriften dafür gesammelt. Sie zweifeln an, dass es im Waldstadion genug freie Kapazitäten und Trainingszeiten für alle Lok-Mannschaften gibt.

 

Am Ende entscheidet aber ohnehin nicht der OB oder die Stadtverwaltung, sondern der Stadtrat über die Zukunft des Plateaus. Die Schließung gehört zu den Konsolidierungsmaßnahmen, die die Verwaltung vorschlägt. "Wenn wir aber alle Vorschläge vom Tisch wischen, dann kommen wir zu Geraer Verhältnissen", warnt Michael Wolf. Letztmögliche Alternative: Der Verein betreibt seine Sportstätte selbst.

Ellen Paul und Robin Seidler

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