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Kein Kandidat zur OB-Wahl: Bei den Altenburger Linken fliegen die Fetzen

Desaster Kein Kandidat zur OB-Wahl: Bei den Altenburger Linken fliegen die Fetzen

Den Linken im Altenburger Land stehen schwere Zeiten ins Haus. Wenn kein Wunder passiert, wird die Partei zur OB-Wahl im April keinen Kandidaten haben. Die vorgesehene Bewerberin Kati Klaubert wird nicht antreten. Grund sind schwere Differenzen mit der Kreisvorsitzenden Ute Lukasch und mangelnde Unterstützung durch den Kreisvorstand.


Quelle: dpa

Altenburg/Schmölln. Für die Linkspartei entwickelt sich die Altenburger Oberbürgermeister-Wahl im April zum Desaster. Im Moment gibt es keinen Kandidaten. „Es ist sehr schwierig“, räumte die Kreisvorsitzende Ute Lukasch gegenüber der OVZ ein. Noch deutlicher wurde die Fraktionsvorsitzende im Altenburger Stadtrat, Kati Klaubert: „Wir haben bisher niemanden für das Amt des OB.“ Bleibt das so, würde sich die schlechte Performance der Linkspartei gerade bei diesem Posten fortsetzen. Vor sechs Jahren schmierte der damalige Erfurter Rathausmitarbeiter Michael Sonntag mit 11,2 Prozent ab, und zur Wahl 2000 hatte die Partei gleich gar niemanden aufgestellt.

Eigentlich sollte und wollte Kati Klaubert selbst ins Rennen gehen. Denn genau darauf hatte sie sich jahrelang als Chefin der Stadtratsfraktion vorbereitet. Doch daraus wird nun nichts. „Ich habe dem Orts- und Kreisvorstand bereits gesagt, dass ich nicht kandidiere“, erklärt die 44-Jährige. Als Gründe ihres Nicht-Antritts nennt die Tochter der früheren Bildungsministerin Birgit Klaubert „meine persönliche Situation“ und „eine schwache Parteistruktur“, die man sich schön rede.

Ausgangspunkt von Klauberts Rückzug soll ihre angebliche Forderung gewesen sein, im Falle einer Nichtwahl einen Job in der Partei zu bekommen. So etwas verweist Klaubert allerdings ins Reich der Märchen. „Das stimmt vorne und hinten nicht“, sagte sie der OVZ. „Ich habe weder einen Job noch einen vorderen Listenplatz bei künftigen Wahlen gefordert.“ Vielmehr fehle ihr der ehrliche Rückhalt innerhalb der Partei.

Was sich hier als Dissonanz andeutet, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als heftiger innerparteilicher Grabenkampf. Höhepunkt dessen ist ein Schreiben an die Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow, das der OVZ vorliegt. In diesem werfen die Unterzeichner, zu denen unter anderem die Altenburger Ortsverbandsvorsitzenden Ute Stummer und Klauberts Schwester Jana gehören, insbesondere Ute Lukasch vor, Zusagen nicht eingehalten und Dinge falsch dargestellt zu haben.

So habe Lukasch für den OB-Wahlkampf „eine Genossin in Aussicht gestellt, die als Wahlkampfleiterin fungieren sollte“, heißt es in dem Schreiben. Diese habe auf Nachfrage davon jedoch nichts gewusst. Auch Lukaschs Äußerungen, Kati Klaubert hätte „unerfüllbare Forderungen“ für eine Kandidatur gestellt, „entbehrt jeder Grundlage“. Für die Verfasser sei das sich andeutende Desaster bei der OB-Wahl „das Ergebnis einer völlig verfehlten Personalpolitik des Kreisvorstandes“.

Lukasch bezeichnete den Brief an Hennig-Wellsow als äußerst merkwürdig. Das Schreiben sei ihrer Kenntnis nach nie abgeschickt und auch nicht von allen unterzeichnet worden. So hätten Ute Stummer und Angela Wiegand nach ihrem Wissen gar nicht signiert. Auch das Datum vom 7. November 2017 sei seltsam, sei Hennig-Wellsow doch erst zur Stadtratssitzung am 2. November in Altenburg gewesen. „Warum sollte man ihr kurz darauf schreiben?“, wundert sich Lukasch. Das sei doch blamabel.

Allerdings wird die ominöse Job-Forderung Klauberts eben in jenem Schreiben thematisiert. So sei ihr erklärt worden, dass die Möglichkeiten einer Beschäftigung in der Partei aussichtslos ist und sie „erst einmal außerhalb der Politik Staub wischen“ solle, heißt es. OVZ-Informationen zufolge kommt diese Äußerung von der Landesvorsitzenden höchstselbst, die das Schreiben zumindest inoffiziell über innerparteiliche Kanäle erreicht hat. Offiziell abgeschickt wurde der Brief wohl nie.

Die Vorwürfe gegen sich bezeichnet Lukasch als an den Haaren herbeigezogen. Die Kreisvorsitzende hätte, anders als im Brief dargestellt, den Wahlkampf von Klaubert sehr wohl personell unterstützt. Den Vorwurf einer völlig verfehlten Personalpolitik wies Lukasch zurück. Es gab bis November nie Signale, dass Klaubert ihre Kandidatur zurückziehe. Im Nachgang habe es sich als Fehler erwiesen, sich darauf zu verlassen. „Das geht auf meine Kappe“, sagte die Vorsitzende. Den Rückzug von ihrer Bewerbung wertet Lukasch als „Angst vor der eigenen Courage“. Offenbar habe sie eine Bewerbung nie wirklich ernsthaft erwogen. Das wolle sie nun anderen in die Schuhe schieben.

Zumindest ist der Kampf um das Landratsamt für die Linke keine Baustelle. Denn die amtierende Landrätin Michaele Sojka strebt eine zweite Amtszeit an. Offiziell zur Kandidatin gekürt werden soll sie am 18. Januar.

Von Jens Rosenkranz und Thomas Haegeler

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