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Altenburg Kein Schulstart nach Lehrbuch im Altenburger Land
Region Altenburg Kein Schulstart nach Lehrbuch im Altenburger Land
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00:20 13.08.2017
Jetzt werden wieder die Ranzen ausgepackt. Matteo, Constantin, Helene Lieselotte und Anni (von links) aus der zweiten Klasse der Freien Grundschule Christian Felix Weiße in Altenburg starten mit Lehrerin Annett Zeise ins neue Schuljahr.  Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Im Altenburger Land hat am Mittwoch die Schule wieder begonnen – und der erste Tag nach den Ferien war ziemlich aufregend. Für die Schüler, die nach sechseinhalb unterrichtsfreien Wochen wieder in den Lernrhythmus finden müssen, aber noch mehr für die Lehrer, die angesichts der Personalknappheit herausgefordert werden. „In diesem Jahr ist der Schulstart hierzulande noch problematischer als in den Vorjahren“, konstatierte Rolf Busch, Vorsitzender des Thüringer Lehrerverbandes.

Vom Stress in den Lehrer- und Leiterzimmern sollen die Kinder aber möglichst wenig mitbekommen. So war auch der als Medientermin zelebrierte Auftakt in der Rositzer Grundschule am Mittwoch vor allem ein freudvolles Ereignis. Landrätin Michaele Sojka (Linke) stattete den Viertklässlern am Insobeum einen Besuch ab, um sie – symbolisch für alle anderen Kinder im Kreis – im neuen Schuljahr willkommen zu heißen. Und die Steppkes hatten sich vorbereitet: Verkleidet als Hasenkinder, boten sie einen musikalischen Einblick in ihren Schulalltag.

Doch Schulleiterin Annett Kunerl hatte nicht viel Zeit. Ab sofort muss sie nicht nur die Bildungsstätte führen, sondern auch als Klassenleiterin einspringen. Überraschend. Eigentlich sollte am Mittwoch ein neuer Kollege anfangen. Doch er hatte kurzfristig abgesagt. Dabei hatte sich der Schulelternrat extra ins Zeug gelegt, sprach angesichts des Unterrichtsausfalls im Vorjahr im Schulamt Ostthüringen vor und schaltete sogar eine Stellenanzeige in einer Zeitung (die OVZ berichtete). Der Lehrer, der am Mittwoch erscheinen sollte, hatte sich darauf beworben – zur Vertragsunterzeichnung kam es nicht mehr.

Kleiner Trost in diesem Dilemma: Annett Kunerl bleibt nun zumindest erspart, auch an der Luckaer Grundschule als Leiterin einspringen zu müssen. Dazu war sie vom Schulamt bereits beauftragt, aber das sei nun vom Tisch, sagte Schulamtsleiter Berthold Rader auf OVZ-Nachfrage. Das Personalproblem in Lucka werde durch eine andere Kollegin bis auf Weiteres gelöst. Kunerl zeigte sich erleichtert: „Ich habe mir die ganzen Ferien darüber Gedanken gemacht und gezweifelt, ob ich wirklich beiden Schulen gleichzeitig gerecht werden kann.“

Die Situation in Rositz und Lucka spiegelt wider, wie es vielerorts im Landkreis aussieht: Es knirscht an zahlreichen Schulen. Unbesetzte Lehrerstellen beziehungsweise Lücken durch Langzeitkranke schlagen zu Buche. Abgesehen von der allgemein angespannten Lage in Thüringen gibt es im Altenburger Land noch Verschärfungen: „Ein großes Problem ist nach wie vor, dass das Altenburger Land für Bewerber und Berufseinsteiger wenig attraktiv ist – die Dörfer noch weniger als etwa die Stadt Altenburg“, schätzte Rader ein. Andererseits geht es in den städtischen Schulklassenzimmern gedrängter zu als auf dem Lande. „An den ländlichen Schulstandorten besteht aus unser Sicht die größte Aufnahmekapazität“, teilte das Landratsamt auf Anfrage mit. An den Gymnasien ist die Situation aus Sicht des Schulamtes „recht entspannt“ – vorbehaltlich der möglicherweise steigenden Krankenstände. Laut Landratsamt habe lediglich das Altenburger Friedrichgymnasium derzeit seine Aufnahmemöglichkeiten ausgeschöpft. „An den Grund- und Regelschulen“, so Rader, „haben wir deutlich größere Probleme.“ Auch Unterrichtskürzungen hätten vorgenommen werden müssen.

Was das konkret bedeutet, kann Jürgen Stark, Leiter der Regelschule Geschwister Scholl in Meuselwitz, berichten. An der größten Regelschule im Landkreis mit 357 Schülern fehlt insbesondere die Kraft für zusätzliche Aufgaben, die neben dem Kernunterricht dringend nötig wären. „Ich habe natürlich darauf geachtet, dass die für den Bildungsweg wesentlichen Unterrichtsfächer abgedeckt sind, aber ohne Kürzungen ging es nicht“, schilderte Stark. So gebe es wöchentlich zum Beispiel nur noch zwei statt der vorgeschriebenen drei Sportstunden. Vor allem aber musste bei der Förderung Lernschwacher und Benachteiligter gestrichen werden. „Um den Unterricht samt Förderbedarf wie vorgesehen zu gewährleisten, bräuchte ich drei, vier Lehrer mehr.“

Auch Landrätin Michaele Sojka (Linke) schätzte die Arbeitsbedingungen an den Schulen im Landkreis „alles andere als einfach“ ein. Immerhin: „Wir als Schulträger haben während der Ferien an vielen Schulen Baumaßnahmen umgesetzt und angeschoben – für bessere Lernbedingungen“, berichtete Sojka. Außerdem werde momentan geprüft, inwieweit künftig alle Schulen mit schnellem Internet ausgestattet werden können.

Von Kay Würker und Bastian Fischer

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