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Altenburg Kein fairer Wettbewerb
Region Altenburg Kein fairer Wettbewerb
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20:55 23.05.2013

Noch sucht das Landratsamt nach neuen Modellen und einer belastbaren Berechnungsgröße. Eine Fortführung des erfolgreichen Projekts erscheint sinnvoll, weil der Stromverbrauch an den einzelnen Bildungseinrichtungen merkwürdig schwankt und trotz Einsparungen die Stromkosten ansteigen.

Anlass für das Projekt waren extrem angestiegene Energie-Kosten vor allem in den Jahren 1999 bis 2001. Angelehnt an das Hamburger Modell "Fifty-Fifty", waren ab 2002 die Bildungseinrichtungen aufgerufen, über das Verbraucherverhalten der Schüler zu sprechen und es zu verbessern. Beteiligt hatten sich nur die 28 Schulen des Landkreises - also nicht jene in freier und in der Trägerschaft Altenburgs.

Oft reichten schon kleine Schritte, wie ein stoßweises Lüften und das Licht zu löschen, wenn es nicht benötigt wurde. Mitunter setzten die Schüler in ihren Klassen Energieverantwortliche ein, die einschritten, wenn die Fenster ständig offenstanden oder Lampen unnütz brannten. Seit 2002 konnten an den 28 teilnehmenden Schulen dadurch rund 174 000 Euro eingespart werden. Die Hälfte des Geldes kam den Bildungseinrichtungen selbst zugute, je nach dem Einsparvolumen. Sie setzten das Geld für Unterrichtsmittel ein, aber auch für Schulfeste.

Mit der Auswertung des Schuljahres 2009/2010 wurde das Projekt ausgesetzt. Grund waren neue Heizungen und Fenster sowie Fassadensanierung und Dachdämmungen. Diese technischen und baulichen Investitionen brachten zwar enorme Einsparungen, vor allem bei den Heizkosten, wirkten sich jedoch ungünstig auf die korrekte Ermittlung der Energieeinsparungen durch das Verbraucherverhalten aus. Andererseits trieben mitunter die Baufirmen durch ihre Maschinen die Kosten in die Höhe. Ein exakter und fairer Wettbewerb war nicht mehr möglich. 2010 wurde erstmals sogar festgestellt, dass zehn Schulen keine Energie einsparten oder sogar mehr verbrauchten.

Der damalige Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) setzte daraufhin das vom Kreistag beschlossene Projekt im April 2011 für drei Jahre aus. Diese Zeit sollte genutzt werden, um einen Vorschlag zur Fortführung des Projekts zum Beginn des Schuljahrs 2013/2014 zu erarbeiten, sagte Rydzewski.

Im neuen Schuljahr und vermutlich auch ab 2014 wird daraus aber nichts. Davon geht der zuständige Fachdienstleiter im Landratsamt, Wolfgang Kopplin, aus. Durch das Konjunkturpaket des Bundes konnte in den Schulen des Landkreises weit mehr und viel längerfristig investiert werden, als zu erwarten war, sagte er der OVZ. Durch die noch laufenden baulichen und technischen Veränderungen sei es äußerst schwierig, in dieser Phase für die Schulen einen neuen Ausgangswert zu ermitteln, auf dessen Grundlage die Schüler den Verbrauch dann wieder senken könnten. Unklar sei ebenso, unter welchen Rahmenbedingungen man weitermacht. Für Kopplin sei beispielsweise denkbar, das Projekt nur in den Grundschulen weiterzuführen und eventuell auf den Bereich des Wasserverbrauchs auszudehnen.

Angelehnt an das Hamburger Modellprojekt, könnte dann ebenso das Müllaufkommen einbezogen werden, das ebenso Kosten verursacht, also auch Einsparungen ermöglicht. Weder sei der Modus entschieden noch der Zeitpunkt der Fortführung. Gänzlich einstellen könne man das Projekt aber nicht, da es dafür einen Kreistagsbeschluss gebe.

Für die Fortführung spricht noch ein weiterer Grund. Die Stromkosten in den Schulen steigen weiter an und belasten den Kreis-Etat. So gab der Landkreis laut Haushaltsplan im Jahr 2011 rund 343 800 Euro aus. Im Jahr darauf waren es 363 500 Euro. Ein möglicher Grund sind gestiegene Abnehmerpreise. Allerdings gibt es auch Schulen, für die laut Haushaltsplan im Vergleich 2011 zu 2012 erheblich weniger bezahlt werden muss.

Trotz gestiegener Kosten sank der Verbrauch (siebe Tabelle rechts). So wurden im Schuljahr 2010/2011 rund 1,25 Millionen Kilowattstunden an den Zählern in jeder Schule gemessen. Im darauffolgenden Schuljahr waren es nur noch 1,2 Millionen. In 20 Schulen konnte der Verbrauch gesenkt werden, in acht stieg er an.

Jens Rosenkranz

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