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Altenburg Keine Hoffnung für Altenburger Hof: Eigentümer pfeifen auf Versprechungen
Region Altenburg Keine Hoffnung für Altenburger Hof: Eigentümer pfeifen auf Versprechungen
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19:29 12.10.2018
Werbung und voller Parkplatz täuschen. Das Hotel Altenburger Hof ist seit Ende 2015 geschlossen. Quelle: Jens Rosenkranz
Altenburg

Für Umbau und Sanierung des seit Ende 2015 geschlossenen Hotels Altenburger Hofs schwinden die Hoffnungen. Grund für diese Einschätzung ist, dass die Eigentümer ihre Zusagen immer wieder verschieben und es nach wie vor nicht einmal einen Förderantrag beim Thüringer Wirtschaftsministerium gibt.

Die Eigentümerfamilie Solér aus Stuttgart gibt nach wie vor selbst keinerlei Stellungnahmen gegenüber der Öffentlichkeit ab. Ihr Sprecher, Eugen Höschele, sagte im Juni 2017 der OVZ, dass die Besitzer ihren Zeitplan nach hinten verschieben müssten. Realistischer Zeitpunkt für den Baubeginn sei nun das Frühjahr 2018. An der knapp fünf Millionen Euro teuren Investition solle nun nicht mehr gerüttelt werden. „Jetzt gibt es aber kein Zurück mehr“, sagte der Sprecher damals. Beide Zusagen sind nicht eingehalten worden. In einem Gespräch vor einigen Tagen räumte Höschele dies ein.

Kein Signal für Investitionsbereitschaft

Als unabdingbare Voraussetzung und als Signal für die Investitionsbereitschaft bezeichnete Höschele, dass Fördermittelanträge bei der Thüringer Aufbaubank gestellt werden.

Doch auch solche Anträge sind nach wie vor nicht gestellt. Das bestätigte Stephan Krauß, der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, gegenüber der OVZ. Im Oktober 2016 waren bei einem Gespräch zwischen den Eigentümern und dem Ministerium Fördermöglichkeiten vorgestellt und vereinbart worden, dass die Investoren dazu ein Konzept vorlegen. Anhand dessen könne die Förderfähigkeit geprüft werden. Grundsätzlich möchte das Ministerium das Vorhaben unterstützen, „weil aus touristischer Sicht entsprechende Hotelkapazitäten in Altenburg dringend benötigt werden“, erklärte Krauß. „Bislang sind keine Konzepte, Voranfragen oder Förderanträge eingegangen.“ An diesem Sachstand habe sich nichts geändert, sagte der Sprecher der OVZ vor wenigen Tagen.

Anträge schlummern im Computer

Allerdings würden die Anträge fix und fertig in seinen Computer stehen, erwiderte daraufhin Eugen Höschele. Dass sie bislang noch nicht abgeschickt worden sind, habe juristische Hintergründe, auf die er aber nicht näher eingehen könne. Hinzu komme wohl auch, dass ein Familienmitglied kürzlich verstarb.

Die Eigentümer planen eine vollständige Sanierung und wollen dafür vier bis fünf Millionen Euro ausgeben. Die Zimmerzahl soll von bislang 150 auf maximal 120 reduziert. Zu den Zweibettzimmern sollen einige Suiten hinzukommen. Auch der Restaurantbereich sollte völlig neu gestaltet werden.

OB Neumann favorisiert kleinere Hotels

Angesichts der langen Hängepartie um das Hotel Altenburger Hof glaubt Oberbürgermeister André Neumann (CDU) nicht mehr an eine zeitnahe Wiedereröffnung. „Ich frage erneut nach einem Termin bei den Eigentümern, man wird mich höflich bei Kaffee und Kuchen zum Gespräch empfangen, aber ich werde nichts erreichen“, sagte der Rathauschef jüngst im Wirtschafts- und Finanzausschuss auf eine entsprechende Nachfrage des Stadtrats Christian Götze (CDU-Fraktion). Zu dieser Meinung komme er aufgrund der Erfahrungen und Schilderungen seines Vorgängers Michael Wolf (SPD), der mehrfach Versuche in diese Richtung unternommen hatte.

Zudem geht Neumann davon aus, dass der Altenburger Hof der Skatstadt nur bei Großveranstaltungen an wenigen Tagen im Jahr wirklich fehlt. Aus Gesprächen mit den Altenburger Hoteliers wisse er, dass sie dauerhaft kaum die als gesund geltende Auslastungsquote von 60 Prozent ihrer Betten erreichen, erklärte der OB. „Es steht damit infrage, ob der Altenburger Hof das Allheilmittel für den Tourismus ist.“ Im Zuge des derzeit in Arbeit befindlichen Integrierten Stadtentwicklungskonzepts favorisiere er eher, „kleine individuelle Hotels zu fördern“ als große.

Aufgrund dessen wollte FDP-Stadtrat Detlef Zschiegner wissen, ob sich die Stadt nicht dessen bewusst sei, dass man durch das Fehlen eines solchen Hotels eine positive Entwicklung gefährdet. So hätten die Bustouristen, die im Altenburger Hof abgestiegen seien, zwar nicht viel für ihre Reise bezahlt, seien aber dennoch durchaus kaufkräftig gewesen, so der Liberale. „Es sind stattliche fünfstellige Beträge, die mir als Einzelhändler dadurch fehlen“, so Zschiegner, der das anhand von Schweizern illustrierte, die gleichnamige Taschenmesser gekauft hätten, weil die durch den schwachen Euro hier günstiger seien als daheim. Ähnliches gelte auch bei zahlungskräftigen Holländern. „Das ist eine Belebung des Einzelhandels, manche Touristenströme kriegen wir nicht anders.“

Man kenne das Problem, sagte Neumann dazu. „Aber wir haben keine Handhabe.“ Daher müsse man sich in Altenburg überlegen, „welche Art von Hotels“ man haben will. „Den Bustourismus können auch die Hotelpension Treppengasse, das Hotel Am Roßplan und andere machen.“

Von Jens Rosenkranz

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