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Altenburg „Kinder sollen nicht Theater, sondern sich selbst kennenlernen“
Region Altenburg „Kinder sollen nicht Theater, sondern sich selbst kennenlernen“
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18:00 08.11.2016
Theaterpädagoge in Altenburg: David Schönherr im Lerchenberggymnasium im Fach „Darstellen und Gestalten“ mit Teilnehmern aus drei 10. Klassen. Quelle: Foto: Mario Jahn
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Altenburg

„Wenn Kinder oder Jugendliche ins Theater gehen, dann ist das immer etwas Besonderes.“ David Schönherr weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er seit Februar Theaterpädagoge am hiesigen Musentempel und bereitet die jungen Leute auf dieses besondere Ereignis vor. So ist er inzwischen gern gesehener Gast in Schulen und Kitas. Schließlich erzählt der 36-Jährige dort nicht nur den Inhalt des Stücks, sondern animiert dazu, selbst zu spielen, kreativ zu sein.

„Die Kinder trauen sich dann Sachen, die sie normalerweise nicht tun würden. Über das Medium Theater sollen sie nicht das Theater kennenlernen, sondern sich selbst“, ist das Credo von David Schönherr. Kein Wunder, dass die Leitung von Theater und Philharmonie Thüringen seinen Gastvertrag jetzt in einen normalen Bühnenvertrag – Dauer zweieinhalb Jahre – umwandelte. In dieser Zeit wird er ausschließlich für die Altenburger Region zuständig sein.

Was insbesondere den hiesigen Theaterverein außerordentlich freut, denn die pädagogische Betreuung sei in den vergangenen Jahren ziemlich unbefriedigend gewesen, so Vorstandsmitglied Frieder Krause. Es gab nur einen Theaterpädagogen für Altenburg und Gera, dessen Fokus eindeutig auf Gera lag. Da hat sich in den zurückliegenden Monaten schon sehr viel zum Positiven verändert, konstatiert Krause zufrieden.

Geboren wurde David Schönherr 1980 am Niederrhein, in St. Tönis. „Margarethe Schreinemakers kommt aus dem gleichen Nest“, ist der einzige Fakt, der ihm einfällt, um diesem Dorf ohne Kino und Theater doch noch zu ein bisschen Bekanntheit zu verhelfen. Mit 15 lernte David das Theaterspielen kennen, weil ihn eine Lehrerin dazu animierte. Ihr Motto: Soll er sich lieber dort verwirklichen, statt als „Klassenclown“ den Unterricht zu behindern. Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich herausstellen sollte, denn Schönherr studierte später in Leipzig Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie – und blieb in der ostdeutschen Metropole. Mit Frau und Tochter hat er dort ein Zuhause gefunden.

Beruflich startete Schönherr mit einem Arbeitslosen-Theater. Eine gute Schule, sagt er, „denn machen Sie mal fünf Stunden Theater mit Leuten, die es nicht wollen. Aber wir haben es am Ende hingekriegt.“ Nach verschiedenen anderen Stationen als Theaterpädagoge verschlug es ihn in diesem Jahr nach Altenburg – und hat seither jede Menge zu tun.

So sind seit Spielzeitbeginn am Landestheater unter seiner Leitung zwei neue Spielclubs gestartet, bei denen Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene selbst Theater spielen können. Außerdem gibt es jeden zweiten Sonnabend im Monat einen Schauspiel-Workshop für Laiendarsteller. Gemeinsam mit dem Schauspieler Ioachim Zarculea betreut Schönherr zudem an der Altenburger Gemeinschaftschule „Erich Mäder“ ein Projekt, in dessen Ergebnis „Romeo und Julia“ im Januar im Theater unter Dach zu sehen sein wird. Am Lerchenberggymnasium ist er bei Schülern der 9. und 10. Klassen Gast im Fach „Darstellen und Gestalten“. Die zuständige Lehrerin Christa Nihm ist begeistert. „Die Schüler finden es immer toll, wenn jemand von außerhalb in den Unterricht kommt, aber Herr Schönherr macht das besonders gut. Auf wunderbare Weise finden die jungen Leute so Zugang zum Theater.“

Doch damit nicht genug, David Schönherr ist auch in aktuelle Produktionen eingebunden, so beispielsweise beim Stück „Vom Gefühl her: Fuck u!“, wo er gemeinsam mit der Suchtberatung Materialien über Drogenkonsum zusammenstellt und nach den Aufführungen mit jungen Theaterbesuchern spricht. Außerdem ist er betreuender Dramaturg beim neuen Weihnachtsmärchen, und er soll für den gleichnamigen Förderverein den nächsten kleinen Prinzenraub inszenieren. Auch mit Patienten in der Klinik für Psychiatrie arbeitet er. Und, und, und.

„Es ist toll, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, entgegnet er auf Fragen nach seiner eigenen Freizeitgestaltung, die vor allem durch seine kleine Familie und ein bisschen Sport dominiert wird. Aber auch als Schriftsteller hat er sich schon ausprobiert. 2013 landete er zwar mit seinem Erstling „Der Widerschein“, einer Geschichte über einen niederländischen Maler im 18. Jahrhundert, unter den 20 besten Debüts, doch ein Bestseller wurde es nicht. „Heute wird das Buch teilweise verramscht“, gesteht David Schönherr ein. Trotzdem ist er weiter zu Lesungen geladen, in diesem Monat in Dresden und im nächsten Jahr in Schmölln. Eine Möglichkeit, den Theaterpädagogen mal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.

Von Ellen Paul

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