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Altenburg Kindesmissbrauch: Altenburger bekommt fast vier Jahre Jugendstrafe
Region Altenburg Kindesmissbrauch: Altenburger bekommt fast vier Jahre Jugendstrafe
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10:32 25.09.2018
Wegen schwerem sexuellen Missbrauchs von Kindern hat das Landgericht Gera einen Altenburger (vorne links) zu drei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilt. Quelle: Thomas Haegeler
Altenburg/Gera

Nach Dutzenden sexuellen Missbräuchen an seinen drei Nichten muss ein Altenburger ins Gefängnis. Das Landgericht Gera verurteilte den 23-Jährigen am Montag zu drei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe. So sah es die 2. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Berndt Neidhardt nach einem Teilgeständnis und Zeugenaussagen als erwiesen an, dass sich der Angeklagte von August 2013 bis Februar 2018 in der Wohnung seiner Mutter insgesamt 41 Mal an den zur Tatzeit 5- bis 13-jährigen Mädchen vergangen hat. Einer Therapie muss sich der Skatstädter aber nicht stellen. Dafür aber 5000 Euro Schmerzensgeld an eines seiner Opfer zahlen.

Richter hält Strafe für angemessen

Über die Frage, ob der Angeklagte in der Psychiatrie unterzubringen ist oder nicht, entzündete sich am dritten Verhandlungstag ein Streit zwischen den Verfahrensbeteiligten. Deswegen und wegen betroffener Angehöriger im Saal begründete Neidhardt das Urteil ausführlich. So sei der Angeklagte, der die Haftstrafe mit gesenkten Kopf entgegennahm, bei den Taten überwiegend selbst noch heranwachsend gewesen, so der Richter. „Die Kammer hat keinen Zweifel an einer Reifeverzögerung.“ Daher sei Jugendstrafrecht anzuwenden. „Eine Jugendstrafe ist immer Erziehungsstrafe.“ Daher gelten die normalen Strafrahmen nicht und der Bundesgerichtshof erachte nur im Ausnahmefall Jugendstrafen von über vier Jahren als erzieherisch sinnvoll. Zudem habe man sich bei der Höhe schon im oberen Bereich des Deals von drei bis vier Jahren im Falle eines Geständnisses orientiert.

Für Angehörige ist Strafmaß zu gering

Nachdem Neidhardt das – insbesondere für die Mütter der Mädchen und ihre Angehörigen – zu milde Urteil begründet hatte, kam er zum Kern des Streits. So sei der Altenburger voll schuldfähig. „Es wäre sinnvoll, wenn der Angeklagte behandelt würde“, sagte der Richter. „Das andere ist aber, ob die Voraussetzungen vorliegen, dass das zwangsweise angeordnet werden kann.“ So habe der 23-Jährige wohl gewusst, dass er sich nicht an den Mädchen hätte vergehen dürfen. Und er habe auch damit aufhören können, als er Gefahr lief aufzufliegen. Somit liege kein Merkmal für eine Maßregel in der Psychiatrie vor.

Gericht sieht keine krankhafte Störung

Er könne auch nicht erkennen, dass die Sachverständige Angela Trommer-Wenzel „widersprüchliche Angaben“ gemacht habe, so Neidhardt mit Blick darauf, dass die Gutachterin den Angeklagten als vermindert schuldfähig beschreibt und alles in allem einen Psychiatrieaufenthalt befürwortet. Ihren einzigen Fehler sehe er darin, „dass sie eine Schlussfolgerung gezogen hat, die ihr nicht zusteht“.

Vielmehr sei der Angeklagte laut Gutachten „ein bisschen dümmer als andere“, erklärte der Richter weiter und sagte zur Enthemmung bei den Missbräuchen: „Es gibt auch dumme Leute, die viel Alkohol trinken.“ Statt der nötigen Persönlichkeitsstörung ist er nur „ein bisschen eigenartig, aber jeder Zweite ist das“. Eine krankhafte Störung sei somit nicht erkennbar. Und „die Frage, ob Kernpädophilie“ vorliegt oder die Missbräuche nur Ersatz für fehlende Sexualpartnerinnen sind, werde „irgendwann mal spannend“. „Bei so einem jungen Menschen ist das nicht zu sagen.“

Anwälten halten Gutachten für mangelhaft

Die Widersprüche der Gutachterin sowie methodische Mängel hatten Staatsanwältin Sylvia Reuter, die drei Vertreter der Nebenklage und auch Verteidiger Helge Klein zuvor moniert. Sie mündeten darin, dass sie beantragten, die missbrauchten Kinder als Zeugen zu hören, um mehr als die 41 der ursprünglich 92 angeklagten Taten nachzuweisen, und/oder ein weiteres Gutachten machen zu lassen, um wegen der Pädophilie sicher zu sein. Zumal der Angeklagte schon einmal wegen sexueller Übergriffe auf Kinder in der Psychiatrie saß.

Wegen der Zweifel verzichtete Staatsanwältin Reuter auch auf die Forderung der psychiatrischen Unterbringung, obwohl sie diese für nötig hielt, und plädierte für drei Jahre und zehn Monate Jugendstrafe. Verteidiger Klein hielt drei Jahre für angemessen und die Vertreter der Nebenklage verzichteten auf ein konkretes Strafmaß, forderten aber einen Psychiatrieaufenthalt. Anwalt Dirk Schwerd, der als einziger Schmerzensgeld beantragte, wollte wegen der Umstände und des „gestolperten Geständnis’“ sogar den „Wiedereintritt in die Beweisaufnahme“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Thomas Haegeler

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