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Altenburg Kindesmisshandlungen nehmen zu – aber noch nicht jeder sieht hin
Region Altenburg Kindesmisshandlungen nehmen zu – aber noch nicht jeder sieht hin
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14:28 13.11.2016
Nach einem Jahr Netzwerk-Arbeit ziehen Fachbereichsleiter Dirk Novosatko, Fachdienstleiterin Marion Fischer und Teamleitern Susann Voigt (v.r.) Bilanz. Quelle: Foto: Jana Fuchs
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Altenburg

„Jedes Kind, das misshandelt wird, ist eins zu viel“, sagt Dirk Nowosatko, Fachbereichsleiter Jugend und Gesundheit im Landratsamt. Damit es erst gar nicht so weit kommt und das Jugendamt einschreiten muss, wurde vor einem Jahr das Netzwerk „Kinderschutz und frühe Hilfen“ gegründet. Hauptanliegen ist es, den vorbeugenden und aktiven Kinderschutz flächendeckend zu aktivieren und die gesamte Gesellschaft dafür zu sensibilisieren. Es gilt, dass alle Menschen, die mit Kindern zu tun haben, frühzeitig hinsehen, wenn es einem Kind schlecht geht und sich zu melden, also insbesondere Kindergärten, Schulen, Vereine und Ärzte. Außerdem soll den Eltern bereits ab der Schwangerschaft geholfen werden.

Ein solches Netzwerk macht im Altenburger Land durchaus Sinn. Denn die Zahlen der Fälle, in denen das Jugendamt bei Fällen von Misshandlung einschreitet und Kinder aus ihren Familien genommen werden müssen, steigen. Damit liegt auch das Altenburger Land im bundes- und landesweiten Trend, wie Nowosatko kürzlich vor der Presse einschätzte. 2014 wurden 37 Kinder im Landkreis in Obhut des Jugendamtes genommen, im Jahr 2015 waren es 40. Thüringenweit waren es 1226 Fälle, im Jahr 2014 und 2182 Fälle im Jahr darauf. Es kann aber nicht das Ziel sein, Kinder aus ihrer Familie zu holen“, sagte Novosatko. Das müsse vermieden werden. Auch dafür gebe es das Netzwerk Kinderschutz.

Nach einem Jahr des Bestehens des Netzwerks zog Nowosatko kürzlich Bilanz, die allerdings nicht nur positiv ausfiel. „Wir haben uns auf den Weg gemacht, um uns als Landkreis diesem Thema zu stellen“, sagte er. „Nicht alles dabei wurde erreicht.“ Es gebe Kinder- und Jugendbereiche, die man noch nicht genügend erreicht habe. Konkret nannte Nowosatko Sportvereine, Kinder- und Jugendfeuerwehren und Kirchgemeinden.

Am besten seien die Kindergärten in das Netzwerk eingebunden und zur Mithilfe bereit. Die Zahl der Meldungen von dort, bei denen man eine Gefährdung des Kindeswohls vermute, sei gestiegen. Das sei auch ein Indiz dafür, dass sich mehr Eltern rechtzeitig Hilfe holen, wenn sie sich überfordert fühlen.

Generell sei die Bereitschaft der Öffentlichkeit, sich dem Thema zu widmen, nicht wegzusehen oder wegzuhören, wenn Kinder schlecht behandelt werden, gestiegen. Positive Effekte, die sich durch die Gründung des Netzwerkes ergeben haben, seien im Moment noch nicht zu ermitteln.

Die Netzwerk-Arbeit umfasst auch Schulungen – entweder als Veranstaltung oder auf Nachfrage in den Einrichtungen, wie Teamleiterin Susann Voigt erklärte. Bisher gab es 16 davon, an denen 113 Erzieher aus Kindertagesstätten, Sozialarbeiter, Therapeuten, Psychologen und Lehrer teilnahmen. Hier gebe es hohe Unsicherheiten, weiß Nowosatko. Das Netzwerk helfe, aufzuklären, ob man sich strafbar macht, was man tun kann und muss.

Neu ist eine telefonische Beratung. So könnten Fachkräfte angerufen und Fälle anonym besprochen werden. Netzwerk-Mitarbeiter könnten daraufhin aber auch in die Einrichtung kommen und helfen, Elterngespräche vorzubereiten. Zu den frühen Hilfen gehören ein Elternkalender für die ersten drei Lebensjahre, den jede Familie mit Neugeborenen seit 2008 als Willkommensgruß erhält. In einem persönlichen Gespräch werden die Eltern über Angebote wie Eltern- und Babykurse, Kindertagesstättenplätze, Kindertagespflege oder Fragen zu Eltern- sowie Kindergeld informiert. Durch diesen frühen Kontakt soll den Eltern auch die Scheu genommen werden, sich Unterstützung und Hilfe zu holen.

Darüber hinaus will auch das Jugendamt seine Arbeit vorstellen. Dazu beginnt am Montag eine Aktionswoche unter dem Motto „Unterstützung, die ankommt“.

Lesen Sie dazu den Info-Kasten.

Von Jens Rosenkranz

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