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Kirche von Dobraschütz in fünf Jahren komplett saniert

Arbeiten abgeschlossen Kirche von Dobraschütz in fünf Jahren komplett saniert

Wunder sind aus dem christlichen Glauben nicht wegzudenken. Geht es um die Sanierung der Kirche in Dobraschütz, muss aber niemand fest an Wunder glauben, um dennoch ruhigen Gewissen davon zu sprechen. Schließlich hat es die Gemeinde geschafft, ihr anfangs ziemlich marodes Gotteshaus ohne Startkapital komplett zu sanieren.

Fachleute ordnen die Innenraumgestaltung dem Bauernbarock zu. Für die Restaurierung der Malerei gab es den Denkmalpreis.

Quelle: Mario Jahn

Dobraschütz. Wunder sind aus dem christlichen Glauben nicht wegzudenken. Geht es um die Sanierung der Kirche in Dobraschütz, muss aber niemand fest an Wunder glauben, um dennoch ruhigen Gewissen davon zu sprechen. Schließlich hat es die Gemeinde geschafft, ihr anfangs ziemlich marodes Gotteshaus ohne Startkapital komplett zu sanieren. „Nachdem wir jetzt auch die Fassaden verputzt und gestrichen haben, ist für lange Zeit baulich nichts mehr zu tun“, erklärt Ralf Neuber, Vorsitzender der Kirchgemeinde, und kann kaum selbst glauben, was er da sagt.

Denn Dorfkirchen, die rundum, außen und innen, vom Gestühl bis zur Bemalung, von der Orgel über Altar bis zum Taufbecken, vom Kirchendach bis zum Fundament komplett renoviert wurden, sind im Altenburger Land selten. Und als ob das nicht schon außergewöhnlich genug wäre – die Kirchgemeinde hat das alles in gerade mal fünf Jahren hinbekommen. „Das ist wirklich ein Wunder“, findet auch Pastorin Marina Mönnich staunend, die im September 2015 die Pfarrstelle im Kirchspiel Dobitschen übernahm.

Etwa 100 Jahre war die letzte Überholung der um das Jahr 1750 errichteten Kirche her, als 2011 notgedrungen etwas getan werden musste. Der Holzwurm hatte ganze Arbeit geleistet, die Decke sowie andere Teile der hölzernen Innenausstattung drohten unwiderruflich verloren zu gehen. Und damit auch die in der Region einzigartige Bemalung im Stile des Bauernbarocks. Diese war aber 2011 nur noch zur erahnen. „Die Ausgangsbedingungen waren denkbar schlecht, weil wir 2010 schon den Turm unserer Kirche in Wernsdorf retten mussten“, erinnert sich Edgar Kresse, Mitglied im Kirchenvorstand. Schon dieses Bauvorhaben konnte nur mit Spenden und Fördermitteln finanziert werden.

Ganz abgesehen davon, dass sowohl staatliche Fördermittel wie auch Kirchengelder nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen, muss stets ein Eigenanteil aufgebracht werden. Was für die 70 Gemeindemitglieder bedeutete, pro Bauabschnitt mussten Tausende Euro Spenden für den Eigenanteil gesammelt werden. Insgesamt gab die Kirchgemeinde im gesamten Sanierungszeitraum circa 145 800 Euro aus. Darin enthalten sind 43 100 Euro Eigenanteil. „Aber das sind die rein monetären Zahlen“, betont Neuber. Dazu kämen nie abgerechnete Hilfe, Unterstützung und Arbeitsstunden. „Ich schätze, dass das uns bestimmt 25 Prozent Kosten gespart hat.“

Zu den nie abgerechneten Hilfen gehört unter anderem die Orgelsanierung. Senffabrikant Karl Jungbeck übernahm diese mit einem befreundeten Restaurator. „Wir wissen bis heute nicht, wie viel es gekostet hat. Wir wissen nur, dass trotz Kostensteigerung beide drangeblieben sind und die Orgel fertig wurde“, erinnert sich Kresse sehr dankbar. Jungbeck war – wie viele andere Bürger auch – nicht zuletzt durch die Aktionen „Mein Stern für Dobraschütz“ auf das Kleinod aufmerksam geworden. Die Idee entwickelte dazu der damalige Pfarrer Christoph Herbst. Weil die Kirche im Inneren mit 65 goldenen Sternen verziert ist, für die statt Spendern 2012 Paten gesucht wurden. So konnte ein weiterer Eigenanteil mit finanziert (die OVZ berichtete). Die Wirkung dieser liebevollen Aktion ging aber weit darüber hinaus, indem sie für große Aufmerksamkeit sorgte.

Die gute und historisch exakte Arbeit der Restauratoren bei der Innenraumgestaltung tat ihr übriges. Dafür gab es schließlich 2013 den Denkmalpreis. In den vergangenen zwei Jahren wurden nun noch die Fassaden erneuert, der alte Sandstein war an vielen Stellen stark verwittert und Putz fehlte großflächig. Dazu wurden Kleinigkeiten erledigt, wie die Reparatur des Anbaus samt dem Spruchband aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Als i-Tüpfelchen wurde zuletzt eine Toilette in einen „übrigen“ Raum eingebaut.

Wie schön es alles geworden ist, davon haben sich erst am Heiligabend Dutzende Dobraschützer mit ihren Gästen überzeugt. Die Kirche war zum Krippenspiel wie nicht anders zu erwarten bis auf den letzten Platz gefüllt. „Jetzt, wo alles so schön ist, kommen auch sehr viele Touristen“, sagt Neuber. Vier Reisebusse waren es 2016 und für 2017 sind schon jetzt zwei Reisebusse voller Neugieriger angekündigt, die das Wunder von Dobraschütz sehen wollen.

Von Jörg Reuter

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