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Kirchgemeinde begeht 500 Jahre Grundsteinlegung der Christuskirche Rositz

Konzert und Fest Kirchgemeinde begeht 500 Jahre Grundsteinlegung der Christuskirche Rositz

Ein Jahr vor dem Thesenanschlag Luthers in Wittenberg musste in Rositz die uralte Dorfkirche, die in Quellen erstmals 1295 erwähnt wird, nach einem Brand abgerissen werden. „Im selben Jahr wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt“, so Pastorin Christiane Müller. Das ist nun 500 Jahre her – und wird gefeiert.

Vor 500 Jahren wurde der Grundstein für die heutige Kirche in Rositz gelegt.

Quelle: Mario Jahn

Rositz. Anfang des 16. Jahrhunderts war die Welt in Veränderung. Erst wenige Jahre zuvor war Christoph Kolumbus von seiner ersten Entdeckungsreise aus Amerika zurück. Johann Tetzel reiste durch die Lande und versprach als Ablasshändler das jenseitige Seelenheil gegen Geld. Die Dukaten wurden jedoch vor allem in Rom für den Bau des Petersdoms benötigt. Dies wiederum brachte bekanntermaßen Martin Luther auf die Palme, so dass er seine berühmten 95 Reformationsthesen verfasste.

Ein Jahr vor dem Thesenanschlag in Wittenberg musste in Rositz die uralte Dorfkirche, die in Quellen erstmals 1295 erwähnt wird, nach einem Brand abgerissen werden. „Im selben Jahr wurde der Grundstein für die neue katholische Kirche gelegt“, so Pastorin Christiane Müller. Fertig wurde das Kirchengebäude aber erst 42 Jahre später. Sehr wahrscheinlich hat die aufkommende Reformation den Bau ungewöhnlich lange verzögert. Immerhin gehörte die hiesige Region nicht zuletzt durch den „Steuermann der Reformation“, Georg Spalatin, der seit 1515 in Altenburg wirkte, zu den Zentren der Kirchenerneuerung.

Spalatin war bereits 13 Jahre tot, als 1558 die neue Rositzer Kirche evangelisch geweiht wurde. Aus der Frühphase gibt es aber kaum oder gar keine Überlieferungen, so Müller. Bekannt ist nur, dass beispielsweise das große Kruzifix über dem Altar im 16. Jahrhundert geschnitzt wurde. Auch das hölzerne Taufbecken wurde in den 1580er-Jahren hergestellt. Lange Zeit passierte baulich nicht viel an der Kirche. Erst zum 200. Jahrestag der Grundsteinlegung bekam die Kirche eine erste Orgel.

In den Gründerjahren nach 1871 nahm sich auch die Rositzer Kirchgemeinde vor, ihr Gotteshaus zu erneuern. Nicht nur wegen des Alters der Bausubstanz, sondern auch, weil inzwischen mehr Platz für die gewachsene Kirchgemeinde gebraucht wurde. Weshalb 1877 zwei Emporen eingebaut wurden. Darüber hinaus erhielt der Turm eine neue Kuppel mit Laterne, und der Innenraum eine in Weiß und Gold gefasste Kanzel, deren Schalldeckel eine Pelikanfamilie ziert. 1878 kam eine neue Opitz-Orgel dazu, die wie alle Umbauten des 19. Jahrhunderts die Kirche heute prägen.

Menschen und Geld lockte damals vor allem der Bergbau nach Rositz, welcher im Zuge der Industrialisierung aufblühte. Beispielsweise ging 1874 eine der wichtigsten Gruben des Reviers, die 113, in Betrieb. In nur wenigen Jahren folgten etliche weitere Gruben und die verarbeitende Industrie. Die dringend benötigten Arbeitskräfte zogen unter anderem von Bayern nach Thüringen. Und sie brachten auch ihren katholischen Glauben mit. „Seitdem gibt es in Rositz neben unserer evangelischen auch wieder eine katholische Kirchgemeinde“, sagt Müller. Heute würden beide Glaubensrichtungen in Rositz eine sehr gute Ökumene pflegen.

Das zeigt sich auch daran, dass die katholischen Christen mit zum Fest anlässlich 500 Jahre Grundsteinlegung eingeladen sind. Los geht es am Sonntag 15 Uhr mit dem Zeitzer Gospelchor Celebrate. Der Eintritt ist frei. Das eigentliche Fest findet am Montag statt. „Wir haben extra den Reformationstag gewählt, weil da auch Katholiken kommen können, um mit uns zu feiern“, erklärt die Pastorin. Mit einem Festgottesdienst 10 Uhr, bei dem unter anderem der Altenburger Organist Wido Hertzsch spielen und der Propst Diethard Kamm aus Gera die Predigt halten wird, beginnt der Tag. Anschließend und am Nachmittag wird im Bernsteinhof mit Kaffee und Kuchen oder Herzhaftem vom Fleischer weitergefeiert. Die Besucher erwartet dort auch ein Kinderprogramm und ein Film über die Kircheneinweihung nach der Innenraumsanierung 1964.

Nach dieser Rekonstruktion erhielt das Gotteshaus auch seinen eher ungewöhnlichen Namen Christus-Kirche. Höchstwahrscheinlich trug die Kirche in Rositz zuvor auch einmal einen Heiligennamen, dieser sei aber in Vergessenheit geraten und konnte nicht nach recherchiert werden, erzählt Christiane Müller. „Ich finde es aber sehr schön, dass unsere Kirche gleich nach dem Chef benannt ist.“ Das Fest klingt mit einer Andacht 14.30 Uhr in der Kirche aus.

Von Jörg Reuter

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