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Kita-Prozess: Angeklagte können auf Freispruch hoffen

Kita-Prozess: Angeklagte können auf Freispruch hoffen

"An den meisten Vorwürfen ist nicht das dran, was in der Anklageschrift steht. Deshalb dürfte es in vielen Punkten auf einen Freispruch hinauslaufen." Es wurde am Montag mucksmäuschenstill im großen Saal des Amtsgerichts Altenburg, als der Vorsitzende Richter den wahrscheinlichen und mittlerweile nicht mehr gänzlich überraschenden Ausgang des Kita-Prozesses deutlich machte.

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Für Richter Sandy Reichenbach sind die meisten Anklagepunkte nicht bewiesen.

Quelle: Mario Jahn

Sandy Reichenbach unterbreitete deswegen sogar den Vorschlag, das Verfahren gegen die vier Erzieherinnen der Kita "Spatzennest" in Altenburg-Südost einzustellen. Denn die vorgebrachten Straftaten, dabei vor allem die Körperverletzungen, sind dem Richter zufolge kaum zu beweisen. Die wichtigsten Argumente für diese Auffassung lieferte gestern Kinder- und Jugendpsychiater Bernhard Blanz. Der Gutachter aus Jena konnte keinen Zusammenhang zwischen der Windelfixierung der Kleinkinder oder den rabiaten Füttermethoden zu den geschilderten Verhaltensauffälligkeiten bei einigen Opfern erkennen. Diese Praktiken hätten zu keinen direkten körperlichen oder seelischen Schäden geführt, machte Blanz deutlich. Auch seien deswegen Spätfolgen oder Entwicklungsstörungen nicht zu erwarten.

 

Eine Mutter hatte beispielsweise geschildert, dass ihr Kind viele Monate lang nachts schreiend aufwachte und sich auch nicht umarmen und beruhigen ließ. Die Zeugin hatte dies in Zusammenhang zur Windelfixierung gebracht. Diesen konnte Blanz nicht erkennen und sprach stattdessen von nicht ungewöhnlichen Schlafstörungen. Auch das Verhalten der Mutter selbst könne für das auffällige Verhalten ihres Kindes verantwortlich sein. Denn nach Bekanntwerden der Methoden in der Kita-Gruppe war sie selbst zusammengebrochen und drei Wochen krankgeschrieben. Dies habe das Kind möglicherweise gemerkt, weil es gute Antennen habe, wenn es seiner wichtigsten Bezugsperson schlecht gehe. Bei einem anderen Opfer vermutete der Gutachter die schwierige Eingewöhnungsphase in der Kita als Grund für Auffälligleiten und die Tatsache, dass die Mutter wieder eine Arbeit aufnahm. Blanz sah lediglich in zwei Fällen einen möglichen Zusammenhang. Dies war die Angst in dunklen Räumen, begründet durch ein Tuch, das dem Kind zum Mittagsschlaf auf die Augen gelegt wurde, weil es zu hell war. Auch die Angst eines anderen Kindes, wenn es nicht aufgegessen hatte, könne seine Ursache in den rabiaten Fütterungsmethoden haben, sagte der Psychiater. Allerdings ließen sich die Zusammenhänge in beiden Fällen nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit belegen, wie es das Gericht gefordert hatte.

 

"Sie haben uns bei der Aufklärung und der Versachlichung des ganzen Verfahrens sehr geholfen", sagte der Vorsitzende Richter. Für ihn seien die meisten der 58 Anklagepunkte nach dieser Aussage nicht nachweisbar. Das bedeute aber nicht, dass die Angeklagten alles richtig gemacht haben, schränkte Reichenbach sogleich ein. Das Einschnüren der Kindern in Decken mit verknoteten Windeln und die erzwungene Zuführung von Speisen sei nicht zu tolerieren.

 

Den Wunsch des Richters nach Einstellung des Verfahrens kam der Staatsanwalt allerdings nicht nach. Arnd Knoblauch blieb bei seinem Antrag, eine weitere Praktikantin als Zeugin zu hören. Die junge Frau war allerdings bereits am zweiten Verhandlungstag und auch gestern nicht erschienen, obwohl sie zwangsweise vorgeführt werden sollte, jedoch nicht aufgefunden wurde. Wegen ihrer Aussage findet kommenden Dienstag nun ein weiterer Verhandlungstag statt.

 

Die Andeutung möglicher Freisprüche machte den Geschäftsführer der Volkssolidarität, der Trägerin der Kita, gestern fassungslos. "Ich bin darüber sehr enttäuscht", sagte Volker Kibisch, der weitere Kommentare vorerst nicht abgeben wollte.

Jens Rosenkranz

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