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Kita Spatzennest: "Gravierender Einzelfall"

Kita Spatzennest: "Gravierender Einzelfall"

Fassungslose Eltern, Medienrummel, erste Statements der Politik: Weil drei inzwischen gekündigte Mitarbeiterinnen Kleinkinder zum Mittagsschlaf eingeschnürt und ihre Gesichter mit Tüchern bedeckt haben sollen, steht die Altenburger integrative Kindertagesstätte "Spatzennest" der Volkssolidarität deutschlandweit am Pranger.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Jens Rosenkranz und Günter Neumann

Kameras, Mikrofone, Reporter-Teams den ganzen Tag vor und im Kindergarten. Menschen, die aus Fenstern der umliegenden Häuser, von Straßen und Wegen alles beobachteten. Es ist eine ungewöhnliche, für manche Eltern beängstigende Atmosphäre, als sie ihre Kleinen gestern Nachmittag aus der Kita inmitten des Wohngebietes Südost abholen.

Und alle fragen sich, wie es dazu kommen konnte, dass drei Erzieherinnen angeblich hyperaktive Kinder im Alter von null bis zwei Jahren zum Schlafen in Decken gewickelt, sie mit Windeln oder Bändern verschnürt haben sollen (OVZ berichtete).

Unter den ratlosen Eltern ist auch Susanne Müller, die stellvertretende Elternsprecherin der Einrichtung, die über zwei Stunden lang alle Fragen der Journalisten geduldig beantwortet. Sie kann die Vorfälle nicht nachvollziehen, hält sie für unerklärlich, aber gleichzeitig unverantwortlich, betont sie gegenüber OVZ.

Die einzig richtige Konsequenz sei die fristlose Kündigung gewesen, an der ihrer Auffassung nach nicht gerüttelt werden sollte. Das meint die Elternvertreterin, weil es auch Meinungen gibt, die den Vorfall verharmlosen und mit einer angeblichen Überlastung begründen. Gerade die besagte Gruppe sei mit drei Erzieherinnen optimal besetzt gewesen, zuzüglich jener Praktikantin, die den Stein letztlich ins Rollen bringt. "Unter diesen Bedingungen kann ich eine Überlastung nicht nachvollziehen. Erfahrenen Erziehern darf so etwas nicht passieren."

Auch die Meinung, dass die Kita generell personell unterbesetzt sei, lässt Susanne Müller nicht gelten. Ihr ist klar, dass der Ruf der Einrichtung jetzt Schaden nehmen wird, was ihr außerordentlich leid tut. Denn sie weiß, dass die übergroße Mehrheit der Mitarbeiter mit Leib und Seele für die Kinder da ist und für eine gute Betreuung alles tut. Alles andere wäre eine Lüge, sagt sie. Und sie denkt, dass sie im Namen aller Eltern spricht: Es wäre schlimm, aus diesem Einzelfall auf die gesamte Einrichtung zu schließen.

In einer Elternversammlung waren gestern Nachmittag Muttis und Vatis des betroffenen Bereichs, zu dem 16 Kinder gehören, über die bisherigen Erkenntnisse informiert worden. So wurde erstmals öffentlich, dass Kindern zusätzlich zu ihrer Fesselung die Gesichter mit Tüchern bedeckt wurden. Sie hätten im schlimmsten Fall ersticken können, wie der Geschäftsführer des Volkssolidaritäts-Kreisverbandes, Volker Kibisch, einschätzte.

Mithilfe des Landratsamtes werde so schnell wie möglich personeller Ersatz für die gekündigten Mitarbeiterinnen gesucht. Alle rund 30 Kolleginnen der integrativen Kita, in der 162 Mädchen und Jungen mit und ohne Behinderungen betreut werden und die erst vor anderthalb Jahren für über eine Million Euro saniert wurde, seien "sehr flexibel und engagiert", um die angespannte Situation zu bewältigen.

Kibisch bestätigte, dass gestern die Strafanzeigen gegen die drei entlassenen Mitarbeiterinnen erstattet wurden. Zugleich bekräftigte er, dass das Fehlverhalten nicht aufgefallen sei, weil die Kinder in einem separaten Schlafraum Mittagsruhe hielten.

Der Vorfall hat inzwischen auch das Thüringer Kultusministerium aufgeschreckt. Anfang kommender Woche wollen sich Fachleute vor Ort informieren, sagte Ministeriumssprecher Gerd Schwinger. Für Thüringen handele es sich um einen "gravierenden Einzelfall".

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