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Altenburg Klassenzimmerstück „Heiße Eisen“ bietet viel Diskussionsstoff für Schüler
Region Altenburg Klassenzimmerstück „Heiße Eisen“ bietet viel Diskussionsstoff für Schüler
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05:02 20.04.2018
Brennen für ihre Rollen: Im neuen Klassenzimmerstück führen Thorsten Dara und Thomas C. Zinke hitzige Debatten. Quelle: Ronny Ristok
Altenburg

Dass bei Premieren im Großen Haus oder im Heizhaus die Leitung des Theaters und die Verantwortlichen der einzelnen Bereiche anwesend sind, gehört zu den normalen Gepflogenheiten des Theaterbetriebs. Dass dies gleichermaßen bei einer Vormittagsveranstaltung der Theaterpädagogik im Theater unterm Dach geschieht, bei der Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen der Bonhoeffer-Regelschule Altenburg anwesend sind, liegt doch sehr außerhalb des Normalen.

Viel mit wenig erreichen

Was geschah am Vormittag des vergangenen Dienstags? Eigentlich nichts Besonderes – ein Klassenzimmerstück für eine Klasse, nichts Neues an diesem Theater, wenn man nur an „Freitag und Robinson“ denkt, das im Bereich Gera und Altenburg in den vergangenen Jahren an die 150 Mal an den Schulen gespielt wurde.

Klassenzimmertheater kann und soll nicht zeigen, was Theater alles vermag, sondern wie wenig an Ausstattung es eigentlich braucht. Da kommt es eher auf den Inhalt an und besonders auf das schauspielerische Können der Akteure in einer regiereichen Inszenierung. Das war durch die beiden Schauspieler Thomas C. Zinke und Thorsten Dara sowie die Regisseurin Nanna Przetak in erfreulichem Maße gegeben.

Provokante Fragen

„Heiße Eisen“ heißt die neue Produktion, und daran kann man sich gemeinhin die Finger verbrennen. Waren deswegen die Theaterverantwortlichen so zahlreich zugegen? Die beiden Schauspieler spielen zwei junge Männer, die sich eigentlich so richtig nicht mögen. Sie stehen 45 Minuten, also eine Unterrichtsstunde lang, im Disput miteinander.

Aus vielen kleinen Gegensätzlichkeiten und provokanten Fragen ergeben sich Spielsituationen, die eingebettet sind in eine philosophische Betrachtungsweise allgemeiner Art. Letztendlich führen alle immer wieder zu einer der philosophischen Grundfragen, nämlich der nach der Rolle und den Möglichkeiten von Bildung und Erziehung.

Der Autor des Stückes, der Theaterpädagoge und Leiter der Theaterfabrik in Gera, Peter Przetak, stützt sich auf die Erziehungslehre des französischen Philosophen Jean Jacques Rousseau in dessen Roman „Emile“, der den Menschen im Naturzustand als gut bezeichnet, mit einem Bedürfnis nach Bildung und Erziehung. Daraus leiten sich solche Fragen ab, ob der Mensch von Natur aus gut oder böse ist, ob Moral lern- oder lehrbar ist oder ob Menschen überhaupt bewertbar sind oder nur ihre gesellschaftlich geprägten Handlungen. Und da ist man bei den „Heißen Eisen“. Eines davon ist etwa die Rolle der Bundeswehr und die Frage, inwieweit sie für Frieden sorgen kann.

Moralisches Dilemma

Einer der beiden Protagonisten berichtet über einen militärischen Einsatz in einem fremden Land und wie er in einer besonderen Situation einen „Feind“ erschießen muss – vor den Augen eines kleinen, schreienden Mädchens. Damit ist diese Unterrichtsstunde ganz nahe der aktuellen Politik.

Ein anderes „Heißes Eisen“ ist der Zeitpunkt und die Art und Weise des Outens eines Schwulen und sein weiteres Verhältnis zu seinem Freund. Diese beiden und die anderen Probleme werden nicht als Fragen gestellt und dann beantwortet, sondern sie werden als Symptome unserer Gesellschaft gezeigt und zur Beantwortung in die Hände des Publikums gelegt. Dadurch wird eine Nachbereitung zwingend notwendig, und es tut sich die Frage auf, ob man nicht nach einer Episode den Ablauf der Stunde unterbricht und sofort ganz frisch der Schülermeinung freien Lauf lässt.

Am Ende stehen an der Tafel die Wörter „Präferenz“ und „Neigung“. Die semantische Erschließung für die Schüler blieb offen. Nicht aber der Gesamtinhalt dieser außergewöhnlichen Unterrichtsstunde. Die Schulen sollten sofort zugreifen.

Von Manfred Hainich

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