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Klaus Börngen, Bürgermeister von Göpfersdorf, zieht Bilanz und blickt nach vorn

OVZ-Interview zum Jahresanfang Klaus Börngen, Bürgermeister von Göpfersdorf, zieht Bilanz und blickt nach vorn

Angst und Rache seien die falschen Begriffe, findet Klaus Börngen im OVZ-Interview. Der Linken-Politiker, der Vorsitzender der VG Wieratal ist und ebenfalls Bürgermeister von Göpfersdorf, befürchtet aber, dass, wenn Nobitz erfüllende Gemeinde für Göpfersdorf wird, dessen Angelegenheiten „nicht gerade bevorzugt behandelt“. Ungeachtet dessen hat sich die Kommune einiges vorgenommen.

Bürgermeister und Interims-VG-Chef Klaus Börngen.

Quelle: Mario Jahn

Göpfersdorf. Klaus Börngen ist der Bürgermeister von Göpfersdorf und der amtierende Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Wieratal. Und er ist ein Befürworter von größeren Verwaltungsstrukturen. Diesbezüglich erlebte der Linken-Politiker 2017 eine Niederlage, als der Göpfersdorfer Gemeinderat einer Fusion mit Nobitz nicht zustimmte. Was das im Aus- und Rückblick bedeutet, erfragte die OVZ im Jahreswechselinterview.

Wie fällt Ihre Bilanz für 2017 aus – außer Spesen nichts gewesen?

Dass die Entscheidungen rund um die Gebietsreform in Göpfersdorf nicht zu meiner Zufriedenheit ausgegangen sind, ist ja bekannt. Dennoch war es grundsätzlich gut, dass wir uns intensiv mit dem Thema beschäftigt haben. So kamen die Fakten auf den Tisch, die im Wieratal für eine Gebietsreform sprechen. Dazu gehört schlicht und ergreifend, dass die Einnahmen der fünf Mitgliedsgemeinden in zu großem Maße für die Verwaltung draufgehen. Und, dass vor allem daraus die finanziellen Probleme der meisten unserer Kommunen resultieren, was sich in erster Linie auf freiwillige Leistungen und Investitionen, aber inzwischen teilweise sogar auf die Erfüllung der Pflichtaufgaben auswirkt.

Wegen der Göpfersdorfer Ablehnung soll Nobitz 2018 erfüllende Gemeinde für Göpfersdorf werden. Haben Sie Angst, dass sich Nobitz rächt?

Angst und Rache sind sicher die falschen Begriffe, aber ich gehe schon davon aus, dass der Außenseiter Göpfersdorf nicht gerade bevorzugt behandelt wird. Das ist ja auch verständlich – durch unsere endlosen Diskussionen, das geäußerte Misstrauen und die zumindest indirekte Unterstellung einer Ungleichbehandlung. Doch ich möchte auch betonen, der Gemeinderat hat die Fusion nicht abgelehnt, er wollte vielmehr den vollen Zeitrahmen für die endgültige Entscheidung nutzen. Andererseits hätten wir schon vor zehn Jahren, als die ersten Gespräche aufkamen, aus der VG Wieratal und der damaligen Gemeinde Nobitz eine Kommune zu bilden, unsere Eigenständigkeit aufgeben müssen, um leistungsfähige Strukturen zu schaffen. Nur gemeinsam bringen wir nicht nur einzelne Dörfer, sondern die ganze Region voran.

Woran denken Sie da?

Eigentlich an vieles. Ich denke da an Gemeindestraßen, die in Größenordnungen Sanierungsbedarf haben. Aber es bleibt eben seit Langem nicht genug Geld übrig, um über Notreparaturen hinaus viel zu machen. Klar kann auch aus einem großen Topf nicht alles sofort erledigt werden, aber wir scheitern ja gegenwärtig zum Teil schon an vier- oder fünfstelligen Eigenanteilen. Das wirkt sich auf viele Bereiche aus – angefangen bei Gewässern bis hin zu Gebäuden. Etwa am Quellenhof bauen wir beispielsweise mittlerweile zwölf Jahre und haben unter jetzigen Bedingungen wahrscheinlich noch zehn Jahre zu tun.

Dazu fängt der Quellenhof an, im Unterhalt Geld zu kosten. Kann sich Göpfersdorf das überhaupt noch leisten?

Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass sich der Quellenhof letztlich annähernd selbst trägt. Also, dass die Betriebskosten durch Einnahmen an verschiedenen Stellen realisiert werden. Das kann logischerweise erst aufgehen, wenn alles fertig ist. Solange wir nicht das komplette Ensemble nutzen können, ist es schwieriger, die schwarze Null zu erreichen, das gebe ich zu.

Ein Rückschlag 2017 war auch, dass das Wieratal nicht als Förderschwerpunkt in der Dorferneuerung anerkannt wurde. Woran hat es gelegen?

Ursache waren im Wesentlichen zwei Dinge. Zum einen wurde kritisiert, dass wir zu unkonkret geblieben sind. Wir hatten kein Projekt richtig detailliert vorgestellt. Zum anderen konnten zwei Kommunen der VG ihre dauerhafte Leistungsfähigkeit nicht nachweisen. Was bedeutet, dass diese keine Fördermittel abrufen können, weil sie den Eigenanteil nicht aufbringen. Doch da insbesondere auch Privatpersonen von dem Programm profitieren können, werden wir auf jeden Fall den Antrag in diesem Jahr ergänzt und überarbeitet erneut stellen.

Was ist 2018 in Göpfersdorf geplant?

Einiges. Wir stehen bezüglich des Breitbandausbaus in den Startlöchern. Fakt ist, das Garbisdorf im Rahmen des Förderprogramms erschlossen wird, dafür muss die Gemeinde einen Eigenanteil aufbringen. Für Göpfersdorf hat – möglicherweise leider – ein Unternehmen die Erschließung ohne Fördermittel zugesagt und müsste theoretisch ebenfalls noch in 2018 zumindest beginnen. Darüber hinaus werden wir den Quellenhof weiter sanieren. 2017 sind wir ja über unsere eigenen Beine gestolpert, weil wir uns nicht in angemessener Frist für eine Ausführungsvariante bei der Erneuerung des Innenhofes entscheiden konnten. Ob wir auch etwas bei Straßenunterhaltung hinbekommen, werden wir sehen. Der Haushaltsplan wird gegenwärtig erarbeitet. Fest steht aber, die angekündigte Erdverkabelung in Göpfersdorf ist verschoben.

Von Jörg Reuter

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