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Klausa und Zschernichen bei Altenburg versinken unter Schlammlawinen

Starkregen Klausa und Zschernichen bei Altenburg versinken unter Schlammlawinen

Ganze 20 Minuten Starkregen haben am Donnerstagmorgen ausgereicht, um in Klausa und Zschernichen Keller zu fluten und Häuser vom Schlamm einzuschließen. Mit voller Wucht bahnte sich das Wasser samt Dreck seinen Weg.

Mit schwerer Technik wurde gegen die Schlammmassen vorgegangen.
 

Quelle: Mario Jahn

Klausa/Zschernichen.  Die Vorboten der Naturunbilden von Donnerstagmorgen bekamen Viola und Dirk Gerhardt sowie ihre Nachbarn aus dem Nobitzer Ortsteil Klausa bereits Mittwochabend zu spüren. „Gegen 20.30 Uhr begann der Starkregen und eine Viertelstunde später schoss das Wasser vom Feld über unser Grundstück. Den Rest haben wir dann heute morgen bekommen“, erzählt der Hauseigentümer. Da ergossen sich die Schlammmassen über das gesamt Grundstück, in Keller und Wintergarten. „Das gleiche Szenario haben wir vor vier Jahren schon mal miterlebt. Damals hatte der Landwirt auch Kartoffeln angebaut“, erinnert sich seine Frau, die den Hunden dabei zuschaut, wie sie sich im Schlamm vergnügen. Ein Rundgang über das Grundstück ist nur mit Gummistiefeln möglich: Braune Brühe im Fischteich, Sandsäcke vorm Wintergarten und Schlamm auf Wegen und Rasen lassen nur erahnen, was sich hier am Donnerstag gegen 8.30 Uhr abgespielt haben muss.

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Die unwetterartigen Niederschläge haben am Donnerstag auch im Altenburger Land ihre Spuren hinterlassen. Mit den Auswirkungen des Starkregens hatten die Menschen in Klausa, Zschernichen, Busche und Boderitz zu kämpfen. Am schlimmsten betroffen waren Teil von Klause und ganz Zschernichen.

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In der Straße Am Leinawald sind weitere acht Grundstücke von der Schlammlawine verwüstet worden, so auch das von Ulf Dirsch. Hier pumpt die Nobitzer Feuerwehr gerade den Keller leer. „Wir saßen beim Frühstück, als es losging. Doch gegen den Schlamm, der sich über die ganze Breite des Grundstücks ergoss, kann man nichts tun“, so Dirsch, der solche Starkregenereignisse schon mehrfach miterlebt hatte. „So schlimm wie diesmal war es aber noch wie“, meint er. „Um uns künftig vor solchen Wetterunbilden besser zu schützen, muss etwas getan werden“, fordert der ehemalige Bauamtsleiter der Gemeinde Nobitz von Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD). Der war den ganzen Vormittag vor Ort und informiert sich über die entstandenen Schäden.

Mit der Schlammlawine zu kämpfen hatte auch der Seniorenwohnpark Klausa. Dort stand der braue Dreck gut 20 Zentimeter hoch im Außenbereich. Drinnen waren der Eingangsbereich des Foyers und Teile des Speisesaals betroffen. Bis zum Mittag waren die Spuren des Unwetters beseitigt. Die Kameraden mehrerer Feuerwehren und Mitarbeiter des Hauses haben hier ganze Arbeit geleistet. „Für unsere 104 Bewohner und 15 Tagesgäste bestand keine Gefahr“, betont Antje Wegner, stellvertretende Leiterin der Einrichtung.

Waren es in Klausa nur einige Grundstück, die die Folgen Starkregens zu spüren bekamen, ergoss sich die Schlammlawine in Zschernichen, einem Ortsteil von Langenleuba-Niederhain, über die Straße im ganzen Dorf. Und das in einer regelrechnen Flutwelle, die gut einen halben Meter hoch war. Auch hier waren die Menschen beim Frühstück von der Katastrophe überrascht worden. „Wir konnten unsere Haustür erst gar nicht öffnen und mussten warten, bis es aufhörte zu regnen“, schildert Peter Reinhardt, der barfuß knöcheltief im Schlamm steht, die Situation am Morgen. Seine Frau Heide ist damit beschäftigt, den Vorraum des Wohnhauses vom Schlamm zu befreien. „Zum Glück sind die Wohnräume verschont geblieben. Lediglich der Außenbereich ist betroffen. Das Schlimmste ist der Schlamm, der wird fest wie Beton. Das Wasser läuft weg“, so ihr Mann.

„Die Dreckbrühe kam wie ein reißender Fluss die Straße runter“, beschreibt Egon Sterl das Szenario. „Ich lebe seit 63 Jahren hier. Führer war dort, wo heute die Felder sind, Wiese. Da sind wir nie abgesoffen. Doch in den letzten Jahren ist das öfter passiert“, sagt er. Weil er sich wie viele andere, die an der Straße wohnen inzwischen mit Mauern und Toren gegen die Schlammmassen geschützt hat, hält sich der Schaden in Grenzen. Dennoch muss er wie Familie Köhn nebenan mit Schaufel, Besen und Hochdruckreiniger den Dreck von seinem Grundstück schaffen.

Auf der Straße ist schwere Technik im Einsatz, mit der Schlamm abtransportiert und weggekehrt wird. Die Agrar T&P GmbH aus Mockzig war wie andere Unternehmen gleich mit mehreren Fahrzeugen zu Hilfe gekommen. Und die war auch nötig, denn auch in Lohma stand im Bereich der Bushaltestelle der Schlamm 30 Zentimeter hoch. Hier waren auch die beiden Landwirte, von deren Feldern der Schlamm in die Dörfer gelaufen war, im Einsatz, um zu helfen. Für die meisten der Betroffenen in Klausa und Zschernichen sind an der Verwüstung die Bauern schuld.

Einer der beide erklärte auf Nachfrage, dass man nach der Schlammlawine vor vier Jahren durchaus einiges getan habe. Es seien Bäume und Sträucher angepflanzt worden, die aber noch nicht groß genug sind, um die Wucht der Schlammmassen abzufangen. Außerdem werde versucht, durch gezielte Aussaat zu verhindern, dass das Wasser ungebremst über das Feld rauscht. Doch dass dies nicht ausreicht, das haben gestern die Bewohner mit ganzer Wucht zu spüren bekommen.

Von Marlies Neumann

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