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Kleine Nachtmusik als Rocktitel - Der Pianist und Entertainer Felix Reuter vergreift sich am heiligen Kulturgut

Kleine Nachtmusik als Rocktitel - Der Pianist und Entertainer Felix Reuter vergreift sich am heiligen Kulturgut

Felix Reuter ist Wiederholungstäter beim Altenburger Musikfestival. Nachdem er vor einem Jahr in der proppenvollen Meuselwitzer Orangerie für Begeisterung sorgte, hatte er dieses Mal den Festsaal des Altenburger Schlosses für sich.

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Ihm zuzuhören, macht einfach Spaß - Felix Reuter im Festsaal des Altenburger Schlosses.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Von Manfred Hainich

Die Vita in Kurzfassung: Geboren in Thüringen, Ausbildung am Klavier ab sechs Jahren, Studium an der Musikhochschule Weimar ab 1988, ausgezeichneter Pianist und Entertainer, Hauptcharaktereigenschaft: ungehemmte Respektlosigkeit. Diese nun treibt ihn so weit, sich an dem heiligen Kulturgut Musik und deren Machern, sprich Komponisten, zu vergreifen und infrage zu stellen, was uns in Konzertsälen, vor den Radios und CD-Boxen ein Leben lang in Stimmung, in Freude oder gar in Ekstase versetzt hat.

Und das macht er nicht still und heimlich am heimischen Klavier. Nein, ihn treibt es in die Öffentlichkeit, um möglichst viele Menschen mit seinen musikalischen Unarten zu erschrecken - und Gott sei Dank auch zu erfreuen. So trieb es ihn und seine "gedungenen Helfershelfer" vom Orchester Franz L. am Freitagabend in den Festsaal des Residenzschlosses, um zu erleben, wie das Altenburger Publikum die eigentlich wenig positiv besetzte Respektlosigkeit mit wahrer Begeisterung adelt.

Denn was er da treibt, ist ein musikalisches Gaudi eines exzellenten Pianisten und Musikkenners in Einheit mit einem geistreichen Plauderer und Darsteller. Was er da macht, ist eigentlich ganz einfach: Er spielt mit den Musiken, hinterfragt sie, zeigt ganz banale und zuweilen skurrile Möglichkeiten auf, wie sie entstanden sein könnten, will beweisen, dass manche Komposition nicht einem genialen Einfall seines Schöpfers entsprungen ist, sondern einfachen geistigen Diebstahl darstellt oder einem alltäglichen Zufall zu verdanken ist. Wenn man Felix Reuter folgt, müsste die ganze Musikgeschichte umgeschrieben werden. Das, was er betreibt, ist ein Spiel mit Möglichkeiten, wissenschaftlich nicht bewiesen - aber es macht Spaß, ungebremsten Spaß.

Der erste Teil der Veranstaltung beruht auf seinem Soloprogramm ohne Orchester. Dieses erhielt da auch nur wenige Kurzauftritte und war eher Staffage auf der Bühne. Hier nun zeigt der Meister seine eigenen Versionen klassischer Werke. Wie nach einer durchzechten Nacht die "Kleine Nachtmusik" entstand, wie Mozart sie heute als Rocktitel geschrieben hätte, wie Stücke aus Bachs "Kleinem Notenbüchlein" heute vom Orchester Andre Rieu als Walzer interpretiert würden, wie Teile aus Bachs berühmter Toccata und Fuge in Udo Jürgens "Ich war noch niemals in New York" wieder auftauchen, wie Beethovens Mondscheinsonate von Richard Clayderman interpretiert würde und wie Beethovens vier Schicksalsschläge zu Beginn seiner 5. Sinfonie rückwärts gespielt zum Firmensignal der Deutschen Telekom werden.

Im zweiten Teil kommt das Orchester stärker zu seinem Recht. Da werden große Orchesterstücke bearbeitet. So Tschaikowskis berühmtes 1. Klavierkonzert, das automatisch mit Gershwins Rhapsodie in Blue verwoben wird - genial gemacht - und wie "Alle meine Entchen" auf den Wellen von Smetanas Moldau schwimmen und wie Liszts Liebestraum als Vorlage für Frank Sinatras "My way" diente. Da ist das Orchester voll auf der musikalischen Höhe seines Taktgebers.

Felix Reuter bleibt auch ein Phänomen in seinen Zugaben. Da beweist er, dass der Abba-Hit "Money, Money" im Rhythmus nur auf dem ganz einfachen Doppelton a-a beruht. Da gibt er eine gekonnte Parodie auf den Jazzmusiker Ray Charles und beendet den Abend mit einer eigenen Komposition "Hoffnung". Da war er ganz nur Musiker, ohne Hintergründigkeit und Parodierfreude. Ein bemerkenswerter Abend und ein erneutes außergewöhnliches Ereignis im Programm des diesjährigen Musikfestivals.

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