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Altenburg Kleines Tegkwitz ganz groß: Ein Wohndorf wird 875 Jahre
Region Altenburg Kleines Tegkwitz ganz groß: Ein Wohndorf wird 875 Jahre
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00:18 11.07.2018
Im Laufe der Jahre hat sich Tegkwitz mehr und mehr zum Wohndorf entwickelt, weshalb es nur wenige Höfe gibt.
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Tegkwitz

Regelmäßig sitzen Annett Lange, Rainer Heimer und die Mitglieder des Feuerwehrvereins von Tegkwitz zusammen. Dann planen sie Feste, reden über das Neueste im Dorf, die Geschichte des 252-Seelen-Ortes oder genießen einfach nur das Beisammensein. „Das ist ja das Schöne am Dorfleben, zumindest bei uns in Tegkwitz. Hier geht es sehr familiär zu, jeder kennt jeden und jeder hilft jedem“, macht Annett Lange eine Liebeserklärung an ihren Heimatort, der vor 875 Jahren zum ersten Mal Erwähnung fand. Das sei natürlich ein guter Grund, diesmal dass Dorffest etwas größer ausfallen zu lassen, findet Starkenbergs Bürgermeister Wolfram Schlegel (Die Regionalen), der natürlich auch die 875-Jahr-Feier unterstützt und dem Organisationskomitee des Festes angehört, das am kommenden Wochenende steigt.

Ersterwähnung anno 1143

Anno 1143 wird der Ort Tecuiz erstmals in Unterlagen erwähnt. Und zwar in einer Urkunde von Bischof Berthold II. von Naumburg, die die Bezüge von Zeitz bekundet. Darin wird unter den Zeugen des Aktes ein „Erkenbertus de Tecwitz“ aufgeführt. Damals im Mittelalter war das Bistum Naumburg-Zeitz ein wichtiges Machtzentrum, vom dem aus die Bischöfe unter anderem die Christianisierung der Slawen vorantrieben. Die alte Schreibweise in den hochmittelalterlichen Quellen legt einen slawischen Ursprung der Siedlung nahe. „Aber viel ist leider über diese Jahrhunderte nicht bekannt“, sagt Schlegel.

Nichtsdestotrotz hat der Ort eine interessante Geschichte. So ist überliefert, dass zur Zeit der Reformation der damals in Tegkwitz tätige Pfarrer Bartholomäus Ratzsch die erste evangelische Taufe im Altenburger Land vorgenommen habe. Seinerzeit und noch etliche Generationen später war das Leben im Dorf Tegkwitz von der Landwirtschaft geprägt. Doch anders als in der Mehrzahl der Dörfer im Altenburger Land, gibt es heute in Tegkwitz so gut wie keine Vierseithöfe. „Auf Luftaufnahmen ist das deutlich zu sehen“, sagt Schlegel, der sich in Vorbereitung der anstehenden Feier mit der jüngeren Geschichte befasste. Tegkwitz habe sich mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert immer mehr zum Wohndorf entwickelt. Und daran habe sich bis heute nichts verändert, ergänzt Rainer Heimer.

Viele Bergleute zu DDR-Zeiten

Zu DDR-Zeiten, weiß der Kassenwart des Feuerwehrvereins noch, seien viele Tegkwitzer Bergleute gewesen, die entweder bei der Wismut oder in der Braunkohle gearbeitet haben. „Und schauen Sie da drüben, die Esse, das ist die ehemalige Ziegelei“, weist Heimer in Richtung Baumkronen. Die Fabrik wurde 1937 gegründet und 1991 geschlossen. Im Schatten vorm ehemaligen Gemeindeamt schwelgen Lange, Heimer und Schlegel in Erinnerungen und denken an die Zeit vor der Wende zurück. Zu DDR-Zeiten habe es Einkaufsmöglichkeiten und eine Kneipe im Ort geben, doch das wirklich Besondere sei das Freibad gewesen, welches bereits in den 1960er Jahren wieder geschlossen wurde. „Aber es leben noch Leute im Dorf, die als Kinder dort baden waren“, weiß Heimer.

Heute dagegen seien die durchs Dorf fahrenden Wagen von Bäckern und Fleischern die einzige Möglichkeit, im Dorf etwas einzukaufen. „Das ist auch Dorfleben, das muss man schon mögen“, meint Annett Lange lächelnd. Offensichtlich ist sie nicht die einzige, die dem etwas abgewinnen kann. „Und unser Dorf verjüngt sich. Als ich 1990 hierher gezogen bin, gab es mehr ältere Leute als heute“, sagt Lange. So seien zum Beispiel in den vergangenen Jahren gut ein halbes Dutzend Häuser von jungen Familien neu- oder ausgebaut worden. Die Verjüngung würde sich auch in der Belegung des Kindergartens widerspiegeln, betont der Bürgermeister. 2009 fusionierte Starkenberg mit Tegkwitz, zu dem seit Jahrzehnten Kreutzen (8 Einwohner), Misselwitz (14 Einwohner) und Breesen (16 Einwohner) gehören.

Am Internet mangelt’s noch

„Seitdem ist das meiste Geld, was die Gemeinde für Straßenbau ausgegeben hat, nach Tegkwitz geflossen“, stellt Schlegel klar. Eitel Sonnenschein herrscht dennoch nicht bei diesem Thema. Die Gartenstraße beziehungsweise deren Zustand birgt nach wie vor Potenziale für Spannungen (die OVZ berichtete), was auch gleich zwischen Wolfram Schlegel und Rainer Heimer deutlich wird. Wohl im Zuge des Breitbandausbaus werde die Fahrbahn gemacht, sagt der Bürgermeister, was Heimer aber erst glauben mag, wenn die Arbeiter da sind. Überhaupt, das sei ein weiteres Manko im heutigen Tegkwitz: Das Internet funktioniere hier mehr schlecht als recht. Und schon sind Bürger und Bürgermeister wieder einer Meinung, die Versorgung mit schnellem Internet sei ein wichtiger Standortfaktor für die Zukunft des Ortes.

Große Feier vom 12. bis 15. Juli

Kaum weniger wichtig sei das gesellschaftliche Leben und das gemeinsame Feiern, findet Lange. „Deswegen ist uns das so wichtig“, sagt die Chefin des Feuerwehrvereins, der die ehemalige Kneipe unter seinen Fittichen hat und das Maibaumsetzen, das Dorffest und einiges mehr auf Beine stellt. „Wegen des Jubiläums feiern wir aber dieses Jahr mehrere Tage“, kündigt Lange an. Los geht es am 12. Juli mit einem Festakt für geladene Gäste. Am Freitag gibt es Fackelumzug und Skatturnier. Der Sonnabend beginnt 10 Uhr mit einem Festgottesdienst. Gegen 13 Uhr wird beim Fußballturnier der Sieger gesucht. Ab 14 Uhr duftet es nach Kaffee und Kuchen, später treten die Starkenberger Funken auf. Für 16 Uhr sind eine Modenschau und ein Platzkonzert der Löbichauer Schalmeien geplant. Am Abend spielt die Band Hit-Express, Abschluss ist am Sonntag, 10 Uhr, Frühschoppen und Schleppertreffen.

Von Jörg Reuter

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