Volltextsuche über das Angebot:

-4 ° / -10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Kleingärtner gehen Leerstand im Altenburger Land an den Kragen

Gezielter Abriss Kleingärtner gehen Leerstand im Altenburger Land an den Kragen

Die Kleingärtner im Altenburger Land rücken dem Leerstand zu Leibe. Wie ihr Chef Wolfgang Preuß zur jüngsten Mitgliederversammlung sagte, wolle man sich gesund schrumpfen. Das durch gezielte Schließung von Anlagen und Abriss frei werdende Land soll nach einer Vereinbarung mit der Stadt Altenburg Baugrund für Eigenheime werden.

Die Kleingärtner im Altenburger Land wollen unter ihrem Chef Wolfgang Preuß (4. von rechts) dem Leerstand zu Leibe rücken.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Ein durch die Bürokratie kreiertes Wort sorgt derzeit bei Altenburgs Kleingärtnern für Unruhe. „Leerparzellenmanagement“ heißt es und umschreibt eigentlich nur eines: Den Abriss von überflüssigen und nicht mehr benötigten Kleingärten bis hin zur Auflösung von ganzen Sparten. Doch das Wort beinhaltet auch den Teil „Management“, was heißen soll, dass dieser für manchen sehr schmerzhafte Prozess abgemildert und in geordneten Bahnen erfolgen soll.

Der Chef des Regionalverbandes der hiesigen Kleingärtner, Wolfgang Preuß, stellte auf der Jahresvollversammlung jüngst die Details dieses mit der Stadt Altenburg erarbeiteten Programmes vor. „Nach wie vor haben wir vor allem in der Stadt Altenburg historisch bedingt ein massives Überangebot an Kleingärten“, stellte er zum wiederholten Male klar. Derzeit gehören dem Regionalverband allein in der Skatstadt 52 Anlagen an. Weitere, die nicht Mitglied sind, kommen noch hinzu.

„Alles in allem gibt es derzeit in Altenburg durchschnittlich 38 Quadratmeter Kleingartenland pro Geschoss Wohnungsbau. Bundesweit sind 17,5 Quadratmeter der übliche Schnitt“, rechnete der Verbandschef vor. Mittlerweile zeige sich dies auch in den leer stehenden Parzellen. „Das sind aktuell rund 400 oder zwölf Prozent. Diese Zahl ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen“, so Preuß weiter.

Oftmals aber liegen diese mehr und mehr ungenutzten Gärten auf wertvollem Bauland, nach dem die Kommune händeringend sucht, um bauwillige neue Bewohner, speziell Familien, hierher zu locken. „Da haben wir als Kleingärtner auch eine Pflicht an der Allgemeinheit, solchen Boden freizugeben“, erklärte Preuß.

In diesem Jahr zwischen Juli und September wurden insgesamt 41 Sparten in Augenschein genommen und unter anderem genau die Eckdaten bezüglich der Gesamtbelegung und dem Alter der noch aktiven Pächter erhoben. Darunter waren allein 38 Anlagen in der Skatstadt. Ebenfalls auf dem Prüfstand waren weitere Parameter in jeder Sparte, beispielsweise die eventuelle Lage in Hochwassergebieten oder infrastrukturelle Anbindung. „Aus den gesammelten Daten lässt sich nun genau analysieren, wie es um einzelne Sparten bestellt ist und ob dort Teile aufgegeben werden können“, so Preuß. Oder gar die gesamte Sparte keine Zukunft hat, wie beispielsweise die Anlagen Kraschwitz und Zschechwitz II, die zum Jahresende ganz aufgelöst werden.

Der Schrumpfungsprozess soll dann in geordneten Bahnen laufen. „Wo in Sparten ganz Bereiche schon leer stehen und nur noch vereinzelt Kleingärten verpachtet sind, sollten die in dem Fall, in dem sich der Pächter auch zurückzieht, nicht mehr neu vergeben werden, um die Fläche dann komplett einer anderen Nutzung durch die Stadt zuzuführen“, sagte Preuß. „Beispielsweise als Bauland.“ Ausgenommen seien da auch jene Anlagen nicht, die zwar eine Zukunft haben, aber die Leerstand in gewissen Bereichen plagt. Auch die könnten sich „gesund schrumpfen“, so der Chef .

Parallel zu den Spartenbegehungen erfolgte eine genaue Neuvermessung der Grundrisse per GPS. Dabei kam heraus, dass in etlichen Sparten für gepachtete Flächen, die beispielsweise öffentlich als Wege genutzt werden, keine Pacht entrichtet wurde. „Das ändert sich jetzt. Für rund fünf Hektar Grund wird nun zusätzlich Pacht erhoben“, so der Verbandschef. Die erzielten Mehreinnahmen, knappe 6000 Euro pro Jahr, fließen aber mit in den Topf, aus dem das schon seit etlichen Jahren gespeiste Förderprogramm von Stadt und Verband finanziert wird, mit dem zukunftsträchtige Sparten attraktiver gemacht werden sollen. Und neuerdings soll mit dem Geld auch ein geordneter Abriss von nicht mehr gebrauchten Gärten mitfinanziert werden.

„Aber nur in Anlagen, in denen man sich auch bei Kündigungen an den gesetzlich üblichen Weg hält, bei dem der letzte Besitzer eben in der Pflicht ist, den Rückbau zu erledigen“, so Preuß. Bis zu 90 Prozent Förderung sind im Falle der Bedürftigkeit aus diesem Fonds möglich. Und Preuß geht noch weiter: Mit der Thüringer Landesregierung stehen im Dezember Gespräche an, um Parzellenabrisse auch in das Bundesprogramm „Städteumbau Ost“ zu bekommen. „Altenburg wäre dann thüringen- und bundesweit wieder Pilotprojekt“. Zudem machte er keinen Hehl daraus, dass es sein Idealziel ist, „wenn es wie früher für freie Kleingärten wieder Wartelisten gibt. Derzeit ist angesichts des inflationären Überangebots eher das Gegenteil Realität“.

Von Jörg Wolf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
Außenansicht der Agneskirche
Ein Spaziergang durch die Region Altenburg
  • VDE 8 - Alle Infos und Fakten

    Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8: Hier gibt es Infos, Hintergründe und Fotos zum Thema. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2018
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 14. LVZ-Fahrradfest lädt am 29. April 2018 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Alle Infos zum Event finden Sie in unserem Sp... mehr