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Altenburg Kleingärtner gehen Leerstand im Altenburger Land an den Kragen
Region Altenburg Kleingärtner gehen Leerstand im Altenburger Land an den Kragen
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00:21 19.10.2017
Die Kleingärtner im Altenburger Land wollen unter ihrem Chef Wolfgang Preuß (4. von rechts) dem Leerstand zu Leibe rücken. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Ein durch die Bürokratie kreiertes Wort sorgt derzeit bei Altenburgs Kleingärtnern für Unruhe. „Leerparzellenmanagement“ heißt es und umschreibt eigentlich nur eines: Den Abriss von überflüssigen und nicht mehr benötigten Kleingärten bis hin zur Auflösung von ganzen Sparten. Doch das Wort beinhaltet auch den Teil „Management“, was heißen soll, dass dieser für manchen sehr schmerzhafte Prozess abgemildert und in geordneten Bahnen erfolgen soll.

Der Chef des Regionalverbandes der hiesigen Kleingärtner, Wolfgang Preuß, stellte auf der Jahresvollversammlung jüngst die Details dieses mit der Stadt Altenburg erarbeiteten Programmes vor. „Nach wie vor haben wir vor allem in der Stadt Altenburg historisch bedingt ein massives Überangebot an Kleingärten“, stellte er zum wiederholten Male klar. Derzeit gehören dem Regionalverband allein in der Skatstadt 52 Anlagen an. Weitere, die nicht Mitglied sind, kommen noch hinzu.

„Alles in allem gibt es derzeit in Altenburg durchschnittlich 38 Quadratmeter Kleingartenland pro Geschoss Wohnungsbau. Bundesweit sind 17,5 Quadratmeter der übliche Schnitt“, rechnete der Verbandschef vor. Mittlerweile zeige sich dies auch in den leer stehenden Parzellen. „Das sind aktuell rund 400 oder zwölf Prozent. Diese Zahl ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen“, so Preuß weiter.

Oftmals aber liegen diese mehr und mehr ungenutzten Gärten auf wertvollem Bauland, nach dem die Kommune händeringend sucht, um bauwillige neue Bewohner, speziell Familien, hierher zu locken. „Da haben wir als Kleingärtner auch eine Pflicht an der Allgemeinheit, solchen Boden freizugeben“, erklärte Preuß.

In diesem Jahr zwischen Juli und September wurden insgesamt 41 Sparten in Augenschein genommen und unter anderem genau die Eckdaten bezüglich der Gesamtbelegung und dem Alter der noch aktiven Pächter erhoben. Darunter waren allein 38 Anlagen in der Skatstadt. Ebenfalls auf dem Prüfstand waren weitere Parameter in jeder Sparte, beispielsweise die eventuelle Lage in Hochwassergebieten oder infrastrukturelle Anbindung. „Aus den gesammelten Daten lässt sich nun genau analysieren, wie es um einzelne Sparten bestellt ist und ob dort Teile aufgegeben werden können“, so Preuß. Oder gar die gesamte Sparte keine Zukunft hat, wie beispielsweise die Anlagen Kraschwitz und Zschechwitz II, die zum Jahresende ganz aufgelöst werden.

Der Schrumpfungsprozess soll dann in geordneten Bahnen laufen. „Wo in Sparten ganz Bereiche schon leer stehen und nur noch vereinzelt Kleingärten verpachtet sind, sollten die in dem Fall, in dem sich der Pächter auch zurückzieht, nicht mehr neu vergeben werden, um die Fläche dann komplett einer anderen Nutzung durch die Stadt zuzuführen“, sagte Preuß. „Beispielsweise als Bauland.“ Ausgenommen seien da auch jene Anlagen nicht, die zwar eine Zukunft haben, aber die Leerstand in gewissen Bereichen plagt. Auch die könnten sich „gesund schrumpfen“, so der Chef .

Parallel zu den Spartenbegehungen erfolgte eine genaue Neuvermessung der Grundrisse per GPS. Dabei kam heraus, dass in etlichen Sparten für gepachtete Flächen, die beispielsweise öffentlich als Wege genutzt werden, keine Pacht entrichtet wurde. „Das ändert sich jetzt. Für rund fünf Hektar Grund wird nun zusätzlich Pacht erhoben“, so der Verbandschef. Die erzielten Mehreinnahmen, knappe 6000 Euro pro Jahr, fließen aber mit in den Topf, aus dem das schon seit etlichen Jahren gespeiste Förderprogramm von Stadt und Verband finanziert wird, mit dem zukunftsträchtige Sparten attraktiver gemacht werden sollen. Und neuerdings soll mit dem Geld auch ein geordneter Abriss von nicht mehr gebrauchten Gärten mitfinanziert werden.

„Aber nur in Anlagen, in denen man sich auch bei Kündigungen an den gesetzlich üblichen Weg hält, bei dem der letzte Besitzer eben in der Pflicht ist, den Rückbau zu erledigen“, so Preuß. Bis zu 90 Prozent Förderung sind im Falle der Bedürftigkeit aus diesem Fonds möglich. Und Preuß geht noch weiter: Mit der Thüringer Landesregierung stehen im Dezember Gespräche an, um Parzellenabrisse auch in das Bundesprogramm „Städteumbau Ost“ zu bekommen. „Altenburg wäre dann thüringen- und bundesweit wieder Pilotprojekt“. Zudem machte er keinen Hehl daraus, dass es sein Idealziel ist, „wenn es wie früher für freie Kleingärten wieder Wartelisten gibt. Derzeit ist angesichts des inflationären Überangebots eher das Gegenteil Realität“.

Von Jörg Wolf

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