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Kleingärtner wollen Asylbewerber in ihre Anlagen integrieren

Kleingärtner wollen Asylbewerber in ihre Anlagen integrieren

Die Kleingärtner wollen sich für eine bessere Integration von Asylbewerbern stark machen. Auf der Jahreshauptversammlung des Regionalverbandes Altenburger Land der Kleingärtner beauftragten am Sonnabend die Spartenchefs und Vorstände den Verbandschef Wolfgang Preuß, mit der zuständigen Ausländerbehörde des Landratsamtes Gespräche aufzunehmen, ob und wie man interessierten Flüchtlingen leer stehende Parzellen zur Bewirtschaftung übertragen kann.

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Die Kleingärtner finden jetzt nach der Winterpause wieder genügend Arbeit in ihrem Refugium. Wie hier in der Anlage Bauhof II in Altenburg werden die Beete aufgehackt. Dieter Hennig hat hier seit 1988 sein kleines Idyll.

Quelle: Mario Jahn

"Wir erleben derzeit einen nie dagewesenen Flüchtlingsstrom. Menschen, die vor Krieg und Verfolgung aus ihrer Heimat geflohen sind, suchen auch im Altenburger Land Sicherheit", erklärte er. Die Kleingärtner könnten an dieser Stelle ein wertvolles Zeichen eines multikulturellen Miteinanders setzen, "anstatt auf der Straße zu trampeln und gegen diese Menschen zu protestieren", appellierte er. Man sei ja nicht nur Kleingärtner, sondern auch Bürger der Kommune und des Kreises und wolle sich aktiv ins gesellschaftliche Leben einbringen. "Gemeinsam Gärtnern", nannte Preuß diese Vision, die seit Sonnabend per bemerkenswert eindeutigem Beschluss - von 53 Anwesenden stimmten nur vier dagegen - Realität werden könnte.

 

Damit würde der hiesige Regionalverband wieder landesweit eine Vorreiterrolle einnehmen. "Andere Verbände haben schon reges Interesse bekundet."

 

Keineswegs wären die Kleingärtner nur die Geber, sondern könnten auch Nutznießer sein. Denn leer stehende Parzellen, für die die anderen Pächter Kosten und Pflege allein schultern müssen, belasten mittlerweile fast jede Anlage. "Wir können die entweder verwildern lassen, oder wieder einer Nutzung übertragen. Und neue Anregungen bringen diese neuen Nutzer garantiert auch mit, was für uns ein Glücksfall wäre."

 

Matthias Busch, Chef der Anlage "Weißer Berg" in Altenburg, kann dies nur bestätigen: "Von unseren 75 Gärten stehen vor allem auf Grund des demografischen Wandels 15 leer, was 20 Prozent entspricht. Nutzer mit Migrationshintergrund hatten wir schon einige und damit gute Erfahrungen gemacht", berichtete er. Noch am Sonnabend sollte auf der eigenen Mitgliederversammlung über die Aufnahme einer syrischen Familie beschlossen werden.

 

Doch selbst mit diesem bemerkenswerten Vorstoß dürften die Leerstände im überreichlich mit Kleingärten gesegneten Kreis weiter steigen. Was angesichts eines prognostizierten Bevölkerungsschwundes im Landkreis von einst 138 000 Einwohnern auf 72 000 oder in der Kreisstadt von einst über 50 000 auf unter 30 000 kein Wunder ist. "Deshalb werden wir unser Leerstandsmanagement weiterführen und Anlagen ohne Überlebenschance gezielt räumen und zurückbauen, wie schon 2014 in drei Fällen geschehen", so Preuß.

 

Auch dafür plant der Regionalverband, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, einen Vorstoß. Denn bislang greifen für die Finanzierung von Gartensparten keinerlei Förderprogramme. "Wir stehen derzeit in Gesprächen mit dem Thüringer Ministerium für Landwirtschaft und Infrastruktur, damit solche Abrisse Aufnahme ins Stadtumbauprogramm Ost finden. Und dem steht man in Erfurt mit Ministerin Birgit Keller an der Spitze sehr aufgeschlossen gegenüber", informierte der Gartenchef. Kommen solche Abrisse in das Programm, dass bislang nur für Wohnraum greift, seien Förderungen von bis zu 80 Prozent für Sparten im städtischen sowie 60 Prozent für solche im ländlichen Raum möglich, deren letztes Stündlein schlägt, weil es für sie keine Nachfrage mehr gibt.

Jörg Wolf

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