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Kleinod in Not: Altenburg will Schloss Poschwitz kaufen

Wiege des Skats Kleinod in Not: Altenburg will Schloss Poschwitz kaufen

Seit Jahren passiert in Schloss Poschwitz nur eines: Verfall. Dabei wurde in dem Altenburger Denkmal anno 1813 das Skatspiel erfunden. Um die Wiege des immateriellen Weltkulturerbes doch noch zu retten, unternimmt Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) einen neuen Anlauf und will das Kleinod kaufen. Und siehe da: Es tut sich was.

Wie OB Michael Wolf sind auch die Mitglieder der Bürgerinitiative Pro Altenburg für den Kauf des Schloss Poschwitz durch die Stadt.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Von weitem wirkt Schloss Poschwitz herrschaftlich und imposant. Aus der Nähe offenbaren sich aber Mängel an dem historischen Denkmal an der Remsaer Straße in Altenburg. Der Putz bröckelt, Nässe hat ihre Spuren im Mauerwerk hinterlassen und einige Fenster sind kaputt und zum Teil nicht gegen Eindringen gesichert sind. Beim Blick ins Innere fallen Schuttberge ins Auge, die nahelegen, dass das Gerücht stimmt und hier Zwischendecken eingestürzt sind. Spuren von einem Einbruch, von dem Nachbarn erzählten, finden sich aber nicht. Nur die Tür zum Versorgungsraum auf der Rückseite steht offen. Kurz: Von der einstigen Pracht des Renaissancebaus, in dem 1813 das Skatspiel erfunden wurde, ist kaum noch etwas übrig.

Doch nun kommt Bewegung in die Sache mit dem seit Jahren verfallenden Kleinod. Denn Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) denkt aufgrund der Bedeutung des Schlosses als Wiege des Skats und damit als Ursprung immateriellen Weltkulturerbes laut über den Erwerb der früheren Wasserburg nach. „Unter gewissen Umständen schließe ich einen Kauf nicht aus“, sagte der Rathauschef auf Nachfrage. „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, werde ich mich darum bemühen.“ Angesichts des enormen Sanierungsaufwands meint er konkret damit, dass der Preis für das Schloss letztlich nur ein symbolischer sein kann. „Ich prüfe derzeit die Bereitschaft des Eigentümers zum Verkauf.“

Zu einem persönlichen Gespräch zwischen OB und Besitzer kam es nach OVZ-Informationen aber noch nicht. Denn der Eigentümer lebt in Baden-Württemberg. Allerdings soll er bereits signalisiert haben, dass man bei seiner nächsten Stippvisite in Altenburg gern reden könne. Dem Vernehmen nach schließt auch er einen Verkauf nicht aus. Der Zeithorizont, in dem das Ganze passieren soll, ist aber völlig offen.

Doch so gut sich das anhört, so viel Vorsicht ist geboten. Schließlich fiel der Eigentümer bisher eher weniger durch Zuverlässigkeit auf. Seitdem er das Schloss 2001 ersteigerte, hat er nur sehr wenig daran machen lassen. Und selbst auf Kontaktversuche durch die Denkmalbehörde reagierte er eher selten – und wenn, dann stark zeitverzögert. So kam es 2013 zu einer Ersatzvornahme durch die Stadt, in der man vor allem das Dach notsichern ließ und Dachrinnen sowie Fallrohre wieder fit machte. Die Kosten dafür hat der Eigentümer inzwischen zwar beglichen, aber die letzte Rate liegt noch nicht sehr lange zurück.

Darüber hinaus ist der Besitzer laut Wolf äußerst klagefreudig, ficht nahezu jeden Bescheid der Stadt an – sogar über Grundsteuern. „Dieser Zustand ist jedoch äußerst unbefriedigend“, sagt der OB und begründet auch damit seinen Gesprächsbedarf. So bot die Denkmalbehörde dem Eigentümer unlängst an, Landesgeld für ein Zustandsgutachten zur Verfügung zu stellen. Er lehnte ab, hätte das Geld nur genommen, wenn er damit einen Gutachter seiner Wahl hätte beauftragen dürfen. Daraufhin trat die Denkmalbehörde von ihrem Angebot zurück.

Dennoch bekommt Wolf Rückendeckung für seine Kaufabsicht. Und zwar aus dem Bauausschuss und von Pro Altenburg. „Es ist ein wichtiges Gebäude für Altenburg, weil es der Geburtsort des Skats ist“, sagt Ausschuss- und Pro-Altenburg-Vorsitzender Peter Müller. Man wisse um die Probleme zwischen Stadt und Eigentümer, biete Vermittlerdienste an. „Es braucht den guten Willen des Eigentümers.“ Zudem appelliert er an dessen Vernunft: „Mit privatem Geld ist eine Sanierung nicht machbar.“ Das gehe nur mit riesigen Fördersummen.

Das sieht Michael Wolf ähnlich: „Ich freue mich, dass es eine Schnittmenge mit dem Bauausschuss- und Pro-Altenburg-Chef gibt.“

Entstanden ist Schloss Poschwitz um 1260 als Wasserburg. Erster urkundlich erwähnter Besitzer war Otto von Poschwitz zwischen 1264 und 1274. Bereits knapp 120 Jahre später kam die Burg in den Besitz von Albrecht I. von der Gabelentz. Die Adelsfamilie behielt das Rittergut bis 1945. Unter Friedrich von der Gabelentz entstand 1580 das heutige Schloss im Renaissancestil, nachdem die Wasserburg Anfang des Jahrhunderts abgebrannt war.

Laut Jürgen Fröhlich von der Denkmalbehörde der Stadt Altenburg wurde das Schloss um 1830 saniert und anschließend mit einem neogotischen Anbau versehen. Zuvor wurde hier in einer Gelehrtenrunde um den damaligen Schlossherren Hans Carl Leopold von der Gabelentz 1813 das Skatspiel erfunden. Ab etwa 1870 spielte Komponist Franz Liszt mehrfach Konzerte auf dem Schloss.

„Seit den 1930er-Jahren gilt es als Kulturdenkmal“, erklärt Fachmann Fröhlich. 1954 sei es erstmals in der Denkmalliste der Stadt erwähnt worden. Der neogotische Turmaufsatz des Schlosses wurde 1961 allerdings wegen Baufälligkeit entfernt. Zu Beginn der 1970er-Jahre wurden ein Stall und die Torfahrt des Wirtschaftshofes abgerissen. 1988/89 folgte die Scheune. Von 1971 bis 1991 befanden sich im Schloss zudem Wohnungen und der Sitz des VEB Gartenbaubetrieb Poschwitz.

Nach der Wende war das Anwesen, zu dem auch ein 5000 Quadratmeter großer Park samt Teich gehört, verkauft worden. 2001 kam es bei einer Auktion in den Besitz des jetzigen Eigentümers, eines Unternehmers aus Baden-Württemberg. Seither verfiel das Denkmal zusehends.

Von Thomas Haegeler

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