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Klingt nach Urlaub, war aber keiner

Klingt nach Urlaub, war aber keiner

Vom 9. bis 19. September hielt sich das Schauspielensemble des Altenburg-Geraer Theaters nahe der türkischen Westküste bei Ephesos auf. Das klingt nach Urlaub - doch den Beteiligten stecken im Wortsinn neun Tage intensiver Arbeit in den Knochen.

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Ulrich Sinn und Bernhard Stengele (r.) diskutieren im römischen Theater von Troja mit den Schauspielern und den mitgereisten Förderern über Homer und Troja.

Quelle: Friederike Sinn

Altenburg/Ephesos. Und das aus einem besonderen Grund: Im nächsten Jahr sollen "Die Frauen von Troja" auf die ostthüringische Bühne kommen, als Gemeinschaftsprojekt zwischen deutschen, türkischen und griechischen Darstellern.

 

 

 

Sich auf ganz besondere Weise darauf vorzubereiten, war der Grund des zehntägigen Trips. Täglich wurde ein etwa fünfstündiges Programm mit Konzentrations- und Bewegungsübungen absolviert, daran schloss sich nach einer kurzen Mittagspause ein wiederum mehrstündiges musikalisches Training an. Urlaub war das wahrlich nicht! Doch, so mag manch einer fragen: Hätte man dieses Programm nicht ebenso in Thüringen absolvieren können?

 

Die Antwort ist leicht gegeben: Das Projekt "Die Frauen von Troja" ist der gleichnamigen antiken Tragödie des Euripides gewidmet. In diesem 415 v. Chr. verfassten Drama thematisiert Euripides das Leid und die Schrecken des Krieges. Vordergründig lässt er die Handlung in der mythischen Sphäre des Trojanischen Krieges spielen. Doch schrieb Euripides das Stück in einer Zeit, in der sich Griechenland inmitten eines selbstzerfleischenden Bürgerkriegs befand. Wenn er einem der Darsteller den Satz in den Mund legt "Wie dumm sind die Menschen, dass sie immer wieder Kriege führen, obwohl sie wissen, dass jeder Krieg nur Verlierer kennt, denn vom Leid sind Besiegte und Sieger gleichermaßen betroffen." spielt er damit auf die bittere Realität seiner Zeit an.

 

Diese zeitlose Aktualität dauert bis heute an. Das gilt gerade auch für das Gebiet der kleinasiatischen Küste: Vor 90 Jahren, von 1919 bis 1922, brachte ein Krieg zwischen der Türkei und Griechenland für weit über 1,5 Millionen Menschen Tod und Vertreibung. Aus dieser historischen Kenntnis heraus entstand die Idee, das in Troja verortete Antikriegsdrama des Euripides gemeinsam mit türkischen und griechischen Darstellern auf die Bühne zu bringen. Die Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes machte es möglich, dass aus der Idee Realität wurde und die erste Phase des Projekts mit dem Workshop in dem Theater-Forschungszentrum "Tiyatro Medresesi" in dem Dorf Sirince bei Ephesos stattfinden konnte.

 

Als das Altenburg-Geraer Ensemble am Nachmittag des 9. September dort eintraf, waren die sechs türkischen Schauspielerinnen bereits vor Ort. Sie bereiteten den Neuankömmlingen aus Thüringen einen Empfang in mediterraner Herzlichkeit. Wie würde sich aber das erste Zusammentreffen der türkischen und griechischen Darstellerinnen gestalten? Die Animositäten zwischen den beiden Ländern werden auf politischer Ebene noch immer am Köcheln gehalten und bei Bedarf auch erhitzt. Und: Der 9. September ist der Jahrestag der Eroberung der Stadt Izmir durch die Truppen Kemal Atatürks 1922. Doch niemand verschwendete auch nur den geringsten Gedanken daran.

 

Am 10. September begann der Workshop. Wie würde es gelingen, die jungen Menschen, die ihre Schauspielkunst in sehr verschiedenartigen Ausbildungstraditionen erlernt hatten, zu einem Ensemble zusammenzuführen? Eine Grundlage wurde mit dem gemeinsamen Besuch der Antikenstätte von Troja gelegt. Großen Einfluss auf das Zusammenwachsen hatte außerdem das höchste Konzentration abverlangende tägliche Körper- und Bewegungstraining nach der Feldenkrais-Methode. Ein ganz intensiver Impuls für die künstlerische Verschmelzung des Ensembles ging auch von dem gemeinsamen Musizieren und dem von dieser Musik getragenen Tanz aus. Man sang sich wechselseitig heimatliche Lieder vor. Gesungen wurde in der jeweiligen Landessprache der Lieder. So wurde das Lied "Hejo, spann den Wagen" - in deutscher Sprache, aber im mediterranen Takt gesungen - stieg zur Hymne des Workshops auf.

 

Mitgereiste Förderer des Workshops aus Gera, Altenburg und Würzburg konnten die Harmonie und den Enthusiasmus erleben. Wenn das internationale Ensemble am 24. März 2014 in Altenburg zur Probenarbeit eintrifft, wird dieser Geist auch in Thüringen spürbar werden.

Ulrich Sinn

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