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Klinikum Altenburger Land schreibt einem Toten – Witwe aus Meuselwitz empört

Patientenbefragung Klinikum Altenburger Land schreibt einem Toten – Witwe aus Meuselwitz empört

Das Klinikum Altenburger Land hat im Rahmen einer Patientenbefragung einem jüngst im eigenen Haus verstorbenen Mann geschrieben. Die Witwe reagiert darauf empört und fassungslos. Das Krankenhaus räumt den Fehler ein, bedauert ihn, kann sich diesen Fauxpas aber nicht recht erklären.

Das Altenburger Klinikum verließ ein Brief an einen Patienten, der wenige Woche zuvor hier verstorben war.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg/Meuselwitz. Dieser Brief hat Martina Krause* aufgewühlt. Im September verlor die 68-Jährige ihren Mann. Reiner Krause* starb an den Folgen einer Krebserkrankung im Klinikum Altenburger Land. Zwei Monate später, Mitte November, schrieb das Krankenhaus. Aber nicht ihr, sondern ihrem Mann: In einer Patientenbefragung, die von den Geschäftsführern Gundula Werner und Lutz Blase sowie vom ärztlichen Direktor Jörg Berrouschot unterschrieben ist, sollte er mitteilen, wie zufrieden er mit seiner Behandlung und dem Klinikum an sich war. Die Witwe ist fassungslos, hat ohnehin mit dem Verlust zu kämpfen. Hinzu kommt, dass ihr Gatte wenige Tage vor Ankunft des Briefes auch noch Geburtstag gehabt hätte.

„So kann man doch nicht mit Hinterbliebenen umgehen“, sagt die Meuselwitzerin mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung. „Das ist das Allerletzte.“ Diese Meinung machte sie einige Tage später auch der Leiterin des Klinik-Qualitätsmanagements, Sabrina Malitz, telefonisch klar. Darauf habe diese immer nur mit „ja, hm, hm“ geantwortet. Eine Entschuldigung habe es nicht gegeben, nur die Einladung zu einem Gespräch, die Martina Krause jedoch ausschlug, weil sie kein Auto hat und die Fahrt ein großer Aufwand für sie gewesen wäre. „Hätte sich jemand entschuldigt, wäre alles okay gewesen“, sagt die Rentnerin. Sie habe dem Klinikum sogar noch Zeit gegeben zu reagieren. Aber nichts tat sich.

Das Krankenhaus räumt den Sachverhalt ein und sieht ihn als bedauerlichen Einzelfall. „Wir bedauern zutiefst, dass uns dieser Fehler unterlaufen ist“, sagte Sprecherin Christine Helbig auf OVZ-Nachfrage. „Nach jetzigem Wissenstand ist dies der einzige Fall, bei dem ein Patient angeschrieben wurde, der im Auswertungszeitraum im Klinikum verstorben ist.“ Wie es dazu kam, kann aber niemand genau sagen. In diesem Fall sei „die Zusendung der Patientenbefragungsbögen nicht nachvollziehbar und kann nur durch einen Fehler in der Datenbank des Medizincontrollings oder bei der Ziehung der Stichprobe verursacht worden sein“, erklärte Malitz.

Dass sich für den Fehler niemand entschuldigt haben soll, bestreitet das Klinikum aber. Man sei selbst erschrocken gewesen, teilte Helbig mit. „Entsprechend hat Frau Malitz auch reagiert und sich in aller Form entschuldigt.“ Zudem nahm man die OVZ-Anfrage zum Anlass, sich noch einmal schriftlich zu entschuldigen und für Dienstag zu einem neuerlichen Gespräch einzuladen. „Zu spät und nur auf Intervention“, findet Martina Krause, die offen ließ, ob sie erscheint.

Bei der Befragung sind laut Klinikum 1043 Patienten angeschrieben worden, die zwischen 1. September und 31. Oktober im Haus behandelt wurden. „Ausgeschlossen waren Patienten, die erneut ins Klinikum eingewiesen wurden, nicht volljährige Patienten, solche, die weniger als zwei Nächte im Klinikum verbracht hatten und selbstverständlich Patienten, die in dieser Zeit verstorben sind“, so Helbig weiter. In Zusammenarbeit mit der Abteilung Medizincontrolling seien demnach 332 Patienten anhand der Behandlungsdokumentation herausgesucht worden.

Allerdings kam es neben dem Fall Krause noch zu weiteren Briefen an Tote. Jedoch waren diejenigen nicht im Klinikum verstorben, sondern erst nach der Entlassung. Man behandle lebensbedrohlich erkrankte Menschen, erklärte Christine Helbig. „So geschieht es, dass Patienten nach dem Klinikumsaufenthalt versterben und durch zeitliche Überschneidungen nicht rechtzeitig aus der Datei genommen werden können. Diese sehr wenigen Fälle konnten jeweils in persönlichen Telefonaten besprochen werden.“

Dass das Klinikum überhaupt Patienten befragt, habe den Grund, dass dies Hinweise auf eigene Schwächen liefere, wodurch die Qualität verbessert werden kann. „Es können tatsächliche oder empfundene Mängel in unserer Arbeit identifiziert und bewertet werden und, sofern Veränderungsbedarf erkannt wird, solche Veränderungen eingeleitet werden“, sagt Geschäftsführer Lutz Blase. „Nicht alles, was als mangelhaft empfunden wird, ist ein Mangel. Auch ist nicht jeder als Mangel empfundene Umstand änderbar. An vielen Dingen jedoch kann man arbeiten.“

* Namen geändert

Von Thomas Haegeler

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