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Altenburg Körperverletzung und Nötigung – Bewährungsstrafe für Altenburger
Region Altenburg Körperverletzung und Nötigung – Bewährungsstrafe für Altenburger
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00:21 29.10.2017
Wegen Körperverletzung und Nötigung verurteilte das Amtsgericht Altenburg einen 51-Jährigen. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Häusliche Gewalt ist ein präsentes Phänomen im Altenburger Land. Das spiegelt sich sowohl in der Kriminalitätsstatistik als auch in den Erfahrungen der Opferhilfeorganisation Weißer Ring wieder. Sexueller Missbrauch und Gewalt im häuslichen Umfeld stehen ganz oben auf der Liste der Straftaten, mit deren Folgen es die Helfer zu tun haben, heißt es vonseiten des Weißen Ringes. Am Amtsgericht Altenburg erhielt ein Schläger nun die Quittung: Ein Jahr und sieben Monate Haft auf Bewährung.

Die Übergriffe, mit denen sich die Justiz nun beschäftigte, ereigneten sich im Sommer vergangenen Jahres. Mike K. soll seine Frau Doreen am Abend des 24. August geschlagen und gegen ihren Willen ausgezogen haben, außerdem habe er ihr Schlafmittel ins Glas gemischt, so die Anklage. Die Frau wurde demnach derart verletzt, dass sie sich am Folgetag im Krankenhaus behandeln ließ. Ihr Mann holte sie von dort ab – und habe sie dann erneut geschlagen.

Der Angeklagte bestätigte die Gewalt-Vorwürfe weitgehend. Die Ehe sei zu dieser Zeit schon sehr zerrüttet gewesen und die Eheleute lebten bereits räumlich getrennt voneinander, schilderte Mike K. An jenem 24. August wollten sie sich abends zusammensetzen und noch einmal über die Situation reden. Es sei auch geplant gewesen, dass sie bei ihm übernachtet.

Doch es kam Streit auf. Und weil beide schon große Mengen Alkohol konsumiert hatten, eskalierte die Auseinandersetzung schnell. Der 51-Jährige fing an, seine Frau wieder und wieder zu schlagen – ins Gesicht, gegen den Oberarm, in die Seite des Oberkörpers und aufs Genick. „Das hat sich über rund 30 bis 45 Minuten hingezogen“, gab der Altenburger zu. Er habe sie auch immer wieder auf die Couch geschubst, als sie versuchte aufzustehen, sagte Doreen K. aus. Er habe sie geschlagen, während er sie immer wieder fragte, ob sie einen anderen Mann habe, fügte die 38-Jährige hinzu. „Als ich später einen Schluck Wein aus meinem Glas trank, bemerkte ich, dass Schlaftabletten drin waren.“

Ihr Mann behauptete hingegen, es sei sein Glas gewesen, das sie sich aus Versehen gegriffen habe. Er habe sie dann auf die Couch gelegt, damit sie schlafen könne, und ihr dabei unabsichtlich die Kleidung ausgezogen, beteuerte er. Aus dem Munde seiner Frau klang das anders: „Er hat gesagt, ich bin seine Frau, ich habe jetzt mit ihm zu schlafen.“ Sie habe das allerdings abgelehnt, bis der Mann irgendwann von ihr abließ.

Am Tag darauf machte Doreen K. eine Aussage bei der Polizei zu dem Vorfall und fuhr danach ins Krankenhaus. Weil sie sich nicht anders zu helfen wusste, ließ sie sich von ihrem Mann abholen. Und noch während der Fahrt begann der nächste Streit. Doreen K. wollte nicht in Mike K.’s Wohnung zurück, sondern zu einem Bekannten, bei dem sie zu dieser Zeit untergekommen war. Ihr Mann habe gedrohte, ihr die Nase zu brechen, und zum Schluss das Handy weggenommen, schilderte die Frau. „Er wollte es erst zurückgeben, wenn ich zu ihm zurückkomme.“

Und Doreen K. ist zurückgekommen. Schon einige Wochen nach dem Vorfall zogen beide wieder zusammen, da sie ihm die Tat verziehen habe. Vor allem aber ist die Frau auf Mike K.s seine Hilfe angewiesen – aufgrund ihrer Leberkrankheit, die sie im Alltag stark einschränkt. Diese Krankheit und der Fürsorgebedarf waren auch ein Grund, weshalb die gegen K. verhängte Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die Staatsanwältin hatte ein Jahr und neun Monate Haft wegen gefährlicher sowie einfacher Körperverletzung und Nötigung gefordert, da Mike K. nach Meinung der Anklagebehörde keine Empathie empfindet, unverbesserlich ist und sein Handeln seiner Ehefrau gegenüber menschenverachtend sei. Außerdem war er früher schon straffällig geworden, unter anderem wegen Trunkenheit am Steuer. Der Verteidiger des Angeklagten plädierte lediglich für eine Gesamtstrafe von neun Monaten, da sich Mike K. inzwischen zum Positiven geändert habe.

Richter Alexander Reichenbach entschied sich für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten, die unter strengen Auflagen zu fünf Jahren auf Bewährung ausgesetzt wurde. K. soll unter anderem seinen Bewährungshelfer regelmäßig kontaktieren und zu einer Suchtberatung gehen. Außerdem muss er sich für die Opferhilfe engagieren und monatlich 35 Euro ans Frauenhaus zahlen.

Von Susan Sparbrod

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