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Altenburg Altenburger Land: Komatrinken unter Jugendlichen ist ein wachsendes Problem
Region Altenburg Altenburger Land: Komatrinken unter Jugendlichen ist ein wachsendes Problem
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00:18 24.11.2016
Fatale Folgen des Komasaufens: Rettungssanitäter leisten erste Hilfe bei einem betrunkenen Jugendlichen. Quelle: dpa
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Altenburg

In Thüringen werden jedes Jahr mehrere hundert Jugendliche wegen einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt. Und die Zahl der Fälle nimmt seit vergangenem Jahr wieder zu. Wie neueste Daten des Statistischen Landesamtes Thüringen zeigen, wurden im Vorjahr landesweit 542 Zehn- bis 19-jährige mit einer Alkoholintoxikation eingeliefert. Das sind deutlich mehr als in 2014 – da waren laut Barmer GEK Thüringen 452 Fälle registriert worden. Im Jahr 2000 zählte man noch 304 Mädchen und Jungen in dieser Altersklasse.

Auch das Altenburger Land trägt zu dieser Aufwärtstendenz bei. In der hiesigen Klinik waren in den Jahren 2010 und 2011 jeweils 18 beziehungsweise 14 Patienten betroffen. 2014 waren es „lediglich“ neun Jugendliche, doch 2015 stieg die Zahl wieder auf 16. Die Zahlen wachsen wieder. Im aktuellen Jahr mussten sich bis zum jetzigen Zeitpunkt 15 Jugendliche in Behandlung begeben, wie Pressesprecherin Christine Helbig auf OVZ-Anfrage mitteilte.

Das Thema bleibt aktuell. Mit Blick auf den gesamten Freistaat waren die Zahlen seit 2008 zwar leicht gesunken und hatten sich inzwischen stabilisiert. Die aktuellen Werte des Statistischen Landesamtes hingegen zeigen einen sprunghaften Anstieg im Jahr 2015, zurück zu den Höchstwerten der vergangenen 15 Jahre. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Fälle in 2016 noch über den Vorjahreswert klettern wird.

„Wir sehen diese Entwicklung mit Sorge, denn trotz aller Maßnahmen zur Aufklärung bleibt die Zahl der Jugendlichen, die sich bis zum Exzess betrinken, weiter zu hoch“, so Hermann Schmitt, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK Thüringen. „Fakt ist: Wir haben ein Problem. Denn je früher der Missbrauch einsetzt, desto eher verfestigen sich die Verhaltensweisen und desto größer ist das Risiko für eine Abhängigkeit.“

Deutlich wird auch, dass exzessiver Alkoholgenuss nicht nur Phänomen unter Jungen und Männern, sondern zunehmend auch unter Mädchen und Frauen ist. Denn obwohl Männer noch immer den größeren Teil der stationär behandelten Fälle ausmachen, ist inzwischen jeder dritte Patient, der mit einer Alkoholvergiftung in der Notaufnahme landet, weiblich. Experten vermuten hinter dem Anstieg zum Teil aber auch eine verstärkte Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch die Debatte, die in den vergangenen Jahren über das Rauschtrinken geführt wurde, so dass die Notrufbereitschaft größer ist als früher.

„Bei Jugendlichen ist das Risikobewusstsein oft noch weniger ausgeprägt, als bei Erwachsenen, so dass es in dieser Gruppe besonders häufig zu Unfällen unter Alkohol kommt“, erklärt Stefan Dhein, Amtsarzt des Landkreises Altenburger Land. „Ein anderes Problem unter Jugendlichen ist das Trinken in der Gruppe und der entstehende Gruppendruck, so dass oft in kurzer Zeit erhebliche Mengen konzentrierten Alkohols aufgenommen werden.“

Die Folgen einer Alkoholvergiftung sind vielfältig. Bereits ab zwei Promille kann es zu Gedächtnisverlust, Übelkeit und Muskellähmungen kommen. Steigt der Pegel weiter, können Bewusstlosigkeit und Schockzustand einsetzen. Ab vier Promille treten schwerwiegende Herz-Kreislaufstörungen auf, die bis zum Tod führen können. Die Langzeitfolgen intensiven Alkoholkonsums reichen von Hirn- und Nervenschäden über Magenentzündungen, Leberschädigungen und Übergewicht bis hin zu erhöhtem Krebsrisiko in Mund, Rachen, Speiseröhre, Leber, Brust und Bauchspeicheldrüse.

Im Falle einer Alkoholvergiftung sollte man die betreffende Person bis zur Ankunft des Notarztes unter allen Umständen bei Bewusstsein halten und in die stabile Seitenlage versetzen. Des Weiteren sollte die Körpertemperatur mit Decken und einem heißen Getränk auf normalem Niveau gehalten werden, erklärte Kristin Wiesbaum, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Altenburg.

Von Christian Neffe

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