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Kontaktstelle für psychisch Kranke besteht seit 15 Jahren

Kontaktstelle für psychisch Kranke besteht seit 15 Jahren

Um psychisch kranke Menschen aus dem gesellschaftlichen Abseits zu holen, wurden im Zentrum Altenburgs 1996 eine Tagesstätte und ein Wohnheim eingerichtet.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Alexander Laboda

Wenn Rainer Stötter wie an diesem Mittag im Café der Psychosozialen Kontaktstelle in der Carl-von-Ossietzky-Straße sitzt, ist ihm seine schwere Krankheit nicht anzusehen. Das Hemd ist zwar verwaschen, die ergrauten Haare strähnig, die Augen müde, aber insgesamt würde ein ahnungsloser Besucher nie vermuten, dass der Altenburger seit vielen Jahren mit einem unheilbaren Leiden kämpft: Schizophrenie. "Ich habe noch Krisen, Rückfälle kommen vor. Aber ich fühle mich heute im Grunde wohl", erklärt Stötter sein Befinden. Dass die Symptome heute überschaubar sind, führt er auch auf die Gemeinschaft zurück, die er in der Kontaktstelle gefunden hat und für die er sich als sogenannter Klienten-Fürsprecher engagiert. "Meine Tätigkeit hier hat mir geholfen, nicht so niedergeschlagen zu sein. Ich werde gebraucht und tue etwas Sinnvolles", so Stötter.

Genau diesen Effekt will die Betreibergesellschaft Horizonte mit ihren Einrichtungen erzielen. Die gemeinnützige GmbH betreibt neben dem Übergangswohnheim im Marianne-Bucky-Haus und der Kontaktstelle, die jetzt 15 Jahre bestehen, unter anderem noch eine Tagesstätte für Suchtkranke sowie eine Einrichtung, in der Klienten einer zumindest geringfügig entlohnten Tätigkeit nachgehen können.

"Wir unterstützen unsere Klienten dabei, an der Gemeinschaft teilzuhaben. Wir helfen bei der Tagesplanung, schaffen berufliche Perspektiven und organisieren Freizeitaktivitäten", erklärt Diplom-Psychologe Reinhard Strecker Aufgaben der Einrichtungen, die er seit 2004 leitet. Viele der Klienten - die nicht als Patienten bezeichnet werden wollen - müssten nach einer Therapie in einer psychiatrischen Klinik bei null anfangen, wenn es um ihre soziale Rolle geht. Die meisten kämen hinterher "nicht recht in Schwung". Offene Treffpunkte im Zentrum der Städte, nah bei anderen Menschen, seien deshalb extrem wichtig für die erfolgreiche Rückkehr ins "normale" Leben. "Letztlich haben wir alle etwas davon, denn wenn wir uns nicht bemühen, bleiben die Ressourcen der Betroffenen unangezapft", appelliert Strecker für mehr Toleranz.

Leider herrsche trotz zentraler Lage der Einrichtungen in Sachen Akzeptanz auch nach 15 Jahren des Zusammenlebens Nachholbedarf. "Es schlägt uns keine offene Ablehnung entgegen und wir haben viel erreicht. Aber der enge Kontakt zu Anwohnern und Außenstehenden, den wir uns wünschen, ist noch nicht entstanden", bilanziert Strecker. Dabei seien psychische Erkrankungen keine Randerscheinung. Laut internationalen Studien werde jeder vierte bis fünfte Mensch weltweit einmal im Leben behandlungsbedürftig psychisch krank.

Zum Jahrestag wünschen sich Strecker und Stötter daher, dass Vorurteile noch weiter abgebaut werden, Stigmatisierung aufhört und auch Menschen mit schweren Erkrankungen wie Schizophrenie bessere Chancen auf Wohnungen und Arbeitsplätze haben. Klientensprecher Stötter hat hierfür bereits das Rezept: "Wir müssen vielleicht noch offener gegenüber den Menschen außerhalb sein, aber auch die Bevölkerung sollte sich etwas stärker für uns interessieren und unsere Einladungen annehmen, zum Beispiel hier ins Café oder zu unseren Gesprächsabenden."

Zur Feier des 15-jährigen Bestehens lädt Horizonte Interessierte heute um 18.30 Uhr in die Agneskirche in Altenburg ein. Die Festrede hält Ingmar Steinhart, der als Kapazität auf dem Gebiet psychiatrischer Versorgung gilt. Informationen zu weiteren Veranstaltungen und Treffs unter www.horizonte-altenburg.de

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