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Konzert im Finstern: Altenburger Heizhaus wagt ungewöhnliches Klangexperiment

Licht aus! Konzert im Finstern: Altenburger Heizhaus wagt ungewöhnliches Klangexperiment

Ein Konzert ohne Licht? Unvorstellbar – noch dazu in Zeiten, da Bühnenproduktionen auf immer aufwendigere optische Reize setzen. Das Altenburger Heizhaus wagte ein Experiment gegen den Zeitgeist und bot den Zuhörern ein Kammerkonzert in absoluter Dunkelheit. Das außergewöhnliche Hörerlebnis fand großen Anklang.

Flötistin Kathrin Osten erläutert den Zuhörern das Anliegen des Konzerts.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Es gibt keine Noten, es ist kein Blick auf die Saiten und auch kein Blick zum Nebenmann möglich – beim ersten Dunkelkonzert standen nicht nur die Künstler vor Herausforderungen. Auch das Publikum musste sich von der gewöhnlichen Konzertsituation verabschieden und sich ganz ohne optische Reize und visuelle Kommunikation auf die Musik einlassen. Das Heizhaus erschien für dieses Novum der perfekte Ort – bekannt, aber in dieser Form ungewöhnlich. Und wie Flötistin Kathrin Osten zu Beginn des Konzerts verriet, verwandelte die Bühnen- und Lichttechnik den Raum in eine Black Box. Das einstündige Konzert mit gleichnamigem Titel wurde an diesem Vormittag als geschlossenes System betrachtet, welches weder durch Moderation noch durch ein Programmheft unterbrochen wurde. Ein Ruhepol, eine Oase in Zeiten von Hektik und Stress. Dabei galt es vor allem die eigenen Sinne zu schärfen und sich nur auf das Gehör zu verlassen.

Während das Publikum weite Strecken des Kammerkonzerts im Dunkeln saß, spielte Uwe Knaust Oliver Messiaens „Abgrund der Vögel“ hinter einer Schattenwand. Das Solo der Klarinette zeichnete den Abgrund, die Zeit mit ihrer Traurigkeit und Müdigkeit sowie die Vögel, das Gegenteil der Zeit, das Verlangen nach Licht, nach den Sternen und Regenbögen und nach jubilierenden Stimmen

Claude Debussy Syrinx für Flötensolo, Ernst Hermann Meyer Sonatina fantasia für Violine in g-Moll, Bachs Chromatische Fantasie und Arvo Pärts Spiegel im Spiegel entfalteten unerwartete emotionale Welten. Automatisch entstehen Bilder vor dem geistigen Auge, der Zuhörer, absolut in dieser Position, nimmt die feinen und schwerelosen Töne der Flöte von linkskommend wahr, spürt die Klänge der Klarinette direkt vom Himmel schwebend und die Melodie der Violine flutend nach vorne in den Raum . Und obwohl Kathrin Osten die Flöte, Uwe Knaust die Klarinette, Markus Dreßler die Violine und Olav Kröger die Tasteninstrumenten quasi blind spielen, machten auch die Musizierenden an diesem Vormittag verstärkte Sinneserfahrungen.

Ganz und gar die Zeit vergessen hatte Grit Kipping, Musiklehrerin am Friedrichgymnasium. „Die Musik hat mich regelrecht eingefangen und geleitet“, erzählt sie. „Von Berufswegen war ich natürlich immer in Versuchung, den Leitfaden der Musik zu bestimmen und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Stücken zu erkennen. Doch der abgedunkelte Raum ließ mich meine Empfindungen nachspüren und ich konnte mich ganz auf die Musik einlassen.“ Begeistert war sie von der Stückauswahl des Konzerts, die die gesamte Stimmung ausmachten und unterordnete. „Es war etwas ganz Besonderes und ein Erlebnis, welches man nicht oft geboten bekommt.“

Die Kammerkonzerte sind so konzipiert, dass Ort, Klang und Raum aufeinander abgestimmt sind und Gesamteindrücke beim Zuhörer entstehen. So kommen die Zuhörer in den Genuss von thematisch zusammengestellten Werken der Kammermusik sowie architektonischen Perlen des Altenburger Landes. Das nächste Kammerkonzert findet am 13. Dezember 2015, 11 Uhr, im Hotel „Reussischer Hof“ in Schmölln statt.

Von Franziska Beer

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