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Kratzer am Gütesiegel

Kratzer am Gütesiegel

Zum ersten Mal haben Einwohner von Ortsteilen rund um die Schweinemastanlage Mockzig ihren Protest in die Kreisstadt getragen. Gestern versammelten sich auf dem Markt etwa 50 Demonstranten.

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Mit nach Gülle riechender Wäsche machen die Demonstranten gestern auf dem Altenburger Markt darauf aufmerksam, dass sie ihre eigene Kleidung wegen des Gestanks oft nicht zum Trocknen an die frische Luft hängen können.

Quelle: Mario Jahn

Seit wenigen Tagen liegt dem Landratsamt eine von über 100 Bürgern unterzeichnete Petition vor, die unter anderem die Einhaltung der Baugenehmigung fordert. Diese sieht die Abdeckung eines großen Güllebehälters vor, die offensichtlich fehlt. Die CDU der Skatstadt fordert den Betreiber auf, nach Lösungen für eine Gestankreduzierung zu suchen.

 

Von Jens Rosenkranz

 

Schrille Trillerpfeifen schreckten gestern Nachmittag einige Marktbesucher aus ihren gemütlichen Einkaufsbummeln. Bald roch es auch unangenehm. Die Demonstranten hatten mit Gülle bespritzte Kleidungsstücke auf eine improvisierte Wäscheleine gehängt. Darunter standen ausgeleerte Jauche-Kübel. Eigentlich sollten diese gefüllt sein, doch davon wurde den Initiatoren seitens der Behörden abgeraten. Es war die vierte Demonstration gegen den Gestank und die erste direkt in Altenburg.

 

Seit Anfang des Monats liegt dem Fachdienst Natur und Umweltschutz im Landratsamt eine Petition der Einwohner rund um Mockzig vor. Darin wird der sofortige Einbau von modernen Filteranlagen zur dauerhaften Senkung der Geruchsbelästigung gefordert. Außerdem verlangen die Bürger, dass das Ausbringen der Gülle mit einem Prallteller verboten wird - eine Technik, die für ihren Gestank bekannt ist. Ebenso wird die Abdeckung des Güllebehälters gefordert, so wie es die Baugenehmigung vorsieht.

 

Grundlage dieser Forderung ist eine der OVZ vorliegende Immissionsprognose für Geruch, Ammoniak und Staub am Standort der geplanten Schweinemastanlage vom Juli 2008, angefertigt von einem Fachbetrieb in Glauchau. Das Original der Prognose liegt in der Altenburger Stadtverwaltung und trägt die Aufschrift: "Gehört zur Baugenehmigung". Die Berechnungen der Glauchauer Fachleute fußen auf der Festlegung, dass die Gülle des Betriebes über das Rohrsystem zu einem Auffangbecken führt. "Bis zur Ausbringung der Gülle auf den Grün- und Ackerflächen erfolgt die Lagerung im abgedeckten Güllebehälter", heißt es im Punkt 2.2. Anlagenbeschreibung/Tierbestand. Ebenso ist dort ein 3435 Kubikmeter umfassender kreisrunder Behälter eingezeichnet. Laut OVZ-Recherchen und den Berichten der Demonstranten zufolge ist dieser Riesenbottich nur zu einem geringen Teil, etwa 15 Prozent, abgedeckt. Dabei handelt es sich um Naturstoffe, die auf der Gülle schwimmen. Ein massiver Deckel ist gar nicht vorhanden.

 

Nach Meinung des Anlagenbetreibers und des zuständigen Landwirtschaftsamtes in Zeulenroda wird die Anlage allerdings fachgerecht und laut Baugenehmigung betrieben. Auch das Landratsamt hatte dem Betrieb ein Gütesiegel erteilt: "Gemäß Kontrollen der unteren Immissionsschutzbehörde wird die Schweinemastanlage Mockzig bescheidgemäß betrieben", heißt es in der Antwort auf eine OVZ-Anfrage. Die Demonstranten haben das Landratsamt auf diesen offensichtlichen Widerspruch hingewiesen, aber noch keine Antwort.

 

Unterstützung erhalten die Anlagengegner vom Stadtverband der CDU. Die Union äußert in einer Presseerklärung großes Verständnis für die Demonstrationen wegen der Geruchsbelästigungen rund um die umstrittene Anlage. "Selbst wenn die Behörden den Betreibern einen ordnungsgemäßen Betrieb bescheinigen, müssen die Sorgen der Anwohner sehr ernst genommen werden", sagte der CDU-Ortsvorsitzende André Neumann. Gerade die Gutsverwaltung als Betreiber der Schweinemastanlage stehe in diesem Konflikt in der Pflicht, im Dialog mit den Anwohnern nach einer Lösung zu suchen. Diese Lösung muss zwar für das Unternehmen wirtschaftlich vertretbar sein, aber allen Beteiligten gerecht werden, heißt es. "Gerüche im Umfeld einer Schweinemastanlage sind wohl normal, müssen aber auf ein technisch erreichbares Minimum reduziert werden."

Jens Rosenkranz

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