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Altenburg Kreis muss zwei Jahre lang teure Drehleiter mieten
Region Altenburg Kreis muss zwei Jahre lang teure Drehleiter mieten
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05:23 29.10.2018
Das ist die Mietdrehleiter, derzeit für 80 000 Euro vom Landkreis angemietet wird. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Vor anderthalb Jahren steckten Altenburgs Floriansjünger in einem ernsthaften Dilemma. Ihre 25 Jahre alte Drehleiter hatte wieder einmal den Geist aufgegeben und es stellte sich heraus, dass es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden handelt. Ersatz musste dringend her, doch einerseits kostet solche Spezialtechnik schnell bis zu 800 000 Euro, und zudem beträgt die Bauzeit solcher Spezialanfertigungen um die zwei Jahre. Eine Mietleiter wurde eilig herbei geschafft, um keinerlei gefährliche Lücken im Brandschutz zu reißen.

Seit Februar diesen Jahres ist die Lücke erfolgreich geschlossen. Mit einem finanziellen Kraftakt konnte eine neue, rund 634 000 Euro teure Drehleiter finanziert und im Depot Remsaer Straße stationiert werden. Die Mietleiter – immerhin um die 30 Jahre alt und damit auch schon arg in die Jahre gekommen, wie auch mit 100 Euro pro Tag sündhaft teuer – konnte wieder zurück gegeben werden.

Angemieteter Löscholdie ist immer noch da

Wer aber dieser Tage am Altenburger Feuerwehrzentrum vorbei kommt und etwas genauer hinschaut, der glaubt, dort eine Fata Morgana zu erblicken: Denn dort steht nicht nur Altenburgs neue Drehleiter, sondern auch der angemietete Lösch-Oldie.

Aber die doppelte Drehleiter ist keine Luftspieglung, sondern Realität. Und der schon absurd anmutende Gipfel eines Zwistes zwischen dem für den überörtlichen Brandschutz zuständigen Landratsamt sowie der Stadt Altenburg. Denn die Floriansjünger der Skatstadt sind wie auch die Kameraden aus Meuselwitz, Schmölln und Niederhain als so genannte Stützpunktfeuerwehr auch für die Absicherung des überörtlichen Brandschutzes zuständig. Für diese Einsätze außerhalb der eigentlichen Stadtgrenzen, so schreibt es das Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetz vor, braucht es eigene Technik, für deren Anschaffung das Landratsamt zuständig ist. Damit soll vermieden werden, dass beispielsweise eine Drehleiter zu einem auswärtigen Einsatz rollt, es zeitgleich aber in Altenburg einen Notfall gibt, bei dem es dringend eine Leiter braucht, die dann aber fehlt. Oder umgekehrt.

Das Gesetz gilt übrigens seit 1996. Seither erfolgte diese zusätzliche Anschaffung aber nicht. Statt dessen musste bis 2014 eine bis dahin noch in Altenburg herumstehende alte Drehleiter aus DDR-Zeiten als vermeintlicher Ersatz herhalten, der schon Anfang der 1990er-Jahre völlig veraltet und als Rettungsmittel untauglich war.

Worst Case noch nicht vorgekommen, aber auch nicht auszuschließen

Zwar ist dieser „worst case“, dieser schlimmste Fall, äußerst selten und in Altenburg ist es noch nicht vorgekommen, dass ein Rettungsgerät nicht zur Verfügung stand. Aber es ist eben auch nicht auszuschließen. Bislang reichte die in Altenburg stationierte Drehleiter für alle Szenarien aus. Finanziell beteiligte sich deshalb auch der Kreis an den anfallenden Betriebskosten für das Spezialgerät und teilte sich mit der Stadt die Kosten von 100 Euro pro Tag für das Mietfahrzeug.

Mit einer parallelen Beschaffung eines eigenen Fahrzeugs, für das Lieferzeiten von anderthalb bis zwei Jahre veranschlagt werden müssen, hatte man es über die Jahre nicht eilig. Doch mit dem Totalschaden der alten Leiter im Frühjahr 2017 und der angeschobenen Ersatzbeschaffung eskalierte der Knatsch um die Finanzierung. Noch im August des vergangenen Jahres hoffte der damalige Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) für die neue Technik auf einen Zuschuss des Kreises in Höhe von 225 000 Euro. „Auch der Landkreis muss bei der Finanzierung mit ins Boot, weil die Altenburger Wehr Stützpunktfeuerwehr ist, und auch mit der Drehleiter überörtlich zum Einsatz kommt“, sagte Wolf damals gegenüber der OVZ und berief sich dabei auf zumindest erfolgversprechende mündliche Zusagen aus der Kreisbehörde.

Kein Geld vom Kreis für Altenburger Drehleiter

Es kam bekanntlich anders: Der Kreis gab kein Geld zur Altenburger Drehleiter, die neben dem Landeszuschuss allein von der Stadt getragen werden musste. Dafür mussten einige Vorhaben verschoben und ein tiefer Griff in die Rücklage getätigt werden.

Und Wolf grollte – warf der ausbleibende Kreiszuschuss doch alle Finanzmodelle über den Haufen – und fühlte sich von der damaligen Landrätin Michaele Sojka (Linke) hinters Licht geführt. Die Retourkutsche kam nun offensichtlich prompt und ist im Depot Remsaer Straße zu besichtigen: Neben der modernen Altenburger Leiter steht dort nun wieder die betagte Mietleiter, die nun ausschließlich für überörtliche Einsätze zum Einsatz kommt. Die neue und ausschließlich von städtischen und Landesgeldern bezahlte Altenburger Leiter rollt nur innerhalb der Stadtgrenzen zu Einsätzen.

Neue Drehleiter nicht vor Juni 2020

Die gut 30 Jahre alte Leiter des Kreises ist eine gemietete, die eine Menge Geld kostet: 100 Euro, jeden Tag. Und der Posten dürfte bis 2020 Bestand haben. Denn erst in diesem Jahr – konkret im Juni 2020 – soll die vom Landratsamt in Auftrag gegebene Drehleiter für die Altenburger Stützpünktfeuerwehr fertig und ausgeliefert sein. Den Beschluss zur Miete der Ersatztechnik hat übrigens der Kreisausschuss in nichtöffentlicher Sitzung am 11. Juni 2018 kurz vor dem Ende von Sojkas Amtszeit als Landrätin gefasst: Bis zum Juni 2020 summieren sich die Kosten auf üppige 78 290,10 Euro.

Von Jörg Wolf

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