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Altenburg Kreistag zeigt erneut Zähne - Theaterchef Kay Kuntze soll keinen Zusatzvertrag als Operndirektor bekommen und sein Vorgänger in Regress genommen werden
Region Altenburg Kreistag zeigt erneut Zähne - Theaterchef Kay Kuntze soll keinen Zusatzvertrag als Operndirektor bekommen und sein Vorgänger in Regress genommen werden
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21:00 06.09.2012

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Von Günter Neumann und Ellen Paul

Hinter verschlossenen Türen billigten die Abgeordneten im nichtöffentlichen Teil OVZ-Informationen zufolge mit sehr großer Mehrheit eine Vorlage von Landrätin Michaele Sojka (Linke), gegen den Ex-Intendanten Matthias Oldag und die damaligen Wirtschaftsprüfer von der HKMS Treuhand GmbH Plauen Schadenersatzansprüche von insgesamt 35 000 Euro geltend zu machen.

Die drei Gesellschafter des Theaters - die Städte Altenburg und Gera und der Kreis Altenburger Land - hatten bereits Anfang 2011 eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Prüfung und rechtlichen Bewertung der Vorwürfe gegen Oldag beauftragt. Am 28. Juni 2011 legten die Anwälte ihre Expertise vor (OVZ berichtete). Demnach hatte Oldag als Geschäftsführer seine Pflichten verletzt, weil er kein Risiko-Früherkennungssystem einrichtete, das den gesetzlichen Ansprüchen entsprach. "Er schuldet der Gesellschaft den Ersatz des hieraus entstandenen Schadens." Dieser Schaden entspreche den Aufwendungen der beauftragten Kanzlei und belaufe sich auf 35 000 Euro. Dagegen seien die ungeplanten Mehrausgaben, die das Theater an den Rand der Pleite brachten, kein "ersatzfähiger Schaden".

Zu analogen Schlussfolgerungen kamen die Anwälte auch im Hinblick auf die damaligen Wirtschaftsprüfer: Weil sie das unzureichende Früherkennungssystem nicht rügten, hätten sie ihre Pflichten verletzt.

Diese Erkenntnisse ließen die Verantwortlichen - Altenburgs Oberbürgemeister Michael Wolf (SPD) sowie der damalige Geraer OB Norbert Vornehm (SPD) und der damalige Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) - jedoch über ein Jahr lang in ihren Schreibtischen liegen. Wie Michaele Sojka nun den Kreistag informierte, habe die Gesellschafterversammlung zwar mehrfach über das Gutachten beraten, aber keine Entscheidung getroffen, ob nun Schadenersatz gefordert werden soll oder nicht. Da die Ansprüche aber nach fünf Jahren verjähren, sei ein weiteres Hinausschieben nicht mehr zu vertreten.

Das sahen die Abgeordneten genauso und beauftragten die Landrätin, zeitnah eine entsprechende Beschlussvorlage in der Gesellschafterversammlung auf den Tisch zu legen. Dort allerdings hat der Landkreis keine Mehrheit, Altenburg und Gera könnten mithin die Klage immer noch blockieren.

Dieses Schicksal könnte auch der zweiten Theater-Entscheidung drohen: Intendant Kay Kuntze soll nicht den Zusatzjob des Operndirektors bekommen. Die entsprechende Ergänzung seines Anstellungsvertrages, den die Gesellschafterversammlung schon am 2. Mai beschloss, fand unter den Abgeordneten des Kreistages nach OVZ-Informationen nicht einen einzigen Befürworter. Bis auf drei Stimmenthaltungen wurden ausschließlich Gegenstimmen gezählt. Nach Meinung der Abgeordneten sei der Zusatzjob mit Zusatzvergütung in der aktuellen, dramatischen Finanzsituation das völlig falsche Signal. Denn während alle anderen Mitarbeiter zu neuerlichem Gehaltsverzicht aufgefordert sind, würden dem Theaterchef auf sein Intendanten-Gehalt noch 2000 Euro monatlich draufgesattelt.

Auch hier ist unklar, welches Gewicht das Kreistags-Votum hat. Altenburgs OB will dem Vernehmen nach den Stadtrat gar nicht einbeziehen. Da er als Gesellschafter schon zustimmte, wird Gera das Zünglein an der Waage. Oberbürgermeisterin Viola Hahn (parteilos) war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Zur Erinnerung: Vor genau einem Jahr hatte sich der Kreistag mit 17:13 Stimmen bei vier Enthaltungen gegen die Bestellung von Kay Kuntze als neuen künstlerischen Geschäftsführer des Altenburg-Geraer Theaters ausgesprochen. Seine zahlreichen anderweitigen Verpflichtungen gaben damals den Ausschlag. Da aber die Stadträte in Altenburg und Gera mehrheitlich für Kuntze votierten, wurde der Berliner Opernregisseur doch neuer Theaterchef.

Erstmals in der jüngeren Geschichte ist in die Entscheidung über Vertragsdetails eines Intendanten der gesamte Kreistag einbezogen worden. Dies möglicherweise aus gutem Grund. Denn die letztlich doch bekannt gewordenen Forderungen von Ex-Intendant Matthias Oldag für eine zweite Amtszeit hatten für mächtig Aufruhr gesorgt. Zu einem Jahresgehalt von 110 000 Euro plus 3000 Euro monatlich als Operndirektor wollte Oldag eine Ausstiegsklausel, die ihm im Falle von Spartenschließung oder Unterschreitung der Mindestpersonalstärke von 306 von seinen Aufgaben entbindet - bei vollem Gehalt bis zum Vertragsende. Falls er aus diesem Grund kündigt, wäre die gesamte Summe sogar innerhalb von zwei Wochen fällig gewesen. Da Oldag einen Acht-Jahres-Vertrag bis 2019 wollte, wäre das in Summe über eine Million Euro gewesen. Demgegenüber hatten die Mitarbeiter bereits den dritten Haustarifvertrag.

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