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Altenburg Künftig kaum noch verkaufsoffene Sonntage im Altenburger Land
Region Altenburg Künftig kaum noch verkaufsoffene Sonntage im Altenburger Land
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05:00 10.02.2017
Das Landratsamt möchte künftig verkaufsoffene Sonntage im Altenburger Land nur in Ausnahmefällen erlauben. Betroffen wäre davon auch Möbel Schröter. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Einfach mal mit der Familie entspannt am Sonntag zum Shoppen aufbrechen – das wird sich im Altenburger Land künftig deutlich seltener realisieren lassen. Hintergrund ist eine bereits im vergangenen Jahr gefallene Entscheidung des Thüringer Oberverwaltungsgerichts, die die bisher im Freistaat geltende Regelungspraxis grundsätzlich in Frage stellt. Das Landratsamt macht nun ernst und hat bereits einige Anträge auf verkaufsoffene Sonntage abgelehnt. Die Betroffenen – zwei Möbelhäuser, ein Elektro- und ein Baumarkt – sind sauer – und wollen sich wehren.

Hintergrund: Die Weimarer Richter hatten Ende September 2016 auf Antrag der Gewerkschaft Verdi die in Erfurt angewandte Verordnungspraxis für unwirksam erklärt. In der Landeshauptstadt hätten zahlreiche Läden ursprünglich an insgesamt 12 Sonntagen öffnen sollen. Nach Auffassung der Richter müsse ein „besonderer Anlass“ vorliegen, der eine Ladenöffnung rechtfertige und nicht – wie bisher meist üblich – die eigentliche Ladenöffnung im Vordergrund stehen. Dies sei in Erfurt und vielen anderen Kommunen des Freistaates nur in den seltensten Fällen gegeben gewesen.

Der Landkreis trägt der richterlichen Entscheidung nun Rechnung. Man werde in Zukunft nur noch wenige Ausnahmen von dieser Regelung zulassen können, heißt es auf OVZ-Anfrage aus der Behörde. Es gebe im Altenburger Land erfahrungsgemäß nur wenige Veranstaltungen an Sonn- und Feiertagen, die einen solch beträchtlichen Besucherstrom anziehen, dass zu dessen Versorgung die Ladenöffnung erforderlich sei.

Eine Sichtweise, die unter zahlreichen Einzelhändlern für Unmut sorgt. Nicht nur fielen so viele fast schon traditionelle Aktionen weg, die Entscheidung stelle zahlreiche Unternehmen im Osten Thüringens zudem deutlich schlechter als zuvor.

„Das ist gerade im Grenzgebiet ein großer Wettbewerbsnachteil“, betont etwa Kay Schröter vom gleichnamigen Möbelhaus in Windischleuba. Potenzielle Kunden würden durch die Entscheidung eher dazu verleitet, ihr Geld nach Leipzig, Zwickau oder Chemnitz zu tragen. Zudem verliere das Altenburger Land so einen großen Teil seiner Attraktivität für Stadtbewohner und Zuzügler, ist sich Schröter sicher. Die Entscheidung hat für ihn bereits Auswirkungen. So werde der ursprünglich für den 5. März angedachte Lunch auf den 4. März vorgezogen, teilt das Möbelhaus auf seiner Homepage mit.

Auch beim nur wenige hundert Meter entfernten Expert-Jäger-Elektromarkt fällt nun unter anderem das Frühjahrsfest (5. März) der Entscheidung zum Opfer. Geschäftsführer Claus Jäger jun. ärgert sich besonders darüber, dass die Verordnung den kompletten Sinn eines verkaufsoffenen Sonntags aushebele. „Wenn so ein Tag an ein Fest gekoppelt ist, kommen die meisten Leute deswegen und eben nicht, um einzukaufen“, unterstreicht er.

Eine ungleiche Behandlung der einzelnen Kommunen sieht Stephan Schütze vom benachbarten SB Möbel Boss. „Ich sehe ja ein, dass in Erfurt übertrieben wurde“, erklärt er, „aber vier oder selbst drei Sonntage für uns würden ausreichen. Das die nun aber komplett wegfallen könnten, ist nicht fair.“ Das Argument, dass die Entscheidung vor allem für seine Mitarbeiter Vorteile bringe, möchte Schütze nicht gelten lassen. „Sie sagen mir immer wieder, dass sie solche Aktionen gerne machen“, betont er. Zudem seien die Termine weit im Voraus absehbar und auch nicht jeder müsse an allen Tagen arbeiten.

Geschlagen geben wollen sich die Einzelhändler der Region noch nicht. Man strebe einen Gesprächstermin mit der Wirtschaftsförderung des Kreises an, teilt Kay Schröter mit. Beteiligt daran sei neben seinem Haus, Möbel Boss und Expert-Jäger auch die Leitermann-Niederlassung in Lödla. Sollte die Regelung weiter Bestand haben, werde man sich wohl auf andere Varianten verlegen. So könnten man sich etwa Late-Night-Angebote oder Mitternachtsshopping vorstellen, eventuell die Aktionen ballen, wie Leitermann-Niederlassungsleiter Silvo Semek erläutert – das wäre dann wohl auch rechtlich gedeckt.

Von Bastian Fischer

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